Close Brothers Test & Bewertung

Letztes Update am 24.03.2016 von David Stahmann | Testergebnis:  Bewertung: 4 von 5 Punkten

Zusammenfassung & Bewertung

Mit den Close Brothers aus Großbritannien ist ein neuer Mitspieler im deutschen Festgeldmarkt unterwegs, der zum Markteintritt im März 2016 recht ansehnliche Zinsen für Festgeld bot. Die nach eigener Aussage größte unabhängige Handelsbank auf der britischen Insel wird in Deutschland von der Hamburger Anlageplattform Zinspilot vermarktet. Was ist von diesem Neuzugang aus Großbritannien zu halten? Ist das Festgeld in Verbindung mit der Plattform Zinspilot eine seriöse Option für ein diversifiziertes und sicheres Anlageportfolio?

Die wichtigsten Ergebnisse der Sicherheitsanalyse finden Sie zusammengefasst hier:

Positiv
Sehr gutes Rating der Bank mit A (Fitch) und Aa3 (Moody’s)
Positiv
Hohe Bonität des britischen Staates für mögliche Stützung des Einlagensicherungsfonds
Positiv
Gute betriebswirtschaftliche Entwicklung der Bank sowie der Muttergesellschaft
Positiv
Zinspilot als vertrauenswürdiger Anlagemarktplatz erlaubt Anlage bei verschiedenen Banken
Neutral
Auswirkungen eines möglichem „Brexit“ unklar (Referendum 23. Juni 2016)
Negativ
Mit 316 Mio. € vergleichsweise geringes Vermögen des britischen Einlagensicherungsfonds
Negativ
Höhe der Kundeneinlagen bei den Close Brothers übersteigt Vermögen des Fonds deutlich
Negativ
Entschädigung der Anleger würde in Britischen Pfund (GBP) und nicht in Euro (€) erfolgen

Bewertung der Close Brothers Bank

Unsere Gesamtbewertung fällt mit 4 von 5 Punkten recht positiv aus. Die Bank macht auf uns für sich genommen einen überraschend guten Eindruck. Einzig das britische Umfeld könnte Anlass zu einer etwas kritischeren Betrachtung geben. Insbesondere das eher kleine Volumen des britischen Einlagensicherungsfonds, die Entschädigung in Britischen Pfund (GBP) und die Unsicherheit bzgl. des Referendums über den Verbleib in der EU könnte in gewissen Konstellationen für Turbulenzen sorgen.

Abgesehen davon spricht aus unserer Sicht nichts gegen eine Beimischung der Close Brothers zum eigenen Anlageportfolio. Beachten Sie aber, dass bei der Bank über Zinspilot keine Freistellungsaufträge oder NVA-Bescheinigungen möglich sind. Dadurch werden die Zinserträge zunächst einmal zu 100 % ausgezahlt, müssen später aber in Ihrer persönlichen Steuererklärung angegeben und versteuert werden.

Auch die Anlageplattform Zinspilot gibt uns derzeit keinen Anlass zur Sorge. Vielmehr finden wir deren Konzept durchaus ansprechend, da deutschen Anlegern auf diese Weise auf einfachem Wege ermöglicht wird, ausländische Angebote mit zumeist besserer Verzinsung wahrnehmen zu können, ohne ständig neue Kontoeröffnungen durchführen zu müssen. Da Zinspilot selbst nur als Vermittler agiert, besitzen die Betreiber keine Zugriffsmöglichkeiten auf Ihr Geld. Auch die Insolvenz der Plattform würde die Sicherheit Ihrer Gelder nicht einschränken, da diese bei der jeweiligen Anlagebank liegen.

Über die Close Brothers

Die Close Brothers Limited existiert seit 1924 und hat ihren Sitz in London. Neben dem reinen Einlagengeschäft ist die Bank u. a. auch in der Kreditvergabe sowie Finanz- und Vernögensberatung tätig. Über die Close Brothers Factoring GmbH ist die Bank zwar bereits seit Längerem auch in Deutschland aktiv, allerdings bisher nur für mittelständische deutsche Unternehmen. Über die ebenfalls vollständig zugehörige Tochter Close Brothers Savings bietet die Bank in Zusammenarbeit mit dem Anlagemarktplatz Zinspilot nun auch deutschen Privatanlegern die Möglichkeit, das Festgeldangebot zu nutzen.

