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Fragen & Antworten
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Bringt die Streuung über verschiedene Banken und Anlagen wirklich soviel? Fährt man am Ende nicht besser, wenn man das Geld unters Kopfkissen legt?

Frage gestellt von F. S. am 02.03.2016 | Thema: Allgemein

Zum Thema Risiko und Rendite habe ich eine, zugegebenermaßen etwas ketzerische, Frage, die mich schon eine Weile beschäftigt und würde um Ihre ehrliche Meinung bitten. Wie wir alle wissen, besteht - auch wenn man versucht, die Investitionen möglichst breit zu streuen - immer ein gewisses Ausfallrisiko einer einzelnen oder weniger Anlagen. In einem Rechenbeispiel mit 20 verschiedenen Anlagen (m. E. bereits ein relativ breites Portfolio) und einer durchschnittlichen Rendite von 5 % (eine außergewöhnlich hohe Rendite) reicht es bereits aus, wenn nur eine (1) Anlage ausfällt, um in Summe keinerlei Rendite mehr zu erzielen. Der Ausfall "nur" jeder zwanzigsten Investition halte ich bei Anlagen mit dieser avisierten Rendite für nicht zu pessimistisch abgeschätzt. Investiert man viel konservativer mit einer durchschnittlichen Rendite von 1 % gestreut auf 100 Investitionen (was das Maß des privaten Anlegers vermutlich schon weit übersteigt), reicht ebenfalls bereits 1 Ausfall, um "netto leer auszugehen". Die Frage, die sich mir daher stellt: Macht es nicht (unter Umständen) mehr Sinn, das Geld "unters Kopfkissen zu legen", also sicher bar zu verwahren? Weil die erwartete Rendite ist in beiden Fällen Null, während im Investitionsszenario zumindest der zeitliche und eventuelle finanzielle Aufwand sowie der emotionale Stress und die Angst/Sorge vor Verlust womöglich - je nach Persönlichkeit - die Lebensqualität massiv einschränkt.

Antwort von Stefan Erlich

Antwort von Stefan Erlich am 04.03.2016

Zunächst ist es natürlich eine Frage der Betrachtungsweise. Wenn wir davon ausgehen, dass wir z. B. beim Crowdfunding ein Portfolio von 20 Projekten (was durchaus machbar ist) und einem Durchschnittszinssatz von 5 % haben, dann machen wir in der Tat bei einem Ausfall von je einem Projekt von 20 pro Jahr keine Rendite mehr - oder sogar Verluste, da die Zinserträge versteuert werden müssen und unklar wäre, ob und wann die Verluste gegengerechnet werden könnten. Gehen wir dagegen davon aus, dass innerhalb einer Anlageperiode von 5 Jahren insgesamt nur ein Projekt pleite geht, dann holen wir den Verlust locker durch die Zinserträge wieder auf. Ich persönlich halte eine Ausfallrate von 5 % pro Jahr schon für hoch, allerdings habe ich dafür keine harten Daten.

Die Gefahr besteht in der Zukunft natürlich, dass mit der steigenden Anzahl an Crowdfunding-Plattformen auch die Qualität der Projekte abnimmt. Als Anleger hat man neben der breiten Streuung aber kaum eine Möglichkeit des Schutzes dagegen, einmal ganz abgesehen davon, dass man gewisse Projekttypen meiner Meinung nach sowieso meiden sollte (insbesondere Startups und Anleihen von Unternehmen, deren Geschäftsmodell man nicht kennt/versteht).

Entscheidend ist also, wie man die Ausfallwahrscheinlichkeit betrachtet. Pro Jahr? Pro Anlageperiode? Oder sogar bezogen aufs gesamte Anlegerleben? Mangels Daten und der Relevanz für die Zukunft ist das leider nur schwer fassbar.

