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Fragen & Antworten
Fragen & Antworten

Die EU bröckelt und überall scheint es derzeit Krisen zu geben. Ich sorge mich um meine Altersvorsorge! Was soll ich tun?

Frage gestellt von E. S. am 22.02.2016 | Thema: Allgemein

Die EU bröckelt. Was passiert denn eigentlich mit dem Euro und auch mit unseren Anlagen im Ausland (z. B. Holland, Frankreich, Großbritannien usw.)? Da ist der Austritt der Briten im Gespräch, dann die Griechenlandkrise und auch die Flüchtlingskrise. Wäre der Kauf einer kleinen Immobilie sicherer als die Ersparnisse auf dem Tages- bzw. Festgeldkonto. Oder sollte man lieber sein Geld in die Schweiz bringen? Es geht um meine/unsere Altersvorsorge und diese Unsicherheit macht bestimmt auch andere Menschen madig. Haben Sie Rat?

Antwort von Stefan Erlich

Antwort von Stefan Erlich am 23.02.2016

Ich kann Ihre Sorgen voll und ganz nachvollziehen. In der Tat sind Sie damit nicht allein. Ihre Fragen lassen sich am Ende des Tages auf eine zentrale Frage herunterbrechen: Was bringt die Zukunft? Leider habe auch ich darauf keine gute Antwort. Man kann natürlich tolle Szenarien aufstellen, was mit dem Euro, den Banken, der Flüchtlingskrise usw. passieren wird, aber all diese Szenarien würden auch wieder nur auf Annahmen basieren. Aus meiner Sicht sollte eine gute Geldanlage heute so aufgestellt sein, dass Sie im besten Fall eine Vermögenssicherung bewirkt und vor allem nicht auf Zukunftsprognosen basiert. Diese zwei Ziele sollte man stets im Hinterkopf behalten.

Wir leben derzeit in einer hoffnungslos überschuldeten Welt. Als Anleger mit größerem Vermögen könnte man da denken "Mir egal! Ich habe ja Geld und keine Schulden!". Diese Analyse basiert aber auf dem Missverständnis, dass Kontoguthaben/Bargeld unabhängig von Schulden zu sehen sind. Tatsächlich besteht aber ein direkter Zusammenhang, denn (vereinfacht gesprochen) ist jeder Euro Vermögen aus einem Euro Kredit entstanden. Dass Sie 1.000 € auf Ihrem Konto liegen haben, liegt primär daran, dass jemand anderes einen Kredit in gleicher Höhe aufgenommen hat. Dies kann auch der Staat sein, der am Kapitalmarkt Staatsanleihen ausgibt, um damit seine Angestellten (Beamten) zu bezahlen. Das ist jetzt eine stark vereinfachte Darstellung, aber sie zeigt den grundsätzlichen Zusammenhang.

Man muss sich daher in einer überschuldeten Welt fragen, was passieren kann. Da sind zum einen Pleiten zu nennen, sowohl von Staaten als auch Unternehmen. Diese würden eher deflationär wirken, da im Rahmen von Insolvenzen Vermögensgegenstände veräußert werden müssten, um zumindest einen Teil der Gläubiger zu befriedigen. In einem deflationären Szenario ist Cash King, also Kontoguthaben als Tages- und Festgeld. Die Zinsen mögen dann gering sein, aber bei geringer oder negativer Inflation stört Sie das nicht weiter, da Ihr Geld real an Wert gewinnt.

Das andere Szenario ist die Weginflationierung der Schulden, oder stark vereinfacht gesprochen das Drucken von Geld. Derzeit sehen wir eine solche Inflation z. B. in den Preisen realer Vermögensgegenstände wie Aktien und Immobilien in guten Lagen (Ballungsgebieten). Es ist aber keineswegs garantiert, dass dieses Inflationsszenario anhält und auch auf die Konsumentenpreise überschlägt, denn die EZB kann noch soviel Geld drucken. Wenn der Glaube dahin ist, dass die Schuldner ihre Kredite zurückzahlen können, werden die Gläubiger ihr Geld zurückfordern und es wird zu einer breiten Pleitewelle kommen.