Dem Geschäftsbericht von 2015 zufolge arbeiten derzeit 1.910 Mitarbeiter bei der Close Brothers Ltd. Weiterhin werden Kundeneinlagen in Höhe von insgesamt ca. 4,48 Mrd. GBP (derzeit etwa 5,67 Mrd. €) verwaltet, wovon die deutliche Mehrheit (fast 75 %) zu Einlagen mit einer Laufzeit unter einem Jahr gehört, also kurzfristig ggf. wieder auszuzahlen sind.

Die Close Brothers Limited ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Close Brothers Group plc. Das Unternehmen existiert bereits seit 1878 und sitzt ebenfalls in London. Im Geschäftsjahr 2015 beschäftigte das Institut etwa 2.900 Mitarbeiter und erzielte einen Gewinn von ca. 186 Mio. GBP (ca. 235 Mio. €). Damit ist der Konzern nach eigener Aussage die größte unabhängige Handelsbank in Großbritannien und eines der 200 umsatzstärksten Unternehmen des Landes.

Details zum Hamburger Vermittler Zinspilot

In Deutschland selbst existiert keine Filiale der Close Brothers. Eine Geldanlage ist für Anleger daher nur über den Anlagemarktplatz Zinspilot möglich. Auch der Kundenservice bzw. die Kontaktaufnahme erfolgt über Zinspilot, was wir aufgrund der deutschen Sprache für hiesige Anleger als durchaus vorteilhaft einschätzen.

Zinspilot mit Sitz in Hamburg ist seit 2014 als Anlagemarktplatz für Tages- und Festgeld aktiv. Die Plattform ist eine Marke der Hamburger Deposit Solutions GmbH, welche bereits seit einigen Jahren im Finanzbereich unterwegs ist. Zinspilot selbst ist keine Bank, sondern vermittelt Angebote anderer Banken aus Europa. Dafür müssen Sie bei der Sutor Bank als Partner von Zinspilot einmalig ein Konto anlegen, das als Referenzkonto für alle Anlagen über Zinspilot fungiert. Die für Sie jeweils relevante Einlagensicherung und Anlagekonditionen hängen davon ab, bei welcher Anlagebank Sie letztlich Ihr Geld anlegen.

Das Konzept von Zinspilot finden wir recht clever, wie sie in unserer Einschätzung für die ähnlich agierende Plattform Weltsparen nachlesen können. Sie benötigen lediglich das eine Referenzkonto bei der Partnerbank und haben einen zentralen deutschsprachigen Ansprechpartner für all Ihre Geldanlagen über Zinspilot. Dadurch haben Sie als Anleger auch bei einer größeren Streuung von Geldern vergleichsweise wenig Verwaltungsaufwand. Zudem können Sie Angebote ausländischer Banken nutzen, die ansonsten gar nicht oder nur sehr schwer nutzbar wären.

Rating & Bonität der Close Brothers

Sowohl die für das Einlagengeschäft zuständige Close Brothers Limited als auch deren Mutter erhalten derzeit von den Ratingagenturen gute bis sehr gute Bewertungen: Fitch (jeweils A-Rating für beide Unternehmen) und Moody’s (Aaa3 für die Limited, A3 für die Mutter).

Moody’s bescheinigt dem Finanzinstitut in seiner Bewertung ein vergleichsweise stabiles Geschäft bei gesunden finanziellen Kennzahlen (siehe unten). Auch die bisher geringe Anfälligkeit gegenüber möglichen Kreditausfällen sorgt für ein gutes Bild der Bank gegenüber den Ratingagenturen. Lediglich ein wie in der jüngeren Vergangenheit weiter wachsendes Kreditportfolio könnte langfristig eine Herausforderung werden, sollten unvorhergesehene wirtschaftliche Probleme in Großbritannien auftauchen.

Auch die derzeit nicht abschätzbaren Folgen eines tatsächlichen Brexits könnten aus Sicht der Ratingagenturen mittelfristig zu einem schwierigeren Geschäftsumfeld für die britischen Banken sorgen. Allerdings gehen wir selbst nicht davon aus, dass selbst in diesem Fall ein sofortiger Abbruch der Geschäftsbeziehungen zwischen der EU und Großbritannien zum Zuge käme. Ein Rest Unsicherheit verbleibt aber dennoch, vor allem bis zum Referendum im Juni diesen Jahres.

