bettervest Erfahrungsbericht #8 von Kritscher Investor

Hinweis: Der folgende negative Erfahrungsbericht zu bettervest wurde am 29.01.2018 von unserem Nutzer Kritscher Investor aktualisiert und spiegelt die Praxiserfahrung und Meinung des jeweiligen Autors wider.

Ich nutze die Crowfunding-Plattform seit März 2016, nachdem ich den Geschäftsführer Herrn Mijnals bei einer Fachveranstaltung getroffen hatte. Das Konzept klang für mich überzeugend und die Ausschüttungen sind nicht so hoch, als dass ich den Eindruck bekam, dass hier unseriös kalkuliert wird: Zwischen 4 bis 12 % pro Jahr.

Ich habe insgesamt in 10 Projekte bei bettervest investiert. Zwei davon haben noch keine Ausschüttungen auszahlen müssen. Die Anlage finde ich insgesamt einfach und unproblematisch. Durch die online zur Verfügung stehenden Beschreibungen konnte ich mir jeweils ein grobes Bild der Projekte machen. Für aussagekräftige Wirtschaftlichkeitsberechnungen sind die Beschreibungen meiner Meinung nach aber nicht ausreichend und auch über die Seriosität der Projektnehmer erfährt man wenig. Die Verträge kann ich in meiner Online-Verwaltung jederzeiteinsehen. Etwas irritierend finde ich, dass die eingezahlten Beträge erst ab Projektstart verzinst werden, was einige Monate nach der Einzahlung sein kann.

Im Einzelnen habe ich insgesamt 24.850 € in die folgenden Projekte investiert:

  • Montesori Schule in Ghana
  • Nahwärmenetz mit PV am Hochrhein im Taunus
  • Blockheizkraftwerke in Alzey
  • Solarcontainer in Mali
  • Kaffeebrikettfabrik in Äthiopien
  • PV-Hybrid-System für eine Schule in Ghana
  • PV-Anlage mit Wärmepumpe am Hochrhein
  • PV-Anlage für das Family Hospital in Ghana
  • PV-Anlage für Tröpfchenbewässerung in Benin
  • Deponiegasanlage in Kolumbien

Ich wurde über das Risiko eines Totalverlusts informiert, wobei diese Klausel ein Standard bei allen Investitionen ist, die ich getätigt habe. Wenn man eine solche Klausel nicht unterzeichnet, kann man heutzutage nicht mehr fremdinvestieren.

Bei einigen Projekten habe ich die Auszahlungen nach einem Jahr erhalten. Drei Projekte (Nahwärmenetz mit PV am Hochrhein im Taunus, PV-Anlage mit Wärmepumpe am Hochrhein und Kaffeebriketfabrik in Äthiopien) haben sich verzögert und damit nicht-stattfindende Ausschüttungen verursacht. Die Wechselstrom eG hat mittlerweile die Aufnahme für ein vorläufiges Insolvenzverfahren beantragt. Die Brikettfabrik in Äthiopien hat jetzt für Ende Januar Zahlungen angekündigt, allerdings ist dies bisher schon mehrmals der Fall gewesen. Ich bin dennoch verhalten optimistisch, dass der Wille zur Vertragserfüllung da ist. Da ich in diese drei Projekte fast 14.500 € investiert habe, ist das ausgesprochen beunruhigend und insbesondere die Projekte in Deutschland lassen meiner Ansicht nach durchblicken, dass der Anbieter mit der Planung und Umsetzung überfordert war. Laut der Informationen sollen durch einen Bauunfall 50 PV-Module beschädigt oder zerstört worden sein und derzeit eine Klage zum Rückbau der Wärmepumpen laufen. Da ich selbst in dem Bereich arbeite, schienen mir 6 bzw. 6,5 % Rendite gut machbar, aber wenn der Anbieter nicht professionell arbeitet, bringt das nichts (siehe auch http://www.investmentcheck.de/?nv=5814&id=3592).

Nachtrag vom 29.01.2018: Mittlerweile hat sich die Kaffeebriketfabrik in Äthiopien wieder gemeldet und um Zahlungsaufschub für die Annuität um 3 weitere Monate gebeten.

Ich finde, Statusmeldunden sollten monatlich erfolgen, insbesondere wenn das Projekt in Schwierigkeiten gerät. Dies ist aber nicht der Fall und beim Kaffeebrikett-Projekt hatte der Projektnehmer auch anfänglich keine Kenntnis darüber, dass seine Meldungen an die Investoren per E-Mail weitergeleitet werden. Im Online-Bereich werden diese aber nicht angezeigt.

Mein Eindruck von den in Schwierigkeiten geratenen Projekten: Wie so oft kann der gute Wille und die edle Absicht fehlendes Fachwissen beim Projektmanagement und den Risiken sowie die professionelle Kommunikation mit Investoren nicht wettmachen. Es scheint sich teilweise eher um den Bastlertypen zu handeln, der nicht ganz den Überblick hat und insofern auch schwer haltbare Renditeversprechen von bis zu 12 % macht. Ich bin mal gespannt, ob ich die Investitionssummen für die drei Problemprojekte am Ende ganz oder teilweise abschreiben muss, was bei insgesamt 14.500 € schon wehtun würde. Es gilt wie immer, das Geld ist nicht weg, es hat nur jemand anderes... Insofern kann ich nur den Tipp geben, nur sehr kleine Summen als „Spielgeld“ zu investieren.

Es sind tolle Projekte dabei, aber m. E. fehlt bettervest die Möglichkeit, Projektvorschläge zu prüfen. Dass zwei Projekte in Deutschland dabei sind, die in Schieflage geraten sind, wo ich mir vom Geschäftsmodell dachte, dass das eigentlich idiotensicher sein muss bei den Preisen für die Stromerzeugung mit erneuerbaren Energien, finde ich erstaunlich.

Fazit:

Sehr einfache Abwicklung, aber auch sehr hohes Risiko. Wenn ein Projekt in Schieflage gerät, kann man nicht viel mehr machen als zuzugucken, was übrig bleibt. Crowdinvesting ist aus meiner Erfahrung nichts für risikoaverse Investoren, sondern eher etwas für Leute, die gerne auf Risiko gehen. Sollte auch das Projekt in Äthiopien Schiffbruch erleiden, wird meine persönliche Konsequenz sein, nicht mehr über bettervest zu investieren. Es gibt ja noch andere Plattformen wie Exporo und dagobertinvest, Mischfonds wie PROJECT Immobilien sowie ecoligo für Investitionen in Afrika oder weitere Möglichkeiten für private Investments.

Eine interessante steuerrechtliche Frage ist für mich, inwiefern sich Verluste aus einem Crowdinvesting-Projekt mit Zinszahlungen aus anderen Projekten verrechnen lassen oder ob ich auf den Verlusten sitzen bleibe.

Nachtrag vom 05.08.2018

Ich möchte noch nachtragen, dass mittlerweile die Briketfabrik in Äthiopien absehbar nicht zahlungsfähig ist, das Tröpfenbewässerungsprojekt in Benin nicht zahlt und das Deponiegas-Projekt in Kolumbien sich durch angeblich kriminelle Machenschaften gefährdet sieht. D. h. bei diesen Projekten ist davon auszugehen, dass die Wahrscheinlichkeit der Rückzahlung extrem gering ist. Nach wie vor werden diese Projekte allerdings als erfolgreich finanziert gelistet. Das finde ich unverschämt. Auch der Brief des Insolvenzverwalters an bettervest deutet darauf hin, dass die "Crowd" beim Pleiteprojekt der Wechselstrom e. G. gar kein Standing hat.

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