Fibank Test & Bewertung

Letztes Update am 23.10.2014 von Stefan Erlich | Testergebnis:  Bewertung: 2,5 von 5 Punkten

Zusammenfassung & Bewertung

"Lukratives Festgeld in Bulgarien", "Rating auf Ramsch-Niveau" oder "Garantiert sicher durch EU-Absicherung": Im Zusammenhang mit dem von WeltSparen in Deutschland vermarkteten Festgeld-Angebot der bulgarischen Fibank mangelt es im Internet nicht an Kommentaren. Dabei wäre es angebracht, sich die Fibank und ihre Kennzahlen einmal ganz nüchtern anzuschauen. Denn wie seriös oder vertrauenswürdig eine Bank wirklich ist, lässt sich am Ende des Tages noch immer am besten anhand harter Fakten beurteilen. Im Folgenden finden Sie die wichtigsten Erkenntnisse in der Übersicht:

Positiv
Positive Gewinnentwicklung in den letzten 6 Jahren
Positiv
Vergleichsweise gut gefüllter Einlagensicherungsfonds Bulgariens
Positiv
Unterstützung durch den bulgarischen Staat im Ernstfall wahrscheinlich
Neutral
Turbulenzen im bulgarischen Bankensektor in der Vergangenheit
Negativ
Nur unterdurchschnittliches Rating der Fibank
Negativ
Laut Ratingagentur Fitch mangelhafte Unternehmensführung
Negativ
Entschädigung durch Einlagensicherungsfonds in bulgarischen Lew (BGN)

Gesamtbewertung der Fibank:

Insgesamt bewerten wir die Fibank mit eher durchschnittlichen 2,5 von 5 Punkten. Zwar erscheint die Fibank nach außen hin als durchaus seriös und vertrauenswürdig, jedoch werfen angebliche Verwicklungen in zwielichtige Geschäfte sowie die Kritik der Ratingagentur Fitch hinsichtlich der zum Teil mangelhaften Unternehmensführung und der undurchsichtigen Eignerstruktur ein etwas schlechtes Licht auf das Finanzinstitut. In diesem Zusammenhang ist auch die relativ schlechte Bewertung von Fitch mit BB- zu nennen, auch wenn die Wahrscheinlichkeit einer Unterstützung der Bank durch den bulgarischen Staat als durchaus gegeben eingestuft wird. Darüber hinaus hinterlässt der Bank-Run im Juni 2014 bei uns ein ungutes Gefühl, ist dieser doch aus unserer Sicht ein Symptom der Instabilität des bulgarischen Bankensystems.

Positiv werten wir dagegen die gute Gewinnentwicklung der Bank in den letzten 6 Jahren und die akzeptable Kernkapitalquote. Auch der bulgarische Einlagensicherungsfonds hinterlässt bei uns einen insgesamt durchaus guten Eindruck, scheint dieser doch vergleichsweise gut gefüllt zu sein. Unklar ist jedoch, ob die Mittel des Einlagensicherungsfonds im Ernstfall wirklich ausreichen würden, da genaue Daten zur Höhe der unter die Einlagensicherung fallenden Guthaben bei der Fibank fehlen. Zudem könnte die Auszahlung in bulgarischen Lew (BGN) für einige Anleger ein Ausschlusskriterium sein.

Wer ist die Fibank?

Logo der First Investment Bank (Fibank)

Die Fibank ist eine noch relativ junge bulgarische Privatbank, die sich eigentlich First Investment Bank nennt und als drittgrößtes Finanzinstitut des Landes gehandelt wird (gemessen am Bilanzvolumen). Neben dem Inland ist die Bank auch im Ausland und hier primär in Albanien tätig. Gegründet wurde die First Investment Bank von den Unternehmern Ivailo Mutafchiev und Tzeko Minev, die beide bis heute die Mehrheit an der Bank halten. Der Anteil der beiden Gründer schwankt dabei je nach Quelle zwischen 58 % (siehe Annual Report 2013, S. 111) und 85 % (siehe Webseite der Fibank). Etwa 15 % werden über Börsen frei gehandelt, so z. B. über die bulgarische Börse in Sofia oder auch an einigen deutschen Handelsplätzen.

