Banca Farmafactoring Test & Bewertung

Letztes Update am 12.06.2016 von David Stahmann | Testergebnis:  Bewertung: 3 von 5 Punkten

Zusammenfassung & Bewertung

Der Anlagevermittler WeltSparen listet seit Anfang Juni diesen Jahres die italienische Banca Farmafactoring in seinem Angebotsportfolio. Die Bank ist seit 2014 im italienischen und seit 2015 im spanischen Einlagengeschäft aktiv. Nun sind verschiedene Festgeldangebote auch für deutsche Anleger verfügbar. Grund genug für uns, einen Blick auf das Finanzinstitut zu werfen und dessen Seriosität zu bewerten.

Die wichtigsten Ergebnisse der Sicherheitsanalyse finden Sie hier zusammengefasst:

Positiv
Anlage und Kundenservice erfolgt über den unserer Meinung nach seriösen Anlagevermittler WeltSparen
Positiv
Positive Gewinnentwicklung seit 2012
Positiv
Überraschend gute Eigenkapitalausstattung der Bank
Neutral
Nur durchschnittliches Länderrating Italiens
Negativ
Wirtschaftliche Schwäche Italiens & Probleme im Finanzsektor
Negativ
Unzureichende Ausstattung des Einlagensicherungsfonds für eine Pleite der Bank

Bewertung der Banca Farmafactoring

Insgesamt bewerten wir die Banca Farmafactoring mit noch guten 3 von 5 Punkten. Die Bank selbst hinterlässt bei uns einen durchaus guten Eindruck. So arbeitet sie seit mehreren Jahren mit Gewinn und überzeugt sowohl hinsichtlich der Eigenkapitalausstattung als auch in Bezug auf den zuletzt ausgewiesenen Liquiditätspuffer. Sorgen bereiten uns hingegen die schlechte wirtschaftliche Situation Italiens, die Probleme im Finanzsektor und das mit ca. 200 Mio. € recht geringe Vermögen des italienischen Einlagensicherungsfonds.

Beide Faktoren sind nicht direkt der Bank anzulasten, sondern wirken sich nur indirekt auf das Geschäft sowie eine mögliche Insolvenz der Bank aus. Wir empfehlen daher, eine Anlage bei der Banca Farmafactoring nur als Beimischung zu einem breit gestreuten Festgeldportfolio zu nutzen, um die Folgen möglicher Probleme in Italien und/oder bei der Bank von vornherein zu begrenzen.

Für die Anlageentscheidung bei der Banca Farmafactoring sollten Sie auch an den damit verbundenen Verwaltungsaufwand hinsichtlich der Besteuerung denken. Zunächst muss man wissen, dass die Bank zwar in Italien sitzt. Das Festgeld von deutschen Anlegern läuft aber rechtlich gesehen über die spanische Niederlassung. WeltSparen hat sich nach eigenen Angaben deswegen für dieses Konstrukt entschieden, da es in Spanien wesentlich einfacher ist, eine Reduzierung der nationalen Quellensteuer von 20 % auf 0 % zu erreichen.

Sie erhalten dazu im Rahmen der Kontoeröffnung ein vorausgefülltes Formular, das Sie unterschrieben mit den restlichen Unterlagen an WeltSparen schicken. Beachten Sie, dass das Formular WeltSparen zwingend schon zum Zeitpunkt der Kontoeröffnung vorliegen muss. Sie erhalten die Zinserträge dadurch brutto ohne Abzug der spanischen Quellensteuer ausgezahlt. Allerdings sind Sie dazu verpflichtet, diese Zinsauszahlungen in Ihrer persönlichen Steuererklärung anzugeben und ggf. zu versteuern (Anlage KAP). Freistellungsaufträge oder NVA-Bescheinigungen sind nicht möglich.

Eine Anlage bei der Banca Farmafactoring kann nur über den Anlagemarktplatz WeltSparen abgeschlossen werden. Das ist aus unserer Sicht aber kein Nachteil für deutsche Anleger. Anbieter wie diese (auch Zinspilot und Savedo gehören u. a. dazu) ermöglichen es erst, solche Angebote ausländischer Banken überhaupt wahrnehmen zu können. Weiterhin haben Sie damit einen deutschsprachigen Ansprechpartner bei Fragen oder Problemen. Da diese Plattformen selbst keinen Zugriff auf Ihr Geld haben, sondern als reine Vermittler arbeiten, dürfte Ihnen auch eine Insolvenz von WeltSparen keine größeren Sorgen bereiten.

Über die Banca Farmafactoring

Die Banca Farmafactoring (Banca Farmafactoring S.p.A.) mit Sitz in Mailand wurde 1985 von verschiedenen italienischen Pharma- und Gesundheitsunternehmen gegründet, damals noch unter dem Namen Farmafactoring. Hauptaufgabe des Finanzinstituts war das zentrale Kreditmanagement sowie die Absatzfinanzierung für die beteiligten Unternehmen. 2006 expandierte die damalige Farmafactoring nach Spanien, etwas später zusätzlich nach Portugal. Nachdem das Institut 2013 eine Vollbanklizenz erhielt und sich zur heutigen Banca Farmafactoring umfirmierte, stieg die Bank auch ins Einlagengeschäft ein.

