Bulgarian American Credit Bank Test & Bewertung

Letztes Update am 31.08.2016 von David Stahmann | Testergebnis:  Bewertung: 2 von 5 Punkten

Zusammenfassung & Bewertung

Der Anlagemarktplatz WeltSparen hat im August 2015 die bulgarische Bulgarian American Credit Bank (kurz BACB) als weitere Partnerbank aufgenommen. Seit der Gründung 1996 konzentriert sich das Finanzinstitut auf Bankdienstleistungen für kleine und mittlere Unternehmen in Bulgarien. Seit 2013 betreibt es nach eigener Aussage zusätzlich die erste und einzige komplett „virtuelle Bank“ des Landes. Mittlerweile ist die BACB über WeltSparen zudem im deutschen Festgeldmarkt unterwegs. Es wird daher Zeit für eine genauere Bewertung der Sicherheit und Vertrauenswürdigkeit der BACB.

Die wichtigsten Ergebnisse der Sicherheitsanalyse finden Sie hier zusammengefasst:

Positiv
Vergleichsweise hoher Sicherheitspuffer gegen mögliche Kreditausfälle
Positiv
Anlage & Kundenservice erfolgen über den vertrauenswürdigen Anlagevermittler WeltSparen
Neutral
Nach langjährigen Verlusten arbeitet die Bank seit 2015 anscheinend mit Gewinn
Neutral
Nur durchschnittliche Ratings für Bulgarien, allerdings vergleichsweise geringe Staatsverschuldung
Negativ
Unzureichende Ausstattung des bulgarischen Einlagensicherungsfonds für eine Pleite der Bank
Negativ
Relativ konzentriertes Kreditportfolio

Bewertung der Bulgarian American Credit Bank

Insgesamt bewerten wir die Bulgarian American Credit Bank mit nur 2 von 5 Punkten und sind etwas hin- und hergerissen. Einige Indikatoren (hohe Kernkapitalquote, positive Ergebnisentwicklung, geringe Staatsverschuldung des bulgarischen Staats) sprechen für die Bank. Der für den Insolvenzfall wahrscheinlich unterfinanzierte Einlagensicherungsfonds Bulgariens, das Rating des Landes sowie die vergleichsweise hohe Anfälligkeit des Kreditportfolios der Bank sorgen hingegen für ein wenig Stirnrunzeln bei uns. Am Ende würden wir bei der BACB derzeit wohl nur einen kleinen Teil unseres Geldes anlegen. Immerhin bietet die Bank die Möglichkeit der vorzeitigen Kündigung an (“Flexgeld”), sodass bei Problemen zumindest die Option eines Ausstiegs besteht. Ob diese dann im Falle des Falles noch durchsetzbar ist, steht allerdings auf einem anderen Blatt.

Wenn Anleger eine Geldanlage bei der Bulgarian American Credit Bank erwägen, sollte auch der damit verbundene Aufwand bzgl. der Kapitalbesteuerung bedacht werden. Sofern Sie vor Fälligkeit des Festgeldes rechtzeitig eine Ansässigkeitsbescheinigung bei WeltSparen einreichen, wird die üblicherweise fällige bulgarische Quellensteuer von 10 % auf 5 % reduziert. Diese ist voll auf die in Deutschland fälligen 25 % Abgeltungsteuer (zzgl. Soli und ggf. Kirchensteuer) anrechenbar. Seien Sie sich zudem bewusst, dass die Angabe und Versteuerung von im Ausland erzielten Kapitalerträgen in Ihrer Steuererklärung verpflichtend ist.

Eine Anlage bei der Bulgarian American Credit Bank ist derzeit nur über den Anlagemarktplatz WeltSparen möglich. Das ist unserer Meinung nach aber kein Nachteil für hiesige Sparer. Plattformen wie WeltSparen ermöglichen oftmals erst die Nutzung solcher Angebote aus dem europäischen Ausland. Weiterhin haben Sie damit einen deutschsprachigen Ansprechpartner, sollten Sie Fragen oder Probleme haben. Da diese Anlagemarktplätze selbst nicht auf Ihr Geld zugreifen können, sondern als reine Vermittler arbeiten, sollte auch eine Pleite von WeltSparen keine Probleme bereiten.

Über die Bulgarian American Credit Bank (BACB)

Die Bulgarian American Credit Bank wurde 1996 vom Bulgarian American Enterprise Fund gegründet. Dieser Fonds wurde nach dem Ende des Kalten Krieges durch die US-amerikanische Regierung mit Steuergeldern errichtet, um Investitionen in die ehemaligen Ostblockstaaten (in diesem Fall Bulgarien) zu fördern und zu erleichtern. 2006 wurden einige Anteile der Bank an der bulgarischen Börse verkauft. Von 2008 bis 2011 war die irische Allied Irish Banks mit 49,99 % an der Bank beteiligt. Seit 2011 gehört dieser Anteil allerdings der bulgarischen Beteiligungsgesellschaft CSIF AD.

