Bigbank Test & Bewertung

Letztes Update am 30.09.2016 von David Stahmann | Testergebnis:  Bewertung: 3 von 5 Punkten

Zusammenfassung & Bewertung

Die estländische Bigbank fällt des Öfteren durch vergleichsweise hohe Zinsen bei Festgeldern auf. Das Finanzinstitut ist bereits seit 2009 als reine Onlinebank auf dem deutschen Festgeldmarkt aktiv. Dennoch haben nur wenige Anleger jemals etwas von der Bank gehört. Hat mancher Sparer dadurch einen guten Geheimtipp verpasst? Wir beantworten diese Frage im Rahmen unserer Sicherheitsanalyse mit harten Fakten. Wie seriös und für eine sichere Geldanlage geeignet ist die Bigbank wirklich?

Die wichtigsten Ergebnisse der Sicherheitsanalyse finden Sie hier zusammengefasst:

Positiv
Vergleichsweise hohe Eigenkapitalquote
Positiv
Seit Jahren kontinuierlich positive Geschäftszahlen
Positiv
Geringe Staatsverschuldung & gutes Länderrating Estlands
Negativ
Einlagensicherungsfonds dürfte für Entschädigungszahlungen unterfinanziert sein
Negativ
Mögliches Konzentrationsrisiko im Kreditportfolio der Bank

Bewertung der Bigbank

Insgesamt bewerten wir die Bigbank mit guten 3 von 5 Punkten, wobei uns die eher unbekannte Bank in manchen Punkten positiv überrascht.

Das Finanzinstitut scheint ein profitables Geschäftsmodell gefunden zu haben und kann seit einigen Jahren positive Ergebnisse vorweisen. Gleichzeitig hat sich die Bank eine Eigenkapitalquote für künftig schlechtere Zeiten gesichert, auf die manche Branchengröße hierzulande neidisch blicken dürfte. Besonders positiv stimmt uns die sehr geringe Staatsverschuldung des estländischen Staates, die mit entsprechend guten Länderratings einhergeht. Eine direkte Unterstützung der Bank und/oder des Einlagensicherungsfonds durch die Aufnahme von Krediten am Kapitalmarkt sollte damit kein Problem sein.

Das wäre in einem Krisenfall auch notwendig, denn der Einlagensicherungsfonds Estlands wäre selbst für eine Insolvenz einer relativ kleinen Bank wie der Bigbank wahrscheinlich unterfinanziert. Die risikobehaftete Kreditvergabe für Privatpersonen als Schwerpunktgeschäft der Bank sowie eine geographische Konzentration auf das Baltikum sorgen zudem für eine etwas höhere Anfälligkeit gegenüber steigenden Kreditausfallraten.

Am Ende des Tages würden wir die Bigbank durchaus als sinnvolle Beimischung in einem breit gestreuten Anlageportfolio ansehen. Als festverzinsliche Geldanlage bei kurzen Laufzeiten von z. B. 3 oder 6 Monaten könnte das für manchen Sparer eine gute Ergänzung zum meist volatileren Tagesgeld sein. Die Bigbank zieht zudem keine Quellensteuer ab. Sie erhalten also die Brutto-Zinserträge ausgezahlt. Allerdings sind Sie zur Angabe ausländischer Kapitalerträge in Ihrer Steuererklärung verpflichtet.

Über die Bigbank

Die Bank wurde 1992 in Tartu (Estland) gegründet, wo sie bis heute ihren Sitz hat. Zu Beginn noch unter dem Namen „Balti Investeeringute Grupi Pank AS“ tätig, wechselte das Finanzinstitut im Januar 2009 zu seinem heutigen Namen „Bigbank AS“. Die zwei Hauptgeschäftsfelder der Bank sind Festgeldangebote sowie die Kreditvergabe an Privatpersonen. Mittlerweile ist die Bigbank, gemessen an der Bilanzsumme, die siebtgrößte Bank Estlands und besitzt dort einen Marktanteil von ca. 1,8 % (Zahlen von 2015).