Sie sehen, ich halte beide Szenarien für plausibel und denkbar. Die Frage ist daher, wie man sich so aufstellt, dass man für beide Szenarien gewappnet ist, sprich, einem egal sein kann, was die Zukunft bringt. Die Antwort: Eine breite Streuung über möglichst viele Anlageklassen, Banken und Länder. Und: Wenn möglich keine Schulden machen! Ein breit gestreutes Portfolio wird Sie nicht reich machen, aber im besten Fall Ihr Vermögen erhalten (siehe oben). Es ist ein Ansatz, bei dem Sie nicht darauf angewiesen sind, dass der todsichere Tipp Ihres Nachbarn sich als richtig herausstellt, die Schweiz weiterhin ihren Status als "sicherer Hafen" behält oder Immobilien auf jeden Fall ihren Wert behalten.

Nun kommt allerdings die schwierigere Frage: Wie setzt man so etwas in der Praxis um? Die ehrliche Antwort ist, dass es für kleinere Vermögen kaum machbar ist. Viele Anleger haben zudem aufgrund der selbst genutzten Immobilie bereits eine starke Konzentration im Bereich Immobilien, sodass kein größeres liquides Vermögen vorhanden ist und kaum Spielraum für eine breite Diversifikation besteht. In einem solchen Fall heißt es aus meiner Sicht, so schnell wie möglich eventuell noch vorhandene Schulden abzubezahlen und ein, zwei oder drei Tages- und Festgeldkonten zum Sparen zu nutzen. Dabei würde ich auch auf andere Länder im europäischen Land setzen, die noch mit einem relativ guten Rating aufwarten können (z. B. auch die von Ihnen genannten Länder Niederlande, Frankreich und Großbritannien).

Wer mehr Vermögen hat, kann dagegen wesentlich breiter diversifizieren. Dann könnte man mit Konten im Ausland (Schweiz, Singapore, USA, Chile) und Fremdwährungen arbeiten, auch physisches Gold erwerben (und ggf. international verteilen), einen größeren Anteil auch in Form von Aktien anlegen (ebenfalls international gestreut) und ggf. in verschiedene Immobilien investieren und diese vermieten. Dabei ist egal, ob sich Einzelinvestments in diesem Portfolio schlecht entwickeln (z. B. Gold 30 % an Wert einbüßt), da man bei der Betrachtung des Gesamtportfolios wohl immer noch relativ gut fahren würde. Solch komfortable (Vermögens-)Fälle dürften aber eher die Ausnahme als die Regel sein. Das muss man ehrlich zugeben. Zudem ist eine solch breite Diversifikation auch mit Aufwand (sowohl zeitlich als auch finanziell) und mit einem gewissen Know-How verbunden.

Der Durschnittsbürger hat solch breite Diversifikationsmöglichkeiten leider nur bedingt. Im Rahmen der persönlichen Umstände kann man aber denke ich dennoch viel tun. Dabei sollte das oberste Ziel sein, nicht alles auf eine Karte zu setzen. Eine Immobilie wird für Sie vielleicht das Geschäft des Jahrhunderts, kann aber auch völlig in die Hose gehen. So mancher Häuslebauer, der vor 20 Jahren voller Stolz vor seinem Fertighaus stand, wischt sich heute in gewissen Regionen Deutschlands die Tränen aus den Augen, wenn er beim Immobilienmakler steht, da die Preise so gesunken sind. Andere, die in den großen Ballungsräumen Frankfurt, München oder Düsseldorf investiert haben, lassen heute die Sektkorken knallen. Wollen Sie darauf wetten, ob Sie in 20 Jahren zu den Gewinnern gehören? Ich nicht. Daher bitte keine Zukunftsprognosen machen, weder was Immobilien, die Sicherheit der Schweiz noch die Entwicklung der Flüchtlingskrise angeht.

