AS PrivatBank Test & Bewertung

Letztes Update am 05.03.2013 von Stefan Erlich | Testergebnis:  Bewertung: 1,5 von 5 Punkten

Zusammenfassung & Bewertung

Eine der am häufigsten gestellten Fragen im Zusammenhang mit der AS PrivatBank betrifft die Sicherheit von Einlagen. Nachdem die Stiftung Wartentest Ende November 2012 Zweifel am Einlagensicherungssystem Lettlands äußerte und die Bank folglich nicht in ihrem Vergleich aufnahm, haben uns zahlreiche E-Mails von Nutzern erreicht, weshalb wir die Bank einmal genauer unter die Lupe nehmen wollen.

Positiv
Gutes Rating des lettischen Staates, der im Notfall eingreifen könnte
Negativ
Schlechtes Rating durch die Rating-Agentur Moody's
Negativ
Bank hat es in den letzten Jahren nicht geschafft, Gewinne zu erwirtschaften
Negativ
Relativ leerer Einlagensicherungsfonds Lettlands im Vergleich zu den vorhanden Einlagen

Gesamtbewertung der AS PrivatBank:

Insgesamt geben wir der AS PrivatBank Einlagensicherung & Sicherheit mit 1,5 von 5 Punkten eine eher schlechte Note. Grund hierfür sind nicht nur Zweifel an der Einlagensicherung Lettlands, sondern auch das relativ schlechte Rating der Bank durch Moodys. Anleger sollten sich gut überlegen, ob die potentielle etwas höheren Zinsen das höhere Risiko wirklich wert sind. Eine Entschädigung im Insolvenzfall ist zwar potentiell rechtlich einklagbar, ob man diesen Weg als deutscher Kleinanleger in Lettland im Ernstfall allerdings wirklich gehen will, darf durchaus bezweifelt werden.

Wer ist die AS PrivatBank?

Logo der AS PrivatBank

Die AS PrivatBank ist ein lettisches Finanzinstitut, das 1992 unter dem Namen AS PARITATE BANKA gegründet wurde und heute nach eigenen Angaben zu den ältesten Banken Lettlands zählt. Die AS PrivatBank ist ein Tochterunternehmen der ukrainischen PrivatBank (ebenfalls 1992 gegründet), welche u. a. nach Anzahl der Kunden als die größte Privatbank der Ukraine gilt und zur Unternehmesgruppe Privat Group gehört. Sowohl die AS PrivatBank in Lettland als auch die Muttergesellschaft in der Ukraine sind daher relativ junge Finanzinstitute, was jedoch aufgrund der Historie der Region nicht überrascht. Seit August 2012 ist die AS PrivatBank nun auch in Deutschland aktiv, wobei sie hier keine eigenen Filialen oder Niederlassungen betreibt. Vielmehr werden alle Anlageprodukte online vertrieben.

Rating & Bonität der AS PrivatBank

Die Bonität einer Bank wird häufig anhand von Ratings gemessen, die von verschiedenen Agenturen erstellt werden. Auch die AS PrivatBank hat sich bis Oktober 2012 von der Ratinggesellschaft Moodys bewerten lassen und hier mit einem langfristigen Wert von B3 ("hochspekulativ") und einem kurzfristigen Wert von "Not prime" eher schlecht abgeschnitten. Moodys erwähnt in seinem letzten Bericht vom Oktober 2012 zudem, dass die Geschäftsbeziehung zur AS PrivatBank eingestellt wird und somit auch keine weiteren Ratings erfolgen werden. Der Grund dafür wird nur mit einem wenig aussagekräftigen "for business reasons" angegeben. Eine offizielle Anfrage bei der AS PrivatBank dazu vom 14.02.2013 blieb bis heute unbeantwortet.

Ein Blick auf die Jahresabschlüsse der AS PrivatBank zeigt zudem, dass das Unternehmen seit der Finanzkrise 2008/2009 keinen Gewinn mehr erwirtschaftet hat. Während die Bank es in 2008 gerade noch in die Gewinnzone geschafft hat, waren die Jahre 2009, 2010 und 2011 von Verlusten in Höhe von bis zu zweistelligen Millionenbeträgen geprägt. Grundsätzlich ist der Unternehmensgewinn allerdings bezüglich der Einlagensicherheit einer Bank nur einer von vielen Indiaktoren und nicht immer besonders aussagekräftig. Dies zeigt sich z. B. bei einem Blick auf das Ende Januar 2013 vorab veröffentlichte Jahresergebnis für 2012, das bei ca. 2 Mio EUR Gewinn liegen soll. Die Bank scheint somit derzeit wieder Gewinne zu erwirtschaften, wobei noch unklar ist, woraus sich dieser Gewinn ergibt.