In Ende 2010 durch Wikileaks veröffentlichten Dokumenten der amerikanischen Botschaft in Sofia wird die Herkunft des für die Gründung notwendigen Kapitals der beiden Hauptanteilseigner als fragwürdig eingestuft: "with funds of questionable origin"). Zudem wird der Fibank in dem geleakten Dossier unterstellt, neben den aufpolierten legitimen Geschäftsbereichen auch in zwielichtige Geschäfte verwickelt zu sein. Unabhängig verifizieren lässt sich das freilich nur schwer. Zudem stammt das Dossier aus dem Jahr 2006, sodass die Informationen sicherlich mit einem gewissen Abstand zu sehen sind. Gleichzeitig verbleibt aber hinsichtlich der Seriösität der Fibank ein gewisser fauler Beigeschmack.

Anlagemarktplatz WeltSparen (Vermittler des Fibank-Festgeldes)

In Deutschland wird das Festgeldangebot der Fibank nicht direkt, sondern indirekt über den Vermittler SavingGlobal GmbH im Rahmen des Projektes WeltSparen vermarktet. WeltSparen kümmert sich dabei zusammen mit der MHB Bank um das Einsammeln der Gelder in Deutschland und leitet diese dann weiter nach Bulgarien. Anleger haben daher letztlich keine direkten Kontakt zur Fibank (alle Service-Anfragen laufen über WeltSparen), was aufgrund der sprachlichen Distanz zu Bulgarien allerdings im Normalfall eher von Vorteil sein dürfte. Nachteilig ist einzig, dass WeltSparen für seine Services eine prozentuale Gebühr von der Fibank bekommt, die die effektiven Zinsen letztlich mindert. Allerdings wäre eine solche Anlage für den Großteil der Anleger ohne WeltSparen wahrscheinlich gar nicht machbar, sodass dieser Punkt nicht wirklich als Kritik zu verstehen ist.

Rating & Bonität der Fibank

Ein gängiger Indikator für die Sicherheit bzw. Bonität einer Bank ist das Rating bzw. die Bewertung der Kreditwürdigkeit durch eine der größeren Ratingagenturen. Aktuell liegt das Rating von Fitch bei BB- und damit im Bereich einer spekulativen Anlage (siehe Bewertungsschema). Fitch bemängelt hier vor allem die zum Teil mangelhafte Unternehmensführung (Corporate Governance), die starke Konzentration von größeren Krediten auf relativ wenige Schuldner sowie die relativ hohe Anzahl notleidender Kredite (non-performing loans) und die in diesem Zusammenhang zu niedrigen Kapitalreserven. Ebenfalls kritisiert wird die undurchsichtige Eigentümerstruktur der Bank und das in diesem Kontext hohe Risiko durch die Vergabe von Krediten an verwandte Unternehmen mit Beziehungen zur Fibank bzw. deren Eignern.

Positiv äußert sich Fitch dagegen zur soliden Refinzierungsstruktur der Bank, die durch das WeltSparen-Angebot aus Deutschland weiter gestärkt werden dürfte. Zudem wird die Wahrscheinlichkeit einer Unterstützung der Bank durch den bulgarischen Staat auf einer Skala von 1 (extrem wahrscheinlich) bis 5 (eher unwahrscheinlich) mit 3 eingestuft, was durchaus positiv zu sehen ist. Generell sind Ratings allerdings auch immer mit einem gesunden Maß an Skepsis zu betrachten, da die Ratingagenturen in der Vergangenheit nicht selten auch danebenlagen. Dennoch sind die vorliegenden Daten als Indikation für das Risiko einer Pleite zu sehen und dieses erscheint uns im Falle der Fibank durchaus höher als bei anderen Banken.

Hinsichtlich der Gewinnentwicklung gibt es bei der Fibank keine Kritik zu äußern - ganz im Gegenteil. So hat die Bank seit 2007 nach Steuern stets einen Gewinn zwischen 250 Mio. EUR und 700 Mio. EUR pro Jahr ausgewiesen (siehe Jahresberichte 2009, 2011 und 2013), und das selbst zu Zeiten der Finanzkrise, als manch andere Bank hohe Verluste verbuchen musste. Auch hier müssen wir allerdings darauf hinweisen, dass der Gewinn letztlich nur ein Indikator für die Bewertung der Sicherheit einer Bank sein kann. Nicht immer spiegelt der Gewinn auch realisierte Werte wider, sodass diese Informationen stets mit einem gesunden Maß an Skepsis betrachtet werden sollten.