Um nun etwas konkreter zu werden, hier ein paar Möglichkeiten zur Umsetzung dieser Diversifikationsstrategie. Investieren Sie im Rahmen Ihrer persönlichen Risikotragfähigkeit (Wie viel Verlust können Sie psychisch und finanziell verkraften?) in Aktien, möglichst breit gestreut über die ganze Welt, z. B. im Rahmen eines Exchange Traded Fund (ETF). Kaufen Sie etwas physisches Gold, aber tendenziell eher Sammlermünzen, die sich im Notfall gegenüber dem Staat als Sammlerleidenschaft deklarieren lassen. Legen Sie das Geld, das Sie unter allen Umständen unbedingt brauchen werden, als Festgelder an, ebenfalls möglichst breit gestreut über verschiedene Banken und Länder. Ich traue bei Großbanken weder der deutschen noch der französischen oder einer anderen Einlagensicherung besonders (siehe unser Artikel zum Thema). Am Ende hängt es immer an der Politik, die Anleger zu retten. Daher sollte man aus meiner Sicht auch bei Tages- und Festgeld die Diversifikation nicht vernachlässigen.

Wenn das Vermögen groß ist, kann man durchaus noch in Immobilien investieren, dann aber primär in guten Lagen, mit guter Anbindung, barrierefreier Ausstattung und gefragtem Profil (2-3 Zimmer), bei dem Sie ggf. vielleicht auch einzelne Zimmer unabhängig voneinander vermieten könnten (Stichwort Wohnungsgemeinschaften, auch im Kontext Flüchtlingskrise). Bedenken Sie aber, dass Immobilien mit Verwaltungsaufwand verbunden sind, den Sie zu schultern bereit sein müssen. Verschulden würde ich mich dafür zudem nur mit Zähneknirschen, es sei denn, Sie haben noch an anderer Stelle ausreichend Sicherheiten, um im Ernstfall ohne Probleme Ihre Gläubiger befriedigen zu können. Die Zinsen wirken jetzt vielleicht einmalig niedrig, aber diese entwickeln sich immer in Zyklen, sprich, es wird auch irgendwann wieder nach oben gehen und dann kann schnell gehörig Druck auf die Banken (ihr Gläubiger) entstehen. Ich empfehle Ihnen dazu auch den folgenden wirklich sehr gut geschrieben Artikel in der Zeit.

Ob die Briten aus der EU austreten werden? Ich weiß es nicht! Ob uns die Flüchtlingskrise in den wirtschaftlichen Abgrund ziehen wird? Keine Ahnung! Ob sich Immobilien angesichts des kommenden Demografiewandels als besonders lukrativ/sicher herausstellen werden? Man kann daran zweifeln - oder auch nicht. Worauf ich hinaus will ist, dass wir alle nicht wissen, wie sich die Zukunft entwickeln wird. Nur als kleine Anektode dazu: Selbst unsere Zentralbanken mit ihren gut bezahlten Wissenschaftlern, Datensammlungen, Computermodellen und (hoffentlich) kühlen Köpfen haben es seit dem Ende des 2. Weltkrieges nicht ein einziges Mal geschafft, einen Wirtschaftsabschwung vorherzusagen (siehe Video in diesem Artikel). Man muss sich daher wohl ganz nüchtern fragen, ob wir als "normale Menschen" über reines Spekulieren (=Glück) hinaus die zukünftige Entwicklung eines so komplexen Gebildes wir der Gesellschaft und Volkswirtschaft abschätzen können.

Meine Antwort mag vielleicht nicht sonderlich befriedigen, vor allem wenn man von allen Seiten mit Prognosen der unzähligen "Experten" beschallt wird, die den ganz großen Crash, das Ende der Welt, den Immobilienboom oder auch gerne mal den Goldpreis bei $10.000 vorhersagen. Sie ist angesichts der Komplexität unserer Umwelt aber die wahrscheinlich ehrlichste, die Sie bekommen werden. Man muss sich denke ich auch immer vergegenwärtigen, dass in der Menschheitsgeschichte Währungen gekommen und gegangen sind. Was stets geblieben ist, sind die Menschen, ihre (mehr oder weniger) klugen Köpfe und vor allem ihre Arbeitskraft. Vielleicht ist daher am Ende sogar Ihre Arbeitskräfte und Gesundheit noch die beste Altersvorsorge, in die Sie derzeit investieren können (sofern möglich). Und darüber hinaus muss ich an dieser Stelle auch sagen, dass jede Zeit, egal wie viel Angst sie Ihnen auch macht, ihre Opportunitäten, Chancen und Innovationen bietet. Vielleicht sind die aktuellen Krisen daher auch nur der Beginn von etwas Neuem und Schönem?

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