Die Bankengruppe beschäftigt insgesamt knapp 190 Mitarbeiter und verwaltet aktuell Kundeneinlagen in Höhe von ca. 420 Mio. €, wobei diese bisher ausschließlich von italienischen und spanischen Kunden zu stammen scheinen (siehe Geschäftsbericht 2015, S. 28). Mit dem Eintritt in den deutschen Festgeldmarkt dürfte sich das Volumen weiter erhöhen. Insgesamt handelt es sich auf Basis des Einlagenvolumens aber noch um eine relativ kleine Bank.

Das Unternehmen gehörte seit 2006 der Privat-Equity-Gesellschaft Apax Partners, nach eigener Aussage eine der größten Kapitalbeteiligungsgesellschaften der Welt. Im April 2015 wurde der Verkauf der Banca Farmafactoring Gruppe an die luxemburgische Tochter der US-amerikanischen Investmentgesellschaft Centerbridge Partners, L. P. bekanntgegeben. Die Übertragung der entsprechenden Anteile (ca. 95 %) fand am 4. November 2015 statt (siehe Geschäftsbericht 2015, S. 18).

Details zum Berliner Anlagemarktplatz WeltSparen

Eine Anlage bei der Banca Farmafactoring erfolgt, ebenso wie der Kundenservice, über den Anlagemarktplatz WeltSparen. Dieser ist als Marke der Berliner Raisin GmbH (ehemals SavingGlobal GmbH) seit 2014 mit einer Reihe von Tages- und Festgeldangeboten in Deutschland tätig. Dank Plattformen wie WeltSparen ist die Nutzung solcher Angebote aus dem EU-Ausland deutlich einfacher geworden, da Anleger mit nur einem Konto Geldanlagen bei verschiedenen Partnerbanken durchführen können, ohne jeweils vor Ort den Kontoeröffnungsprozess durchlaufen zu müssen. Daher befürworten wir das Konzept von WeltSparen.

Rating & Bonität der Banca Farmafactoring

Die Banca Farmafactoring besitzt kein eigenes Rating von einer der großen Ratingagenturen (Moody’s, S&P, Fitch, DBRS). Das ist allerdings nicht zwingend negativ auszulegen, da Banken zur Erstellung solcher Bewertungen nicht verpflichtet sind. Die Durchführung ist teuer und muss von den Banken selbst bezahlt werden, weshalb nicht jede Bank dafür Geld ausgeben möchte, vor allem wenn keine Aussicht darauf besteht, dadurch die Refinanzierungskosten senken zu können.

Auf einer italienischen Webseite fanden wir den Hinweis auf eine Herabstufung der früheren Farmafactoring durch die Ratingagentur Standard & Poor‘s von BBB auf BBB-. Der Artikel stammt allerdings aus dem Jahr 2011 und weder bei S&P noch bei der Banca Farmafactoring finden sich heute noch Informationen dazu. Nun sollte man aus den Zahlen von 2011 sicherlich nicht allzu leichtfertig Rückschlüsse auf die Situation der Bank in 2016 ziehen. Wir nehmen diese Information daher mehr als potentiell bestätigenden Indikator zur Kenntnis.

Sicherheit der Banca Farmafactoring auf Basis von Finanzkennzahlen

Die Bank scheint mit Blick auf ihre Geschäftsberichte profitabel zu arbeiten, wenn auch mit gewissen Schwankungen. Nach einem Gewinn von etwa 56 Mio. € in 2012 sank der Gewinn im darauffolgenden Jahr zunächst leicht auf ca. 49 Mio. €, um sich im Jahr 2014 mit 124 Mio. € mehr als zu verdoppeln. Im vergangenen Jahr fiel der Gewinn anschließend fast ebenso stark wieder auf knapp 69 Mio. € zurück. Eine kontinuierliche oder zumindest stabile Gewinnentwicklung wäre uns aus psychologischer Anlegersicht zwar lieber. Per se schlecht sind solche Schwankungen allerdings nicht, da das unterschiedlichste Ursachen haben kann.

Mit einer Kernkapitalquote von 24,3 % (Geschäftsjahr 2015) verfügt das Finanzinstitut über einen ansehnlichen Kapitalpuffer gegen potenzielle Kreditausfälle. So manche vermeintlich sichere Bank aus Deutschland dürfte da neidisch nach Italien blicken. So weist z. B. die vielen Anlegern bekannte ING für Mitte 2015 nur eine Quote von 16,4 % aus (siehe Finanzkennzahlen 2015).Die Quote der Banca Farmafactoring lag 2014 mit 27,5 % noch etwas höher, allerdings ist die Zahl von 2015 sowohl absolut gesehen als auch in Relation zu den 11,9 % aus 2012 als sehr gut einzuschätzen.

