Fidor Bank Test & Bewertung

Letztes Update am 23.02.2015 von David Stahmann | Testergebnis:  Bewertung: 3,5 von 5 Punkten

Zusammenfassung & Bewertung

Wenn Sie einmal bei einer Suchmaschine nach der „Fidor Bank“ suchen, dürften Ihnen u. a. folgende Schlagzeilen als Suchergebnisse ins Auge fallen: „Techbude mit Banklizenz”, „Der Kunde bestimmt den Einlagezins“ oder auch „Fidor Bank setzt aufs Web2.0-Banking“. Das anscheinend sehr ungewöhnliche, „andere“ Geschäftsmodell der Fidor Bank AG sowie vermehrte Nutzerfragen bzgl. unserer Einschätzung nehmen wir hiermit zum Anlass, uns etwas genauer mit diesem Institut zu befassen. Zur Beantwortung der Frage, wie seriös und zuverlässig die Bank zu bewerten ist, wollen wir uns im Folgenden vor allem auf die nüchternen Zahlen und “harten Fakten” konzentrieren. Die wichtigsten Ergebnisse unseres Tests finden Sie im folgenden Überblick:

Positiv
Deutscher Einlagensicherungsfonds ausreichend gefüllt für eine mögliche Pleite der Fidor Bank
Positiv
Relativ gute und stabile Eigenkapitalquote in den letzten 6 Jahren
Neutral
Relativ neue und betont innovationsfreudige Bank
Neutral
Kein Rating einer Rating-Agentur verfügbar
Negativ
Generierung von Verlusten über die letzten 6 Jahre (Ausnahme in 2013)

Gesamtbewertung der Fidor Bank:

Insgesamt bewerten wir die Fidor Bank mit noch guten 3,5 von 5 Punkten. Wir haben es hier mit einer noch vergleichsweise jungen Bank zu tun, deren Geschäftsmodell sich erst noch am Marktbeweisen muss. Aufgrund der begrenzten Historie und des Fehlens eines Ratings zur Bonität der Fidor Bank fiel uns die Bewertung etwas schwieriger als bei anderen Instituten. Auf Basis der öffentlich verfügbaren (Finanz-)Kennzahlen (z. B. aus den Geschäftsberichten) steht die Fidor Bank allerdings im Vergleich zur Konkurrenz weder besonders schlecht noch überragend gut da. Insbesondere die relativ schlechte Gewinnentwicklung zeigt aber recht deutlich, dass man noch immer auf der Suche nach einem wirklich profitablen Geschäftsmodell ist.

Auf jeden Fall wäre die Fidor Bank aber angesichts ihres Kundeneinlagenvolumens von ca. 250 Mio. € klein genug, um im Falle einer Insolvenz vom gesetzlichen deutschen Einlagensicherungsfonds aufgefangen zu werden. Wie immer raten wir aber dazu, nicht alles „auf eine Karte zu setzen“, sondern das eigene Vermögen nach Möglichkeit auf zwei, drei oder sogar mehr Banken und Länder zu verteilen. Diese Empfehlung gilt insbesondere bei anzulegenden Geldern von insgesamt über 100.000 €, damit Sie auch stets unter dem Limit des gesetzlichen Einlagensicherungsfonds bleiben.

Über die Fidor Bank

Die Fidor Bank AG mit Sitz in München ist eine Direktbank (hat also keine eigenen Filialen) und agiert als Universalbank, d. h. sie bietet eine Vielzahl von Dienstleistungen aus verschiedensten Bereichen wie z. B. dem Investment-, Kredit- und Einlagengeschäft. Gegründet wurde sie im August 2009 von Herrn Matthias Kröner aus einer bereits seit 2003 bestehenden Vorgängerfirma heraus (Kölsch Kröner & Co. AG), nachdem man zu diesem Zeitpunkt die bereits 2007 beantragte Vollbanklizenz von der BaFin erhalten hatte. Die recht lange Zuteilungsdauer ist vermutlich schlichtweg Pech bzw. schlechtes Timing, denn der Antrag wurde kurz vor Ausbruch der Finanzkrise gestellt, wodurch sich die behördlichen Abläufe erheblich verzögert haben dürften. Herr Kröner, Gründer und heutiger Vorstand der Fidor Bank, hat übrigens bereits Erfahrung mit neuen Geschäftsmodellen im Bankenbereich, denn schon 1994 gründete und leitete er die heute recht bekannte DAB Bank, die letztes Jahr an die französische BNP Paribas verkauft wurde.