Grundsätzlich in Ordnung geht die die Ausstattung der Bank mit Eigenkapital. Zwar ist das Verhältnis von Verbindlichkeiten zu Eigenkapital mit etwa 12 zu 1 nicht gerade niedrig, jedoch scheint der überwiegende Teil der Schulden durch Kundeneinlagen (also z. B. auch Festgeld) finanziert zu sein, die in aller Regel durch ihre relativ breite Streuung vergleichsweise stabil sind. Diese Beobachtung deckt sich auch mit der Einschätzung der Ratingagentur Fitch. Dazu kommt die Kernkapitalquote (Tier 1 Ratio) von 13,31 %, mit der die Fibank im Marktvergleich weder besonders gut noch besonders schlecht dasteht. In jedem Falle liegt sie damit über der Mindestanforderung von 6 %, die ab 2018 nach den Basel-III-Regularien gelten wird.

Fibank Einlagensicherung

Grundsätzlich sind Einlagen bei der Fibank über den gesetzlichen bulgarischen Einlagensicherungsfonds Bulgarian Deposit Insurance Fund (BDIF) bis zu einer Höhe von 100.000 € abgesichert. Dieser Fonds folgt den EU-Vorgaben hinsichtlich Auszahlungsfristen und Absicherungshöhe (primär Richtlinie 2009/14/EG), ist darüber hinaus aber als eigenständige Einlagensicherung zu sehen. Eine EU-weite, gleichwertige Absicherung aus einem Topf gibt es in dieser Form nicht, auch wenn dies immer wieder gern so dargestellt wird.

Bulgarischer Einlagensicherungsfonds (Bulgarian Deposit Insurance Fund)

Sofern man den offiziellen Zahlen des Fonds Glauben schenken darf, verfügt dieser derzeit über ein Vermögen von knapp 1,1 Mrd. EUR (ca. 2,1 Mrd. Bulgarische Lew). Das erscheint für sich genommen viel, ist allerdings in Relation zu den bei der Fibank liegenden und abgesicherten Einlagen zu sehen. Die Guthaben aller Kunden (sowohl privat als auch geschäftlich/öffentlich) beliefen sich laut Jahresbericht 2013 (S. 35) auf 3,85 Mrd. EUR (7,54 Mrd. BGN), womit diese über dem Vermögen des Einlagensicherungsfonds liegen. Allerdings fallen nicht alle Einlagen komplett unter die Einlagensicherung, da pro Kontoinhaber auch in Bulgarien nur 100.000 € (196.000 BGN) abgesichert sind und bestimmte Institutionen von vornherein von der Absicherung ausgeschlossen sind. Der tatsächlich relevante Betrag dürfte also deutlich unter der Marke von 3,85 Mrd. EUR liegen. Wie viel genau ist allerdings auf Basis der öffentlich verfügbaren Daten nur schwer einzuschätzen.

Das Risiko, dass im Falle einer Pleite der Fibank das Vermögen des Einlagensicherungsfonds nicht für die Entschädigung aller Anleger ausreichen könnte, ist durchaus gegeben, auch wenn es sich nicht genau beziffern lässt. Für einen solchen Fall sieht das bulgarische Einlagensicherungsgesetz drei Möglichkeiten vor: Der Fonds erhebt von den angeschlossenen Banken Sonderbeiträge, erhöht die jährlich von den Mitgliedsbanken zu zahlende Beitragsrate oder er nimmt zur Erfüllung seiner Entschädigungspflichten Kredite von anderen Banken oder dem bulgarischen Staat auf.

Sollten alle Stricke reißen, hängt eine Entschädigung also letztlich davon ab, ob der bulgarische Staat den entsprechenden Betrag aufbringen und an den Fonds leihen kann. Mit einer Staatsschuldenquote von überraschend niedrigen 19 % des Bruttoinlandsproduktes und Ratings von BBB-, BBB- bzw. Baa2 sehen wir Bulgarien dazu derzeit durchaus in der Lage. Eine Garantie dafür gibt es allerdings nicht, denn eine direkte Haftung des Staates ist (aus guten Gründen) nicht gesetzlich verankert, auch wenn in normalen Zeiten sicherlich von einer Unterstützung durch den bulgarischen Staat auszugehen ist.