Das Finanzinstitut mit Hauptsitz in Sofia beschäftigt derzeit ca. 250 Mitarbeiter, die Kundeneinlagen in Höhe von 411 Mio. € verwalten (Stand 30. Juni 2016). Hier machen Laufzeiten von weniger als einem Jahr fast 90 % der Einlagen aus. Schwerpunktmäßig ist die Bank im Einlagen- und Kreditgeschäft für kleine und mittlere Unternehmen tätig. Zudem sieht sie sich als nachhaltigkeitsorientierte Bank und finanziert nach eigener Aussage verschiedene ökologische Projekte. Wie hoch der Anteil derartiger Projekte tatsächlich ist, konnten wir nicht in Erfahrung bringen.

Details zum Berliner Anlagemarktplatz WeltSparen

Eine Anlage bei der Bulgarian American Credit Bank (BACB) erfolgt, wie auch der Kundenservice, über den Anlagemarktplatz WeltSparen. Dieser ist als Onlinemarke der Berliner Raisin GmbH (ehemals SavingGlobal GmbH) seit 2014 mit einer Vielzahl von Tages- und Festgeldangeboten in Deutschland tätig. Dank Vermittlern wie WeltSparen ist die Nutzung von Anlagemöglichkeiten im EU-Ausland deutlich einfacher möglich als früher. Anleger brauchen nur noch ein Referenzkonto, über welches ihr Geld bei den verschiedenen Partnerbanken angelegt werden kann. Es muss dafür keine aufwändige Kontoeröffnung mehr vor Ort durchlaufen werden. Aus diesen Gründen befürworten wir das Konzept von WeltSparen.

Rating & Bonität der Bulgarian American Credit Bank

Die Bonität einer Bank lässt sich häufig mit Hilfe von Ratings der großen Ratingagenturen S&P, Moody’s, Fitch und DBRS einschätzen. Zur BACB existieren derartige Ratings mittlerweile nicht mehr, was die Einschätzung deutlich erschwert. Bis 2011 ließ die Bank noch Ratings durch die Agentur Standard & Poor’s (S&P) erstellen, beendete dann aber die Zusammenarbeit. Die Gründe hierfür sind nicht bekannt, allerdings muss man bedenken, dass Banken für Ratings selbst bezahlen müssen und nicht zur Erstellung dieser verpflichtet sind. Die Entscheidung kann somit auch geschäftspolitische Ursachen haben. Zum damaligen Zeitpunkt wurde dem Finanzinstitut ein Rating von B- zugewiesen, was auf der Ratingskala einer hochspekulativen Anlage entspricht. Grund für diese Bewertung waren nach Aussage der Ratingagentur damals u. a. eine hohe Verschuldung sowie Liquiditätsrisiken.

Inwiefern diese Begründung auch noch heute gilt, lässt sich nicht ohne Weiteres überprüfen. Im Jahr 2011 hatten viele Banken mit Problemen und Nachwirkungen der Finanzkrise von 2008 sowie der Eurokrise seit 2010 zu kämpfen. Insofern muss die BACB nicht zwangsläufig auch heute noch auf wackligen Beinen stehen. Für eine aktuellere Einschätzung der finanziellen Situation der BACB nutzen wir daher finanzielle Kennzahlen aus den öffentlich verfügbaren Geschäftsberichten der Bank.

Sicherheit der Bulgarian American Credit Bank auf Basis von Finanzkennzahlen

Schaut man sich die Entwicklung der Jahresergebnisse seit 2011 bei der BACB an, scheint das damalige Rating von S&P durchaus begründet gewesen zu sein. Die Bank erzielte damals einen Verlust von ca. 19,5 Mio. €. Allerdings hat das Finanzinstitut es seitdem geschafft, diesen Verlust von Jahr zu Jahr zu minimieren. Nach Verlusten von 10,5 Mio. € bzw. 8,4 Mio. € in den darauffolgenden Jahren wurde auch 2014 mit -4,2 Mio. € ein negatives Ergebnis eingefahren. Ein Jahr später konnte allerdings der erste (wenn auch mit 371.000 € eher bescheidene) Gewinn verbucht werden. Dem aktuellen Halbjahresbericht zufolge betrug der Gewinn zum Stichtag 30. Juni 2016 bereits ca. 1,8 Mio. €. Die Bank scheint sich somit erfolgreich in die profitable Zone gearbeitet zu haben. Inwiefern das auf ein nachhaltig profitables Geschäftsmodell schließen lässt, können wir allerdings von außen nicht beurteilen.

Deutlich positiver stimmt uns die Kernkapitalquote der BACB, die als Indikator für den Sicherheitspuffer für mögliche Kreditausfälle dienen kann. Lag die Quote 2012/13 mit ca. 17 % bereits auf einem vergleichsweise hohen Niveau, erhöhte die Bank diese auf derzeit 20,66 % (Halbjahresbericht 2016). Obwohl die Quote Ende 2014 mit 27,62 % sogar noch höher lag, agiert die Bank hinsichtlich der Kernkapitalquote derzeit auf einem Sicherheitsniveau, von dem manches Schwergewicht der deutschen Bankenlandschaft nur träumen kann.

