Anlagemodelle im Bereich Crowdinvesting

Im Bereich Crowdinvesting werden aktuell verschiedene Anlagemodelle zur Strukturierung der Investments genutzt. Dabei hat jedes Modell verschiedene Vor- und Nachteile, die wir im Folgenden näher beleuchten wollen. Generell gilt dabei: Investieren Sie nur in etwas, das Sie auch wirklich verstehen. Sollte Ihnen etwas unklar sein, dann fragen Sie am besten direkt bei der jeweiligen Crowdinvesting-Plattform nach oder sehen Sie im Zweifel lieber von einem Investment ab.

Wichtig: Die hier gemachten Risiko- und Renditeeinschätzung sollen Ihnen lediglich ein grobes Gefühl für die verschiedenen Anlagemodelle geben. Ein Modell mit niedrigem Risiko bedeutet NICHT automatisch, dass die Anlage sicher ist. Umgekehrt muss nicht jedes Anlagemodell mit hohem Risiko automatisch im Totalverlust enden. Das tatsächliche Risiko hängt in der Praxis primär davon ab, wie zahlungsstark der Kreditnehmer ist, was sich oftmals nur schwer einschätzen lässt. Einen zuverlässigen Schutz vor Verlusten gibt es nicht. Das einzige, was Sie als Anleger tun können, ist durch eine breite Streuung die Höhe des Verlustpotentials zu verringern.

Nachrangdarlehen mit qualifiziertem Rangrücktritt

Das "Nachrangdarlehen mit qualifiziertem Rankrücktritt" ist das aktuell wohl am häufigsten verwendete Anlagemodell im Crowdinvesting-Markt. Dabei gewähren Sie einer Firma ein Darlehen, das in der Gläubiger-Rangfolge hinter allen anderen Darlehen und Verbindlichkeiten steht. In der Praxis bedeutet dies, dass im Falle einer Insolvenz zunächst alle anderen Gläubiger aus der eventuell vorhanden Insolvenzmasse entschädigt werden. Nur, wenn danach noch etwas übrig ist, erhalten auch Sie als Anleger ihr Geld zurück. In den meisten Fällen dürfte die Insolvenz der Firma jedoch bedeuten, dass Sie Ihren kompletten Anlagebetrag verlieren.

Ein großer Nachteil dieser Anlageform ist neben der niedrigen Priorität im Rahmen einer Insolvenz, dass der Kreditnehmer (Schuldner) die Möglichkeit hat, die Auszahlung von Zinsen und Tilgung auf unbestimmte Zeit zu verschieben, sofern das Tätigen dieser Zahlungen seine Insolvenz bedeuten würde. Damit kann die Firma die Zahlungen de facto für sehr lange Zeit verweigern, ohne selbst in die Insolvenz zu schlittern. Was für die Firma von Vorteil ist, macht Anlegern potentiell Probleme, denn man hat im Zweifel keinerlei rechtliche Handhabe, um die Auszahlung von Zins und Tilgung zu erzwingen. In der Praxis kam dies bisher nur selten vor, allerdings muss man sich auf derartige Verzögerungen einstellen.

Generell hat das Nachrangdarlehen mit qualifiziertem Rankrücktritt eher den Charakter von Eigenkapital, also der direkten Beteiligung an einem Unternehmen, allerdings ohne die Vorteile der sonst üblichen Gewinnbeteiligung und Mitspracherechte.

Einschätzung: Hohes Risiko bei hohen Renditen

Dieses Anlagemodell wirkt auf den ersten Blick recht unattraktiv, hat aber den Vorteil, dass es vergleichsweise einfach und günstig ist. Dadurch sind die Kosten für die Crowdinvesting-Plattformen relativ niedrig und die Renditen vergleichsweise hoch. Man muss allerdings damit leben, dass man am Ende der Nahrungskette der Gläubiger steht und im Falle einer Insolvenz mit hoher Wahrscheinlichkeit seinen gesamten Anlagebetrag verliert.

Folgende Plattformen nutzen dieses Modell:

ZinslandExporoLeihDeinerUmweltGeldbettervestEconeersBergfürstImmofundingZinsbausteiniFundedGreenVestingdagobertinvestReaCapitalHome Rocketecoligo.investmentsRevalRenditySaregoKapilendoWIWINGrundagLion RocketTransvendoCrowdPartnerMezzanyZinsCrowdEngel & Völkers CapitalClever Crowdinvest.MarvestMoneywellGLS CrowdKensington CrowdFrankfurter Finanzanlagenvermittlungfinteo