Ebenso positiv zeigt sich die Bank hinsichtlich des liquiden Vermögens, das als Guthaben kurzfristig verfügbar u. a. bei derZentralbank geparkt ist. Während es in den Jahren 2012 bis 2014 noch zwischen 1-3 Mio. € lag, stieg die Liquidität im letzten Jahr auf fast 160 Mio. €. Das entspricht etwa 38 % der verwalteten privaten Kundeneinlagen von 420 Mio. € - ein solider Puffer für turbulente Zeiten.

Banca Farmafactoring Einlagensicherung

Einlagen bei der Banca Farmafactoring sind aufgrund des Hauptsitzes der Bank in Italien über die gesetzliche italienischen Einlagensicherung (Fondo Interbancario di Tutela dei Depositi) bis zu einer Höhe von 100.000 € pro Kunde abgesichert. Daran ändert auch die vertragliche Beziehung zwischen deutschen Anlegern und der Bank nach spanischem Recht nichts.

Wie Sie unserem Artikel zu den Volumina der europäischen Einlagensicherungsfonds entnehmen können, ergab unsere Recherche Anfang 2016 noch ein Vermögen des italienischen Einlagensicherungsfonds für 2014 in Höhe von etwa 2 Mrd. €. Dies stellte sich nun allerdings als Fehler (unsererseits?) heraus, denn der Fonds gibt sein Vermögen im neuen Jahresreport für 2015 nur noch mit 204 Mio. € an (siehe Jahresbericht 2015, S. 142).Setzt man diese ins Verhältnis zu den 420 Mio. € Einlagen der Banca Farmafactoring, wird klar, dass eine Entschädigung der Anleger rein aus dem Vermögen des Fonds nur teilweise möglich wäre. Die Entschädigungseinrichtung hat allerdings die Möglichkeit, zusätzliche Sonderbeiträge von den angeschlossenen Banken zu verlangen oder auch Kredite aufzunehmen, um ihre Entschädigungsversprechungen einzuhalten. Dadurch relativiert sich die Unterfinanzierung des Fonds wiederum leicht.

Ob die angeschlossenen Banken allerdings überhaupt in der Lage wären, größere Sonderbeiträge an den Einlagensicherungsfonds zu leisten, ist angesichts der Lage im italienischen Bankensektor eine nicht ganz unberechtigte Frage. Erst Anfang des Jahres sah sich der italienische Staat gezwungen, die heimischen Banken zur Gründung eines privaten Bankenrettungsfonds in Höhe von 4-5 Mrd. € zu drängen. Dieser soll Banken, die auf faulen Krediten in Höhe von 360 Mrd. € sitzen, unterstützen und einen Teil dieser Risiken ggf. abkaufen. Im Laufe des Mais musste dieser Fonds allerdings bereits zwei Banken retten, sodass mehr als die Hälfte des 4,25 Mrd. € schweren Fondsvermögens mittlerweile gebunden sind. Man könnte nun spekulieren, dass angesichts der genannten Zahlungen im Milliarden-Bereich ein paar Hundert Millionen Euro für eine mögliche Entschädigung von Anlegern der Banca Farmafactoring kein großes Problem für den Finanzsektor darstellen sollten. Darauf wetten sollte man als konservativer Anleger allerdings nicht.

Nun kann der italienische Staat als letzte Rettungsinstanz noch eingreifen, indem er z. B. Kredite am Kapitalmarkt aufnimmt und an den Fonds weiterleitet oder Staatsgarantien ausspricht, wie es Frau Merkel 2008 hierzulande tat. Allerdings befindet sich der italienische Staat seit Jahren in einer wirtschaftlich schwierigen Situation. Nachdem es nach einer langjährigen Rezession seit der Finanzkrise 2007/2008 im Jahr 2015 wieder leicht aufwärts ging, scheint sich das Wachstum zum Jahresbeginn 2016 wieder zu verlangsamen. Die Staatsverschuldung, mit 132,7 % des italienischen BIP nach Griechenland die zweithöchste in der EU, dürfte sich vorerst nicht verringern. Der italienische Staat hat im Gegenteil erst vor Kurzem mehr Spielraum für eine zusätzliche Schuldenaufnahme gefordert.

Die Länderratings von Italien liegen entsprechend mit Bewertungen von Baa2 (Moody’s), BBB+ (Fitch) und BBB- (S&P) nur im durchschnittlich guten Anlagebereich. Im Fall von Standard & Poor’s liegt Italien sogar nur eine Stufe über einer Bewertung als „spekulative Anlage“. Die Wahrscheinlichkeit, dass der italienische Staat im Ernstfall zur Unterstützung eilt, können wir somit nur schwer einschätzen. Einerseits hat er kein Interesse, in einer solchen Situation, wie sie derzeit in Italien herrscht, eine Bank pleitegehen zu lassen und somit möglicherweise einen Dominoeffekt auszulösen. Andererseits ist es nicht unwahrscheinlich, dass der italienische Staat irgendwann an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit kommt, sodass die eine oder andere Bank letztendlich doch fallengelassen wird. Das Risiko liegt in unserer Meinung hier deutlich höher als bei Partnerbanken in anderen Ländern.

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