Seit ihrer Gründung hat die Fidor Bank ihren Kundenstamm (mittlerweile über 60.000 Kunden) sowie ihre Angebotspalette kontinuierlich ausgebaut, sowohl im klassischen Bankgeschäft als auch in neueren Bereichen, wie z. B. dem „Web-Banking-2.0“, d. h. Online-Banking mit starker Nutzung von sozialen Medien wie Facebook, Twitter und einer Nutzer-Community. Im Produktbereich finden sich u. a. konservative Geldanlagen wie Tages- und Festgeld sowie Girokonten und verschiedene Formen von Krediten. Darüber hinaus gibt es aber auch Fremdwährungskonten, die Möglichkeit zum Kauf von Edelmetallen und mehrere mehr oder weniger innovative Zusatzprodukte, die zumeist über Kooperationspartner angeboten werden (z. B. die Vergabe von Krediten von privat an privat, sogenanntes “Peer-to-Peer-Lending”). Primär interessant dürfte für die meisten Nutzer allerdings weiterhin das Girokonto in Verbindung mit der Prepaid-MasterCard und dem Fidor-Sparbrief sein, sind dies doch die im Alltag üblicheren Produkte. Der Sparbrieffunktioniert wie Festgeld und kann ab 100 € angelegt werden.

Wodurch sich das Institut von anderen alteingesessenen Banken letztlich abzuheben versucht, ist ihr Angebot an sehr neuen Bankprodukten in Formen von "Social Banking", wodurch vor allem digitalaffine und jüngere Kunden angesprochen werden sollen. Dazu gehören z. B. die bereits erwähnten "Peer-to-Peer-Kredite" oder auch Crowdinvesting-Projekte und digitale Währungen. Weiterhin betreibt die Fidor Bank eine Art Forum, in dem sich Kunden und Mitarbeiter der Bank sowie Berater austauschen können. Auch ein Bonussystem gehört dazu, bei dem Kunden z. B. für das Beantworten von Fragen oder das Drehen von Erklär-Videos belohnt werden. Zudem führt die Fidor Bank immer wieder spezielle Aktionen über Facebook und Twitter durch, wodurch sich Kunden der Bank gewisse finanzielle Boni erarbeiten können. Eine genauere Übersicht darüber liefert ein Blick in das Preis- und Bonusverzeichnis der Fidor Bank.

Die Fidor Bank macht auf uns damit zwar einerseits einen durchaus “jung-dynamisch-innovativen Eindruck”, hinterlässt aber auf der anderen Seite auch etwas Ernüchterung. Viele der vermeintlich innovativen Produkte stellen sich bei genauerem Hinsehen als Produkte externer Partner heraus (z. B. die Peer-to-Peer-Kredite) oder werden gar nicht mehr angeboten (z. B. der Kauf von Bitcoins). Zudem laufen viele Links auf der Webseite nach dem Login in das Onlinebanking ins Leere und so schön sich ein “Dispo-Zins-Like” und eine “Geld-Notruf-App” in der Werbung auch anhören mögen, so irrelevant dürften diese Innovationen für den durchschnittlichen Bankkunden doch letztlich in der Praxis sein. Ob sich mit innovativen Bankprodukten in Deutschland daher letztlich nachhaltig Geld verdienen lässt, muss die Fidor Bank aus unserer Sicht erst noch beweisen. Innovation ist immer gut und wichtig, jedoch muss sich diese stets auch im langweiligen Bankalltag der Menschen bewähren und vor allem für die Bank auch Marge abwerfen.

Das nötige Kapital zur Finanzierung des bisherigen Wachstums der Fidor Bank stammt u. a. von Venture-Capital-Gesellschaften (siehe Risikokapital). Hierzu sollte man im Hinterkopf behalten, dass solche VC-Gesellschaften oftmals in junge Firmen mit dem Ziel investieren, in ein paar Jahren mit einer möglichst hohen Rendite wieder aussteigen zu können. Um das zu erreichen, müssen diese Unternehmen allerdings möglichst schnell wachsen, denn nur so lässt sich die Beteiligung der VC-Gesellschaft einige Jahre später mit deutlichem Gewinn wieder verkaufen. Das ist zwar kein sonderlich konservatives Modell, aber es kann langfristig durchaus aufgehen und ist nicht per se als schlecht einzustufen.

Da die Fidor Bank ihre Bankenlizenz erst im Sommer 2009 erhalten hat, existieren keine Daten zur Geschäftstätigkeit vor oder während der Finanz- und Bankenkrise. Wie sie eine solche Extremsituation überstanden hätte, lässt sich heute daher nicht seriös beurteilen.