AS PrivatBank Einlagensicherung

Einlagensicherungsfonds Lettlands

Die AS PrivatBank ist zwar bei der deutschen Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) gemeldet, agiert in Deutschland jedoch nur als sogenannter “grenzüberschreitender Dienstleister” und ist damit nicht zur Mitgliedschaft im gesetzlichen deutschen Einlagensicherungsfonds verpflichtet. Stattdessen sind Kundeneinlagen über den gesetzlichen lettischen Einlagensicherungsfonds (genannt "Noguldijumu Garantiju Fonds") entsprechend der EU-Richtlinie bis 100.000 EUR pro Person abgesichert.

Ende November 2012 äußerte die Stiftung Warentest jedoch Zweifel am lettischen Einlagensicherungssystem und begründete dies mit dem noch recht jungen Alter des Fonds und der während der Finanzkrise im Jahre 2008 in Schieflage geratenen Parex Bank, welche letztlich zu einem Großteil und für einen symbolischen Preis vom lettischen Staat übernommen wurde. Die Übernahme der Bank brachte das Land in Schwierigkeiten, da es plötzlich Probleme bekam, Kredite an den frei zugänglichen Kapitalmärkten aufzunehmen. Die Folge waren Notkredite des Internationalen Währungsfonds und später ein dubioser Verkauf der Parex Bank an die European Bank for Reconstruction and Development (EBRD). Eine Entschädigung der u. a. deutschen Anleger musste im Falle der Parex Bank jedoch nie erfolgen, da diese vom lettischen Staat übernommen wurde.

Tatsächlich sind die Zweifel der Stiftung Warentest allerdings nicht ganz unbegründet. So musste der Fonds 2011 für Kundeneinlagen zweier insolventer lettischer Banken ("Latvijas Krajbanka" und "Raunas Kooperativa krajaizdevu sabiedriba") geradestehen und in diesem Zusammenhang Entschädigungen zahlen, die das vorhande Fondsvolumen weit überstiegen (siehe Finanzbericht des Fonds). Der lettische Staat sprang jedoch mit einem Kredit von ca. 250 Mio. EUR ein, so dass die Kunden auch tatsächlich entschädigt werden konnten. Zwar stehen dem Kredit auch potentielle Einnahmen aus der Liquidation der verbleibenden Vermögenswerte gegenüber, jedoch wird selbst im Jahresbericht 2011 des Fonds angedeutet, dass diese im schlechtesten Falle nur 39% der Forderungen abdecken würden.

Leider hat der lettische Einlagensicherungsfonds noch keinen Jahresbericht für 2012 vorgelegt, jedoch ist bereits aus der Bilanz des 3. Quartals 2012 herauszulesen, dass die zur Erstattung von Kundeneinlagen relativ schnell verfügbaren Mittel bei etwa 90 Mio. EUR liegen würden (Annahme: die langfristigen Investments des Fonds sind nicht kurzfristig auflösbar). Vergleicht man dies mit den letzten verfügbaren Zahlen zur Höhe der Kundeneinlagen der AS PrivatBank (Stand 2011: ca. 350 Mio EUR), so wird schnell klar, dass entsprechend der gesetzlichen Regelungen im Falle einer Pleite der AS PrivatBank der lettische Staat einspringen müsste. Derzeit wird Lettland von den Rating-Agenturen mit "Investment Grade" bewertet, was grundsätzlich dafür spricht, dass es einen solchen Betrag auch am Kapitalmarkt aufnehmen könnte, zumal die Staatsverschuldung in 2011 bei vergleichsweise geringen 42% des BIP lag (zum Vergleich: Deutschland lag 2011 bei etwa 80%). Dass dies im Falle des Falles auch wirklich so funktioniert, dafür möchten wir unsere Hand allerdings nicht ins Feuer legen, auch wenn Anleger grundsätzlich einen Rechtsanspruch auf Erstattung haben.

Kunden der AS PrivatBank sollten in jedem Falle die Nachrichten rund um Lettland und sein Bankensystem verfolgen, um rechtzeitig über Probleme informiert zu werden. Die lettische Financial and Capital Market Commission informiert in diesem Zusammenhang auch regelmäßig auf ihrer Webseite über aktuelle Ereignisse. Anleger sollten zudem noch beachten, dass nach den Regeln des lettischen Einlagensicherungsfonds Erstattungen von Einlagen im Falle einer Pleite der AS PrivatBank in lettischer Währung (Lats) erfolgen und nicht in EUR. Im Ernstfall etwas hürdenreich könnte der Erstattungsprozess zudem für Personen ohne gute Englischkenntnisse werden.

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