Partiarisches Nachrangdarlehen mit qualifiziertem Rangrücktritt

Dieses Anlagemodell entspricht im Wesentlichen dem Nachrangdarlehen mit qualifiziertem Rangrücktritt, allerdings gibt es hier neben der fixen Verzinsung zumeist noch eine Art Bonus-Zins oder Gewinnbeteiligung, die sich aus dem Geschäftserfolg des Kreditnehmers (der Firma) ergibt. So kann es z. B. sein, dass am Ende des Jahres in Abhängigkeit des Firmengewinns eine zusätzliche Zinszahlung erfolgt. Als Anleger partizipiert man dann bis zu einem gewissen Grad am Erfolg des Unternehmens. Darüber hinaus gilt aber auch hier, dass man als Anleger im Rahmen einer Insolvenz erst als allerletztes entschädigt wird und nur dann, wenn noch Vermögen aus der Insolvenzmasse übrige ist, was nur selten vorkommt. Zudem kann das Unternehmen die Zahlungen verweigern, wenn diese ihre Insolvenz bedeuten würden.

Einschätzung: Hohes Risiko bei hohen Renditen

Die Beteiligung am Erfolg des Unternehmens mag interessant klingen, sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieses Anlagemodell die gleichen hohen Risiken aufweist wie das einfache Nachrangdarlehen mit qualifiziertem Rangrücktritt (siehe oben).

Folgende Plattformen nutzen dieses Modell:

EconeersGreenVestingKapilendo

Bankdarlehen (via Forderungskaufvertrag)

Bei diesem Anlagemodell gewährt eine Bank dem Projektentwickler ein klassisches Bankdarlehen. Die aus diesem Bankdarlehen resultierenden Forderungen (u. a. Zins und Tilgung) verkauft die Bank im Rahmen eines Forderungskaufvertrages über eine zwischengeschaltete Gesellschaft weiter an die Anleger. Diese vergeben somit kein Darlehen im klassischen Sinne, sondern erwerben eine Darlehensforderung. Das Darlehen kann dabei mit unterschiedlichen Sicherheiten unterlegt sein, z. B. einer erstrangigen oder zweitrangigen Grundschuld. Hier unterscheiden sich die Modelle im Detail von Plattform zu Plattform und auch von Projekt zu Projekt.

Der große Vorteil dieses Konstruktes gegenüber dem stärker verbreiteten Nachrangdarlehen ist, dass der Darlehensnehmer nicht das Recht eingeräumt bekommt, Zins- und Tilgungszahlungen zu verzögern, wenn diese seinen wirtschaftlichen Ruin bedeuten würden. Zahlt der Darlehensnehmer nicht pünktlich, können sofort Maßnahmen wie die Verwertung möglicher Sicherheiten ergriffen werden, ohne Rücksicht auf andere Gläubiger. Hierbei sollte man allerdings auf den Rang und die Qualität der Sicherheiten achten, denn steht die Grundschuld z. B. zweitrangig hinter der der erstfinanzierenden Bank, kann es passieren, dass die Immobilie im Rahmen des Insolvenzverfahrens weniger erlöst als erwartet und die Investoren leer ausgehen. Die tatsächliche Sicherheit der Anlage lässt sich daher nicht pauschal angeben, sondern hängt von den spezifischen Gegebenheiten des jeweiligen Projektes ab.

Einschätzung: Mittleres bis hohes Risiko bei hohen Renditen

Ein interessantes Konzept, das ein zentrales Problem nachrangiger Darlehen mit qualifiziertem Rangrücktritt löst, nämlich das explizite Recht des Kreditnehmers, Zins- und Tilgungszahlungen zu verzögern, wenn es seine wirtschaftliche Situation notwendig macht. Kommt der Kreditnehmer seinen Zahlungspflichten nicht nach, können die Anleger das Darlehen sofort fällig stellen und ggf. hinterlegte Sicherheiten verwerten. Beachten Sie jedoch, dass die Sicherheit der Anlage von den spezifischen Gegebenheiten jedes einzelnen Projektes abhängt und eine pauschale Aussage dazu nicht möglich ist.

Folgende Plattformen nutzen dieses Modell:

ExporoBergfürstZinsbausteiniFundedKapilendo

Unternehmenskredit (via Forderungskaufvertrag)

Bei diesem Anlagemodell wird durch einen Intermediär (häufig eine Tochtergesellschaft der Crowdinvesting-Plattform) dem Kreditnehmer (zumeist eine Firma) ein regulärer Kredit gewährt. Im Rahmen des Crowdinvestments kaufen Sie dem Intermediär nun die zukünftigen Forderungen aus diesem Kreditvertrag ab und erhalten somit das Recht auf die zukünftigen Zins- und Tilgungszahlungen. Welchen Rang der Kredit im Falle einer Insolvenz des Kreditnehmers hat, hängt von der konkreten Vertragsgestaltung ab und ist nicht verallgemeinerbar.

Einschätzung: Risiko abhängig von Projekt und Vertragsgestaltung

Eine pauschale Einschätzung des Risikos ist leider nicht möglich. Achten Sie daher auf die konkrete Vertragsgestaltung und ggf. auch die Hinweise zur Bonität des Kreditnehmers.