Sicherheit der Close Brothers auf Basis von Finanzkennzahlen

Mit ihren Finanzkennzahlen hinterlassen die Close Brothers ein gutes Bild bei uns. So konnte der Gewinn kontinuierlich von 71,4 Mio. GBP (ca. 90. Mio. €) in 2011 auf 172,8 Mio. GBP (ca. 218 Mio. €) in 2015 gesteigert werden. Das allein ist isoliert betrachtet noch kein sonderlich gutes Stabilitätskriterium, zeigt aber, dass man mit dem Geschäftsmodell offenbar Geld verdienen kann.

Auch die vergleichsweise hohe Kernkapitalquote von 11,2 % (2014) bzw. 11,8 % (2015) sowie ein hoher Liquiditätspuffer in Form von ca. 1 Mrd. GBP (ca. 1,27 Mrd. €) verfügbarem Cash lassen zumindest den vorsichtigen Schluss zu, dass man für turbulente Zeiten mit möglichen Kreditausfällen und Liquiditätsengpässen gut gewappnet ist.

Auch die Muttergesellschaft kann in ihrem Konzern-Geschäftsbericht für 2015 ähnlich positive Zahlen ausweisen. Eine in den letzten vier Jahren stabile Kernkapitalquote um die 12-14 % sowie ebenfalls steigende Gewinne (120 Mio. GBP in 2013, ca . 174 Mio. GBP in 2015) lassen von außen betrachtet ein gutes und profitables Geschäft vermuten.

Insgesamt sehen wir die Close Brothers finanziell solide aufgestellt, sodass zumindest auf Basis der öffentlich verfügbaren Zahlen der Vergangenheit keine größeren bösen Überraschungen zu erwarten sind. Man sollte allerdings stets bedenken, dass es sich hier um rückwärtsgewandte Betrachtungen handelt. Der Schluss, dass sich die Bank auch in den kommenden Jahren so solide entwickelt, ist nicht ganz unproblematisch.

Close Brothers Einlagensicherung

Als britisches Finanzinstitut sind die Close Brothers Mitglied der gesetzlichen Einlagensicherung Großbritanniens. Damit sind Kundeneinlagen bis zu einem Äquivalent von 75.000 GBP (derzeit ca. 95.000 €) pro Kunde abgesichert. Die Geldanlage bei der Bank erfolgt zwar in Euro, wodurch Wechselkursschwankungen und Umtauschgebühren die Rendite nicht schmälern können. Im Falle einer Entschädigungszahlung durch den Einlagensicherungsfonds würde die Auszahlung allerdings in Britischen Pfund (GBP) und nicht in Euro (€) erfolgen. In diesem Fall bestünde für Sie als Anleger kurzzeitig ein Wechselkursrisiko und es würden ggf. Umtauschgebühren fällig.

Dazu kommt, dass der britische Einlagensicherungsfonds mit einem Volumen von knapp 316 Mio. € (Stand: 31. März 2015) im europäischen Vergleich recht klein ausfällt. Bei Kundeneinlagen in Höhe von mehr als 5 Mrd. € bei den Close Brothers wäre der Fonds für sich betrachtet im Ernstfall deutlich überfordert, selbst wenn aufgrund der gesetzlichen Obergrenze für Entschädigungszahlungen von 75.000 GBP die insgesamt abgedeckte Summe deutlich geringer ausfallen dürfte. Das ist allerdings ein Problem, das leider bei allen Einlagensicherungssystemen in Europa vorhanden ist.

Der britische Staat hat im Ernstfall stets das letzte Wort und kann durchaus Hilfestellung leisten. Explizit dazu verpflichtet ist er zwar nicht. Dank eines sehr guten Länderratings von allen drei großen Ratingagenturen (S&P: AAA, Moody’s: Aa1, Fitch: AA+) hätte er aber immerhin die entsprechende Bonität, um z. B. Kredite am Kapitalmarkt aufzunehmen. Lediglich die etwas hohe Staatsverschuldung mit 88,2 % des Bruttoinlandsproduktes trübt das Bild etwas. Damit bewegt sich Großbritannien aber im Vergleich zu anderen großen europäischen Nationen noch im (leider) normalen Rahmen.

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