Darüber hinaus ist das Finanzinstitut in den letzten 20 Jahren auch geographisch gewachsen. Neben den beiden anderen baltischen Staaten Lettland und Litauen ist die Bank auch in Schweden, Finnland und Spanien vor Ort. Als reine Onlinebank ist sie zudem in Deutschland (2009), Österreich (2010) sowie den Niederlanden (2012) tätig. Das Finanzinstitut beschäftigt derzeit ca. 420 Mitarbeiter, die Kundeneinlagen in Höhe von ca. 257 Mio. € verwalten. Davon gehören etwa 40 % zu Termineinlagen mit Laufzeiten bis zu einem Jahr, die restlichen 60 % haben längere Laufzeiten von bis zu 5 Jahren und mehr (Geschäftsbericht 2015, S. 58).

Ein interessanter Fakt bezieht sich auf die Information aus den Geschäftsberichten, dass sich alle Aktien der Bigbank zu je 50 % in der Hand von zwei Einzelpersonen befinden, die gleichzeitig als Vorstandsmitglied bzw. als Vorstandsvorsitzender der Bank beschäftigt sind (Geschäftsbericht 2015, S. 21). Es könnte als positiver Hinweis anzusehen sein, dass die Eigentümer schon aus reinem Eigeninteresse an einer positiven Geschäftsentwicklung arbeiten. Garantiert ist dies aber natürlich nicht.

Rating & Bonität der Bigbank

Bewertungen von den drei großen Ratingagenturen (Standard & Poor’s, Fitch und Moody’s) sind oft die erste Anlaufstelle, um sich einen ersten groben Überblick über das Innenleben einer Bank zu verschaffen. Leider gibt es jedoch keine Ratings für die Bigbank mehr.

Bis September 2009 führte die Ratingagentur Moody’s Bewertungen des Finanzinstituts durch. Diese wurden dann jedoch aufgrund einer Anfrage der Bank eingestellt. Zu dem Zeitpunkt besaß die Bigbank ein Rating von Caa1, was Moody’s Ratingskala zufolge einer Anlage mit „substanziellen Risiken“ entspricht. Als Grund wird die hohe Abhängigkeit der Bank vom Kreditgeschäft mit Privatkunden angegeben, die in Verbindung mit der zu dem Zeitpunkt vorherrschenden Finanz- und Weltwirtschaftskrise ein beträchtliches Risiko beinhaltete.

Man darf aber nicht außer Acht lassen, dass in dieser Zeit wahrscheinlich viele Banken mit erheblichen Problemen und Kreditausfällen zu kämpfen hatten. Die Bigbank kann sich bis heute durchaus wieder aus der Krise herausgearbeitet haben. Wir nutzen daher finanzielle Kennzahlen aus den öffentlich verfügbaren Geschäftsberichten des Finanzinstituts als Indikatoren, um die aktuelle Situation einzuschätzen.

Sicherheit der Bigbank auf Basis von Finanzkennzahlen

Ein Blick in die Bilanzen sorgt für einen ersten guten Eindruck. So konnte das im Jahr 2012 erzielte Ergebnis von ca. 7 Mio. € über die Jahre auf knapp 11 Mio. € im vergangenen Geschäftsjahr gesteigert werden (10,8 Mio. € in 2013 sowie 12 Mio. € in 2014). Im zweiten Quartal 2016 wurde zudem mit 2,9 Mio. € ein leicht höherer Gewinnüberschuss als im Vorjahresquartal (2,8 Mio. €) erzielt. Die Bank scheint ihr Geschäft bisher mit Erfolg zu betreiben.

Ebenso positiv fällt die Entwicklung der Eigenkapitalquote, dem Sicherheitspuffer für schlechte Zeiten und daraus resultierender Kreditausfälle aus. Die Quote liegt mit aktuell 24,6 % (Geschäftsbericht 2015, S. 63) auf einem Niveau, das nur wenige andere Mitspieler vorweisen können. Dieses Niveau wurde von der Bigbank in den letzten Jahren konsequent gehalten und dürfte dem Sicherheitsbedürfnis von Anlegern entgegenkommen (25,2 % in 2012 und 28 % in 2013).

Die schnell verfügbare Liquidität in Form von Guthaben bei der Zentralbank war hingegen nicht ganz so stabil. Wurden die Geldmittel von 10 Mio. € im Jahr 2012 noch auf 23 Mio. € (2013) bzw. 20 Mio. € (2014) erhöht, betrug die Summe im vergangenen Jahr nur noch 15 Mio. €. Der zweite Quartalsbericht 2016 (S. 10) beziffert das bei der Zentralbank liegende Guthaben auf vergleichsweise niedrige 3,1 Mio. €. Eine mögliche Erklärung dafür ist dem Quartalsbericht zufolge eine Umbuchung des Geldes von der Zentralbank auf Privatbanken. Ob das der Wahrheit entspricht und aus welchen Gründen es erfolgte, können wir an dieser Stelle nicht sagen.