Ebenfalls ausgebaut wurde der Bestand an liquiden Mitteln in Form von Kassengeldern und Guthaben bei der Zentralbank. Waren es 2013 noch knapp 44 Mio. €, sind derzeit etwa 62 Mio. € schnell verfügbar bei der Zentralbank geparkt (Halbjahresbericht 2016). Das dürfte auch sinnvoll gewesen sein, denn die BACB weist nach eigener Aussage ein vergleichsweise hohes Maß an Konzentration in ihrem Kreditportfolio auf. So mache allein der Immobilien-/Bausektor etwa 33 % aller vergebenen Kredite aus. Sollte die Branche einmal schwächeln, kann das auch der Bank entsprechende Probleme bereiten.

Darüber hinaus existiere aber auch auf einzelne Kreditnehmer bezogen ein relativ konzentriertes Risiko. So machen die zwanzig größten Kreditnehmer etwa 45 % des gesamten Kreditportfolios aus. Ein Rückzahlungsausfall in dieser Gruppe würde die Bank also überproportional treffen. Die Bank scheint sich dieser Risiken allerdings bewusst zu sein und strebt nach eigener Aussage eine stärkere Streuung bei der Kreditvergabe an. Das sei allerdings aufgrund einer nur schwachen Erholung der bulgarischen Wirtschaft nicht so schnell zu realisieren sein wie gewünscht.

Insgesamt betrachten wir die Bank mit etwas gemischten Gefühlen. Einerseits hat sie die vergangen Jahre mehrheitlich Verluste in teilweise zweistelliger Millionenhöhe erzielt. Andererseits hat sie sich kontinuierlich und erfolgreich in die Gewinnzone zurückgearbeitet und weist derzeit eine erstaunlich hohe Kernkapitalquote aus, die auf ein vergleichsweise hohes Maß an Robustheit gegenüber Kreditausfällen schließen lässt.

Bulgarian American Credit Bank Einlagensicherung

Einlagen bei der BACB sind im Einklang mit den EU-Vorgaben über die gesetzliche bulgarische Einlagensicherung bis zu einer Höhe von 100.000 € pro Kunde abgesichert. Da Bulgarien aber nicht dem Euro-Währungsgebiet angehört, erfolgen Entschädigungszahlungen im Ernstfall anstatt in Euro (EUR) in bulgarischen Lew (BGN). Damit tragen Sie als Anleger im Falle einer Insolvenz ein gewisses Wechselkursrisiko und müssen bei einem Umtausch der Entschädigung in Euro auch die entsprechenden Gebühren Ihrer Hausbank bezahlen. Kommunikationstechnisch hingegen sollte es keine Probleme geben, da der deutsche Einlagensicherungsfonds ihr Ansprechpartner wäre und dieser die entsprechenden Prozesse und Formalitäten mit seinem bulgarischen Gegenstück abwickelt.

Da der bulgarische Einlagensicherungsfonds über sein Vermögen auf Monatsbasis berichtet, lässt sich dieses erfreulich schnell nachvollziehen. Im Juli diesen Jahres betrug das Volumen der relativ liquiden Vermögenswerte ca. 452 Mio. BGN (etwa 231 Mio. €), was nur etwas mehr als der Hälfte der Kundeneinlagen der BACB entspricht (ca. 411 Mio. €). Eine Insolvenz der Bank dürfte der Fonds somit allein nicht stemmen können. Allerdings hat ein Einlagensicherungsfonds immer noch die Möglichkeit, Sonderbeiträge von den Banken zu erheben oder Kredite am Kapitalmarkt aufzunehmen, sodass das Fehlen von liquiden Mitteln noch kein KO-Kriterium für eine Anlage bei der BACB sein muss.

Letztere Möglichkeit besitzt auch der bulgarische Staat, um anstelle des bulgarischen Einlagensicherungsfonds zusätzliche Geldmittel zur Unterstützung zu akquirieren. Mit seinen Länderratings (S&P: BB+, Moody’s: Baa2, Fitch: BBB-) liegt Bulgarien mehrheitlich noch im durchschnittlich guten Investmentbereich, wobei Standard & Poor’s als größte Ratingagentur das Land aktuell bereits als „spekulativ“ einstuft.

Positiver fällt hingegen die Bewertung der Staatsverschuldung Bulgariens aus, die mit 26,7 % des BIP (Stand 2015) auf einem erfreulich niedrigen Niveau liegt. Damit gibt es für den bulgarischen Staat trotz mauer Länderratings einen gewissen Spielraum, um seinem Einlagensicherungsfonds im Notfall unter die Arme greifen zu können.

Anleger sollten jedoch wissen, dass der bulgarische Staat keine explizite Pflicht zur Unterstützung des Fonds oder möglicher kriselnder Banken hat. Es handelt sich hierbei vielmehr um freiwillige Maßnahmen und ein implizites politisches Versprechen, das mit einer gewissen Vorsicht zu betrachten ist. Wie man im Fall der Bank-Runs im Jahr 2014 auf die bulgarische Fibank und CorpBank sehen konnte, muss zudem stets mit Überraschungen gerechnet werden (sicherlich auch aufgrund leider weitreichender Korruptionsprobleme in Bulgarien).

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