Ein wichtiger Aspekt der bulgarischen Einlagensicherung sollte Anlegern aber in jedem Fall bewusst sein. Nach Artikel 23, Absatz 7 des Einlagensicherungsgesetztes werden Guthaben in ausländischer Währung (damit sind u. a. EUR-Guthaben deutscher Anleger gemeint) bei einer Entschädigung nicht in EUR, sondern in bulgarischen Lew (BGN) ausgezahlt. Für die Umrechnung wird der Wechselkurs am Tag der Zahlung zugrunde gelegt. Anleger müssen sich nach einer Entschädigung somit selbst bei ihrer Hausbank um einen Umtausch in EUR kümmern.

Bank-Run im Juni 2014

Am 27.06.2014 kam es in Bulgarien zu einem Bank-Run auf die Fibank. Getrieben von Gerüchten zu einer möglicherweise drohenden Insolvenz der Bank versuchte eine große Anzahl von Kunden, ihr Guthaben abzuheben. Da keine Bank der Welt ausreichend Bargeld für eine volle Auszahlung ihrer Kunden vorrätig hat, musste die Fibank ihre Türen schließen. Zwar öffnete sie bereits am darauffolgenden Montag wieder ihre Filialen, jedoch verbleibt bei uns aufgrund der bis heute nicht vollends geklärten Umstände ein ungutes Gefühl. Die bulgarische Regierung behauptet, Auslöser des Bank-Runs seien über SMS und soziale Netzwerke verteilte Falschmeldungen zur Stabilität der Fibank. In Rekordzeit wurden dann auch mehrere Männer (je nach Quelle zwischen 2 und 5) festgenommen und vermutlich auch verurteilt. Genau sagen lässt sich das allerdings nicht, da es nach dem Ende des eigentlichen Bank-Runs schnell still um den Fall wurde.

Generell zeigt der Bank-Run bei der Fibank (und übrigens nur eine Woche zuvor auch bei der ebenfalls bulgarischen CorpBank) wie instabil das bulgarische Bankensystem ist. Sowohl die bulgarische Zentralbank als auch die Regierung selbst scheint insbesondere im Fall CorpBank ihre ganz eigene Agenda zu verfolgen. Rückschlüsse auf die Fibank sind sicherlich nicht immer gerechtfertigt, jedoch ist in einem Land, das sich auf dem Korroputionsindex auf Platz 77 und in guter Gesellschaft mit Ländern wie Tunesien und Senegal befindet, stets mit Überraschungen zu rechnen.

Die besten Zinsen jeden Monat kostenlos in Ihr Postfach

Unser kostenloser Newsletter

Wir versorgen Sie jeden Monat einmal kostenlos mit den besten Zinsen für Tagesgeld, Festgeld und Crowdinvesting. Zudem erhalten Sie unsere Finanzartikel und aktuellen Warnhinweise. Als Dankeschön erhalten Sie unseren Ratgeber mit der 15-Punkte-Checkliste kostenlos als eBook.

Unsere Tipps
Unsere aktuellen Finanztipps

Im Folgenden finden Sie unsere aktuellen Anlage- und Finanztipps. Beachten Sie insbesondere beim Crowdinvesting die Risikohinweise.

Suche
Wonach suchen Sie?
 
Anzeige
Crowdinvesting im Anlagehafen*
Anzeige
*Hinweis: Dies ist eine Anzeige. Wir erhalten dafür vom Anbieter eine Vergütung.
**Risikohinweis: Der Erwerb von Kapital- und Vermögensanlagen über Crowdinvesting ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Vermögens führen.
Gutschein-Verlosung
Teilen Sie Ihre Erfahrungen
Amazon-Gutschein-Verlosung

25 € Gutschein von Amazon gewinnen!

Wir verlosen jeden Monat unter allen neu übermittelten und nach Prüfung veröffentlichten Erfahrungsberichten einen Amazon-Gutschein im Wert von 25 €. Jetzt bewerten!

Erfahrungsbericht schreiben
Banken & Anbieter
Übersicht Banken & Anbieter

Hier finden Sie alle aktuell bei uns gelisteten Banken und Anbieter. Sollten Sie eine Bank vermissen, dann senden Sie uns einfach kurz einen Hinweis per E-Mail.