In der Tat gilt diese Betrachtungsweise auch für ganz konservative Investments mit 1 %. Das ernüchternde hierbei ist ja, dass man sich über Jahre (wenn nicht sogar Jahrzehnte) hinweg über die kleine, aber doch (scheinbar) sichere Rendite freut. Dann nach sagen wir 10 oder 20 Jahren kommt aber ein ganz ganz seltenes Ereignis (Ich spekuliere hier: die Pleite der Deutschen Bank und des deutschen Einlagensicherungsfonds) und praktisch über Nacht ist nicht nur das komplette Vermögen, sondern auch jeglicher über die Jahre/Jahrzehnte angesammelte Zinsertrag dahin. Nassim Taleb hat hierfür den Begriff des "schwarzen Schwans" geprägt. Man fühlt sich über Jahre hinweg sicher, unterschätzt aber konsequent den potentiellen Einfluss sehr sehr seltener Ereignisse mit extremen Schäden.

Bargeld unter dem Kopfkissen zu "verwahren", klingt auf den ersten Blick wie die bessere Option, allerdings muss man bedenken, dass Sie damit ein konzentriertes Risiko eingehen. Was, wenn jemand bei Ihnen einbricht (Totalverlust)? Was, wenn wir innerhalb von Monaten Hyperinflation bekommen (Teilverlust)? Was, wenn Ihr Haus abbrennt (ggf. Totalverlust)? Wenn man dieser Strategie folgt, wäre es doch sinnvoller, unterschiedliche Währungen (USD, SGD, AUD, CHF etc.) in Bar an unterschiedlichen Plätzen in der Welt zu bunkern, um das Risiko besser zu verteilen. Auch hier kommen wir aber wieder schnell an den Punkt, wo die Sorgen und der Aufwand größer sind als der Nutzen.

Wenn man ehrlich ist, muss man feststellen, dass es bei dem ganzen Anlagethema keine perfekte Lösung gibt. Wichtig wäre mir als rational denkender Anleger stets, soweit wie möglich den Faktor Glück aus meiner Anlage auszuschließen. Spekulation (=Glück) kann gut gehen und zu großem Reichtum führen. Genauso gut kann sie aber auch zum völligen Ruin führen. Man weiß es schlichtweg nicht. Möchte ich Glück soweit wie möglich ausschließen, muss ich versuchen, soweit wie möglich zu diversifizieren, um nicht vom Erfolg oder Misserfolg einer einzigen Bank, Aktie, Anleihe oder Anlage allgemein abhängig zu sein. Dazu gehört sicherlich auch ein Teil Bargeld unter dem Kopfkissen, aber eben nicht ausschließlich.

Am Ende des Tages muss man sich aus meiner Sicht auch immer fragen, welche Optionen man hat und welche der Optionen unter den gegebenen Umständen das bessere Paket aus Nutzen (Rendite), Aufwand (u. a. Bürokratie und Verwaltung) und Risiko (Ausfallwahrscheinlichkeit) bieten. Zwei Festgeldanlagen a 50.000 € bei zwei unterschiedlichen Banken sind aus meiner Sicht besser als eine Anlage über 100.000 € bei einer Bank. Vier Anlagen a 25.000 € wären noch besser, sind dann aber schon mit etwas mehr Aufwand verbunden. Wem es Spaß macht, solche Anlagen zu verwalten, der kann auch auf 10 oder 20 Banken splitten. Wem es dagegen lästig ist, der belässt es eben bei zwei Festgeldern, die immer noch besser sind als eines. Und wen es beruhigt, der kann auch noch 5.000 € unters Kopfkissen legen. Mich würden 5.000 € in Bar daheim eher unruhig machen, aber das sieht sicherlich auch jeder anders.

Die perfekte Lösung gibt es im Bereich der Geldanlage nicht, genauso wenig wie wir die Zukunft vorhersagen können. Alles, was wir tun können, ist zu versuchen, das Glück aus der Anlagekalkulation bis zu einem gewissen Grad zu verdrängen und das Verlustpotential zu verringern. Leider verbuchen viele Anleger (auch professionelle) ihren Anlageerfolg als Frucht der eigenen Expertise oder schlauen Anlagestrategie. Tatsächlich dürfte es sich aber in vielen Fällen um pures Glück handeln. Glück ist aber keine gute Anlagestrategie.

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