Rating & Bonität der Fidor Bank

Rein auf die Zugehörigkeit einer Bank zum gesetzlichen Einlagensicherungsfonds sollte man sich allerdings nie verlassen, da dieser nur als Netz für absolute Notfälle gedacht ist. Es hat daher stets Sinn, sich vor der Anlage über die finanzielle Situation und Bonität einer Bank zu informieren. Für den “schnellen Check” sind normalerweise Ratings ein gutes Mittel, jedoch existiert für die Fidor Bank derzeit noch keine Bewertung der großen Ratingagenturen. Das allein ist aber nicht negativ zu bewerten, da die Durchführung von Ratings keine Pflicht ist und diese zudem sehr teuer sind (Banken müssen für ihr Rating selbst zahlen). Wir werden uns zur Bewertung daher im Folgenden einige klassische Finanzindikatoren anschauen und diese versuchen, zu interpretieren.

Gewinn/Verlust der Fidor Bank zwischen 2009 und 2014

Eigenkapitalquote der Fidor Bank zwischen 2009 und 2014

Cash-Quote (Barreserve) der Fidor Bank zwischen 2009 und 2014

Hinsichtlich der Gewinnentwicklung seit 2009 hinterlässt die Fidor Bank bei uns keinen sonderlich guten Eindruck. So hat sie seit ihrem Start fast jedes Jahr Verluste in 6- bis 7-stelliger Höhe eingefahren. Einzig in 2013 konnte man mit 176.000 € ein leicht positives Ergebnis erzielen wie aus den Jahres- und Halbjahresabschlüssen 2009 bis 2014 hervorging. Die Zahlen zeigen aus unserer Sicht recht deutlich, dass die Bank noch immer auf der Suche nach einem langfristig profitablen Geschäftsmodell ist. Gleichzeitig sollte hier aber auch einschränkend erwähnt werden, dass bei ausreichender Kapitalausstattung einer Bank (z. B. durch die Eigner) über Jahre Verluste eingefahren werden können, ohne dass dies der Bank Probleme bereitet. Ein ausreichendes Indiz für eine möglicherweise schlechte Bonität ist dies daher noch nicht. Dennoch fragen wir uns, wo die Fidor Bank langfristig ihre Profite erwirtschaften will, wenn dies in den letzten 5 Jahren bisher doch noch nicht so recht funktioniert hat.

Ein weiterer wichtiger Indikator zur Beurteilung der Stabilität einer Bank ist die Eigenkapitalquote, also das Verhältnis von Eigenkapital zum gesamten Kapital. Hier bewegt sich die Fidor Bank mit einer Quote von 8,59 % (2013) bzw. 7,74 % (1. Halbjahr 2014) in einem recht guten Bereich. Zum Vergleich: Die Deutsche Bank und Commerzbank liegen auf Basis der Daten von 2013 mit 4,90 % und 3,40 % deutlich darunter.

Bei der Kernkapitalquote, die stärker das Risiko der verschiedenen Vermögensklassen einer Bank berücksichtigt, steht die Fidor Bank dagegen etwas weniger gut da. So schwankte der Wert in den letzten Jahren zwischen 14,46 % (2011) und 10,47 % (2013). Auch hier wieder zum Vergleich: Die Commerzbank (13,50 %) und Deutsch Bank (16,90 %) liegen etwas über den Werten der Fidor Bank. Fairerweise sei hier aber erwähnt, dass die Werte nur bedingt aussagekräftig sind, da z. B. je nach Buchführungsstandard unterschiedliche Berechnungsmethoden zur Anwendung kommen können. Dennoch zeigt sich, dass die Fidor Bank hier weder nach oben noch nach unten besonders von den Werten der Konkurrenz abweicht.

Überraschend gut aufgestellt scheint die Fidor Bank dagegen bei der Cash-Quote zu sein. Diese sagt aus, welcher Anteil der Kundenguthaben bei der Zentralbank geparkt und somit schnell verfügbar ist, wenn Kunden plötzlich ihr Geld abziehen wollen. Sie lag für das Jahr 2013 bei 16,7 % (siehe Seite 45 des Geschäftsberichtes 2013) und damit deutlich höher alsz. B. bei der ING-DiBa, die nur knapp 1 % ihrer Kundeneinlagen als Barreserve zur Verfügung hat.