Ein potenzieller Risikofaktor beim Kreditgeschäft der Bank ergibt sich aus einer vergleichsweise starken Konzentration von Kreditnehmern aus dem Baltikum. Privatpersonen aus den drei baltischen Ländern machen knapp 64 % des gesamten Kreditportfolios aus. Die restlichen 36 % teilen sich Kreditnehmer aus Schweden, Finnland und Spanien. Sollten die wirtschaftlich ohnehin eng verbundenen Länder Estland, Lettland und Litauen zukünftig mit Problemen zu kämpfen haben, könnte sich das überproportional stark auf das Geschäft der Bigbank auswirken.

Das Gesamtfazit zum Innenleben der Bank fällt vergleichsweise positiv aus. Eine solide Gewinnentwicklung sowie eine starke Eigenkapitalquote bieten eine gewisse Stabilität für das kleine Finanzinstitut. Lediglich das recht schwankende liquide Vermögen sowie das (von Natur aus) risikobehaftete Kreditgeschäft mit Privatpersonen als eines der beiden Hauptstandbeine der Bank bieten Anlass für den einen oder anderen kritischen Anlegerblick. Ein solide finanzierter Einlagensicherungsfonds Estlands als Rückversicherung könnte also nicht schaden.

Bigbank Einlagensicherung

Einlagen bei der Bigbank sind über die gesetzliche Einlagensicherung Estlands (Tagatisfond) bis zu einer Höhe von 100.000 € pro Kunde abgesichert. Diese in der EU formal einheitliche Absicherungshöhe gilt auch für deutsche Kunden der Bank. Sollte es zu einer Insolvenz des Finanzinstituts mit daraus resultierendem Entschädigungsanspruch kommen, müssen Anleger hierzulande keine Sorgen vor Verständigungsproblemen haben. Für die Kommunikation und Formalitäten ist in diesem Fall laut EU-Richtlinie die deutsche Einlagensicherung als Ansprechpartner zuständig.

Der estländische Einlagensicherungsfonds verfügte zum Stichtag 31. Dezember 2015 über ein Vermögen von ca. 218 Mio. € (Geschäftsbericht 2015) für Entschädigungszahlungen. Damit wäre der Fonds bei Kundeneinlagen der Bigbank in Höhe von knapp 257 Mio. € wahrscheinlich nicht in der Lage, aus eigener Kraft die Entschädigungszahlungen zu leisten. Da der Einlagensicherungsfonds zudem pro Jahr nur etwa 12 Mio. € an Beiträgen von den estländischen Banken erhält, wäre die Unterfinanzierung zumindest auf dem regulären Weg auch kurzfristig nicht behebbar.

Allerdings können sowohl der Fonds als auch der estländische Staat zusätzliche Mittel in Form von Sonderbeiträgen der angeschlossenen Banken und im nächsten Schritt durch Kredite am Kapitalmarkt beschaffen, um akut anfallende Auszahlungen durchzuführen. Estland besitzt dank seiner sehr guten Länderratings (S&P: AA-, Moody’s: A1, Fitch: A+) die entsprechende Bonität, um sich günstig refinanzieren zu können. Untermauert wird dieser Spielraum durch eine erfreulicherweise sehr niedrige Staatsverschuldung von lediglich 9,7 % des BIP (2015). Damit ist Estland unter den EU-Mitgliedstaaten übrigens ein (leider) einsamer Spitzenreiter. Danach folgt Luxemburg mit schon deutlich höheren 21,4 %.

Eine explizite Pflicht oder Garantie staatlicher Hilfestellung im Ernstfall gibt es aber nicht, auch wenn der estländische Staat wahrscheinlich die entsprechenden Möglichkeiten hätte. Das Vorhandensein eines gut gefüllten nationalen Einlagensicherungsfonds sollte im Rahmen der Anlageentscheidung ohnehin nur ein untergeordnetes Kriterium darstellen. Im Normalfall sollte die Bank so solide und erfolgreich arbeiten, dass ein Fonds gar nicht erst zum Einsatz kommen muss.

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