Folgende Plattformen nutzen dieses Modell:

Kapilendo

EEG-Einspeisung (via Forderungskaufvertrag)

Sollten Sie in ein Projekt mit diesem Anlagemodell investieren, so erwerben Sie im Rahmen eines sogenannten Forderungskaufvertrages das zukünftige Recht auf einen Teil der Einspeisevergütung, die sich aus den Vorgaben des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) und der Menge des erzeugten Stroms ergibt. Vereinfacht gesprochen bedeutet dies, dass Sie z. B. bei einer Windkraftanlage dem Eigner einen Teil der im nächsten Jahr erzeugten Strommenge vorab abkaufen. Sie erhalten dabei allerdings nicht den Strom, sondern die für die Einspeisung ins Netz gezahlte EEG-Einspeisevergütung des zuständigen Stadtwerkes. Die EEG-Einspeisung ist gesetzlich garantiert und wird über den Strompreis umgelegt, sodass dafür eine geringe Ausfallwahrscheinlichkeit besteht.

Je nach Projekt wird die EEG-Einspeisung aber nicht direkt an die Anleger ausgezahlt, sondern zuerst dem Projekteigner, der sie dann an die Anleger weiterleitet. Bei letzterem besteht das Risiko, dass der Projekteigner die Zahlung verweigert und ggf. sogar in die Insolvenz geht. Dann sind die Forderungen laut einem von der Crowdinvesting-Plattform greenXmoney in Auftrag gegebenen Gutachten nicht-nachrangig geltend zu machen, sprich, man ist deutlich besser gestellt als bei den sonst häufig üblichen Nachrangdarlehen (siehe oben). Das heißt allerdings nicht, dass man in jedem Falle sein Geld zurückbekommt. Dies hängt primär davon ab, ob noch genügend Vermögen vorhanden ist, um die Gläubiger zu entschädigen.

Einschätzung: Niedriges bis mittleres Risiko bei niedrigen Renditen

Das Anlagemodell überzeugt aufgrund der Einfachheit und der Koppelung an die EEG-Einspeisung. Man sollte allerdings nicht der Illusion erliegen, dass es sich hier um ein risikofreies oder risikoarmes Investment handelt. Geht der Kreditnehmer pleite, kann man nur noch auf eine Entschädigung im Rahmen des Insolvenzverfahrens hoffen.

Folgende Plattformen nutzen dieses Modell:

greenXmoney

Anleihe (Wertpapier)

Anleihen sind Wertpapiere, die dem Anleger das Recht auf fest vereinbarte Zins- und Tilgungszahlungen zu bestimmten Terminen gewähren. Der Anleger kauft die Anleihe vom Herausgeber und gewährt ihm damit über die Laufzeit der Anleihe einen Kredit. Anleihen können in ganz unterschiedlichen Ausgestaltungen auftreten, weshalb eine pauschale Einschätzung nicht so einfach möglich ist. Häufig sind Anleihen als Wertpapiere über eine Börse frei handelbar. Sie können die Anleihe somit frühzeitig verkaufen, sofern es entsprechende Nachfrage von anderen Anlegern gibt, was allerdings nicht zwangsläufig immer der Fall ist.

Mit welcher Priorität Anleihen-Anleger im Falle einer Insolvenz des Kreditnehmers entschädigt werden, hängt von den konkreten Bedingungen der Anleihe und den gewährten Sicherheiten ab. Lesen Sie daher vor einer Anlage stets das Wertpapierprospekt. Es enthält alle notwendigen Informationen. Fairerweise muss man an dieser Stelle aber anmerken, dass dieses Prospekt in der Regel so umfangreich und komplex geschrieben ist, dass die meisten Anleger es nicht verstehen dürften. Dies ist allerdings ein generelles Problem von prospektpflichtigen Anlagen und kein spezifisches von Anleihen.

Einschätzung: Risiko und Rendite abhängig von konkreter Ausgestaltung der Anleihe

Anleihen haben den Vorteil, dass sie ein relativ etabliertes und erprobtes Anlagemodell darstellen und zudem theoretisch jederzeit ge- und verkauft werden können. Wie hoch das Risiko und die Rendite der Anleihe jedoch genau ist, hängt vom konkreten Fall ab, weshalb pauschale Aussagen dazu nicht möglich sind.

Folgende Plattformen nutzen dieses Modell:

ZinslandExporoBergfürstiFundedKapilendoWIWINMoneywell

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Im Folgenden finden Sie unsere aktuellen Anlage- und Finanztipps. Beachten Sie insbesondere beim Crowdinvesting die Risikohinweise.

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**Risikohinweis: Der Erwerb von Kapital- und Vermögensanlagen über Crowdinvesting ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Vermögens führen.
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