Fidor Bank Einlagensicherung

Die Fidor Bank ist dem gesetzlichen deutschen Einlagensicherungsfonds angeschlossen, welcher im Insolvenzfall Beträge bis 100.000 EUR pro Kontoinhaber (inklusive möglicher Zinsansprüche) erstatten soll. Das Volumen des Fonds, verwaltet von der Berliner Entschädigungseinrichtung deutscher Banken GmbH, bewegt sich aktuell um die Summe von ca. 1 Milliarde Euro (siehe Vermögensrechnung des Bundes 2013, S. 39 Abschnitt 3.4.3.7). Für Anleger besteht nach dem Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz ein Anspruch auf Entschädigung, der theoretisch auch vor Gericht einklagbar wäre. Allerdings ist die Kraft des Einlagensicherungsfonds als “letzter Schutzwall” im Falle einer oder mehrerer Bankenpleiten immer auch begrenzt. Inwiefern sich der Anspruch auf Entschädigung in einem solchen Fall überhaupt noch durchsetzen ließe, bleibt daher ungewiss.

Insgesamt halten wir die gesetzliche Absicherung aber dennoch für durchaus solide, denn im Notfall wäre eine Stützung durch den deutschen Staat nicht unwahrscheinlich, genießt dieser mit seinem AAA-Rating an den Kapitalmärkten doch noch immer eine sehr gute Bonität. Zudem besteht für deutsche Anleger aufgrund der Zugehörigkeit der Bank zur gesetzlichen deutschen Einlagensicherung ein geringeres politisches Risiko als bei ausländischen Banken und Einlagensicherungen. Ob der deutsche Staat aber im Ernstfall zur Unterstützung des gesetzlichen Einlagensicherungsfonds verpflichtet wäre, ist bis heute leider nicht abschließend geklärt, sodass dies trotz der großzügigen Versprechen von Frau Merkel letztlich nicht garantiert werden kann.

Hinsichtlich der Absicherung über das “Notfallnetz Einlagensicherung”ist die Fidor Bank ebenso "vertrauenswürdig" wie jede andere deutsche Bank auch, denn die gesetzliche Absicherung besteht für alle deutschen Privatbanken gleichermaßen. Im Falle der Fidor Bank stimmt uns jedoch positiv, dass das von ihr verwaltete Guthaben derzeit „lediglich“ bei etwa 250 Millionen € liegt (siehe Halbjahresbericht 2014). Sollte die Fidor Bank allein tatsächlich einmal insolvent gehen, wäre eine Entschädigung der betroffenen Sparer für den Einlagensicherungsfonds vermutlich relativ unproblematisch, denn das Gesamtvermögen des Fonds liegt derzeit, wie oben erwähnt, bei knapp 1 Mrd. EUR. Beträgt Ihr Guthaben bei der Fidor Bank daher maximal 100.000 EUR, so können Sie sich mit Ihrem Anspruch auf Entschädigung gegenüber der Entschädigungseinrichtung auf Basis der heute verfügbaren Daten relativ sicher fühlen.

DDoS-Angriff im Oktober 2014

Der Vollständigkeit halber wollen wir an dieser Stelle auch noch erwähnen, dass die Fidor Bank im Oktober 2014 Opfer eines sogenannten DDoS-Angriffs wurde (“Distributed Denial of Service”). Hierbei wurde die Server- und Netzwerkinfrastruktur der Bank gezielt von außen mit Anfragen überlastet, sodass Kunden für einen Tag weder die Webseite noch ihre Prepaid-Masterkarten nutzen konnten. Auf diese Weise versuchten die Angreifer, die Bank zu erpressen und hohe “Lösegelder” zu erwirtschaften.Man drohte in diesem Zusammenhang mit weiteren Attacken, sollte auf die Forderungen nicht eingegangen werden.

Die Fidor Bank schaltete jedoch sofort die Polizei ein und informierte ihre Kunden überraschend transparent und ehrlich über den Sachverhalt. Der Angriff an sich spricht aus unserer Sicht weder für noch gegen die Fidor Bank, da immer wieder größere Unternehmen unter derartigen Attacken zu leiden haben. Gut finden wir allerdings die Art und Weise, wie mit der Attacke umgegangen wurde. So manch andere Bank hätte sich wahrscheinlich in Schweigen gehüllt, nur um nach außen hin ihr Gesicht zu wahren. Eine solche Kommunikationspolitik ist auch im Kontext unserer Sicherheitsanalyse durchaus als positiv zu bewerten.

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Im Folgenden finden Sie unsere aktuellen Anlage- und Finanztipps. Beachten Sie insbesondere beim Crowdinvesting die Risikohinweise.

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