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Fragen & Antworten
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Ist die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 € etwa nicht sicher?

Frage gestellt von Unbekannt am 02.12.2015 | Thema: Einlagensicherung

Sie schreiben häufig, dass es um Risiken bei Banken und die breite Streuung von Vermögen geht, um Verluste zu vermeiden. Ich frage mich beim Lesen häufiger, warum Sie nichts von der gesetzlichen Einlagensicherung bis 100.000 € sagen bzw. ob diese überhaupt noch als sicher zu bezeichnen ist. Können Sie dazu etwas sagen?

Antwort von am 02.12.2015

Zunächst einmal sollte man erwähnen, dass die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 € nach EU-Richtlinie natürlich in allen EU-Ländern gilt. Dabei ist allerdings jedes Land selbst für seine Einlagensicherung zuständig. Eine europäische Einlagensicherung gibt es im Sinne eines gemeinsamen Topfes (noch) nicht. Zudem muss man verstehen, wie diese Einlagensicherungen funktionieren. So hat jeder EU-Staat laut EU-Richtlinie die Pflicht, dafür zu sorgen, dass eine Organisation existiert, die für die Entschädigung der Anleger zuständig ist. Zudem muss diese Organisation in Form eines Geldtopfes (Fonds) über ein gewisses Mindestmaß an Geld verfügen, das von den Banken über die Jahre in Form von Beiträgen selbst bereitgestellt wird.

Interessant dabei ist allerdings, dass es sich bei diesen Einlagensicherungsfonds nicht zwangsläufig um staatliche Einrichtungen handeln muss. In Deutschland ist für die Entschädigung von Anlegern z. B. die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB) GmbH zuständig, also eine rechtlich gesehen privatwirtschaftliche Einrichtung. Ähnlich sieht es in Österreich mit der Banken & Bankiers GmbH aus (siehe https://www.einlagensicherung.at). Diese Konstellation ist von der Politik auch bewusst gewollt, will man doch vermeiden, dass der Staat (und damit Sie als Steuerzahler) für die Fehler der Banken aufkommen müssen. Eher möchte man, dass die Banken jedes Jahr in einen Fonds einzahlen, aus dem Anleger dann im Falle einer Bankinsolvenz entschädigt werden.

Wichtig zu wissen ist auch, dass trotz der Bezeichnung "gesetzliche Einlagensicherung" zwar ein gesetzlich einklagbarer Anspruch gegenüber der Einlagensicherung selbst besteht, dies aber nicht gleichzusetzen ist mit einem Anspruch gegenüber dem Staat! Tatsächlich steht in keinem EU-Dokument und auch keinem deutschen Gesetz explizit etwas davon, dass der Staat im Notfall Entschädigungszahlungen leisten muss. Mindestens umstritten ist zudem, ob der Staat zu einer Stützung des Einlagensicherungsfonds verpflichtet wäre, sollte dieser nicht genug Geld in seinem Topf zur Verfügung haben. Es gibt dazu bisher keine klare rechtliche Grundlage. Wie oben bereits erwähnt will die Politik eine derart verbindliche Zusage natürlich auch vermeiden, um nicht im Notfall wieder Steuergelder einsetzen zu müssen.

Wenn man sich in Europa die verfügbaren Geldmittel der Einlagensicherungsfonds anschaut, kommt schnell Ernüchterung auf (siehe unser Artikel zum Thema). So hätte die gesetzliche deutsche Einlagensicherung mit aktuell 1,13 Mrd. € nicht einmal ansatzweise genug Geld, um die Anleger einer Bank wie der ING-DiBa zu entschädigen. Noch ernüchternder sieht es in Österreich aus, wo der Fonds praktisch leer sein dürfte, da erst seit Mitte 2015 auf ein vorfinanziertes (ex-ante) System umgestellt wurde. Vorher zahlten die in der Einlagensicherung befindlichen Banken erst im Falle einer Insolvenz einer Bank Beiträge ein. Man muss also festhalten, dass der ganz überwiegende Teil der Einlagensicherungsfonds in Europa deutlich unterfinanziert ist. Für die Pleite kleinerer Banken reicht das Geld zur Entschädigung der Anleger ggf. aus. Für eine mittelgroße oder große Bank dürfte dagegen in den allermeisten Fällen nicht genug Geld da sein.

An diesem Punkt kommt der Staat ins Spiel. Er hat in solchen Fällen in der Vergangenheit stets reagiert, z. B. indem er dem deutschen Einlagensicherungsfonds zur Entschädigung von Anlegern der Pleitebank Lehman Brothers eine Garantie für einen Milliarden-Kredit aussprach. Alternativ dazu wurden während der Finanzkrise eine ganze Reihe von Banken schlichtweg verstaatlicht, um gar nicht erst in die peinliche Situation zu kommen, die Anleger entschädigen zu müssen. Wir haben in unserem 2. Artikel zur Situation der Einlagensicherungen in Europa mehrere Beispiele dazu aufgelistet. Auch wenn der Staat also keine explizite Haftungspflicht hat, hat er diese doch letztlich in der Vergangenheit immer in mehr oder weniger direkter Form wahrgenommen, denn die Einlagensicherungsfonds selbst sind für größere Pleiten schlichtweg nicht ausgelegt.

Auf Ihre eigentliche Frage, ob die gesetzliche Einlagensicherung nicht mehr sicher ist, muss man bei rationaler Betrachtung mit "jain" antworten. Anders als von vielen Anlegern empfunden, gibt es keine staatliche Einlagensicherung im Sinne von "Der Staat zahlt mir mein Geld zurück, wenn meine Bank pleite geht.". Das "gesetzlich" in der Bezeichnung "gesetzliche Einlagensicherung" bezieht sich nur auf die Pflicht des Staates, eine solche Organisation einzurichten und die Voraussetzungen zu schaffen, dass diese genügend Geld von den Banken einsammeln kann. Gleichzeitig hat der Staat aber natürlich ein inhärentes Interesse daran, dass Sie morgen nicht zu Ihrer Bank rennen und Ihr komplettes Guthaben in Form von Bargeld abheben. Er hat deswegen in der Vergangenheit stets eingegriffen, wenn es brenzlig wurde. Ob er das auch in Zukunft tun wird, kann niemand genau sagen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, aber wollen Sie sich darauf verlassen?

Die Problematik der Situation resultiert aus der Tatsache, dass wir hier zwar von einer geringen Wahrscheinlichkeit sprechen, dass der Staat im Notfall nicht eingreift, gleichzeitig aber von einer für jedes Individuum extrem hohen Schadenshöhe (ggf. Totalverlust des persönlichen Vermögens). Für solche Ereignisse hat Nassim Taleb, Wissenschaftler und Buchautor aus den USA, den Begriff "schwarzer Schwan" geprägt, da alle stets denken, es gäbe keine schwarzen Schwäne, weil man lange lange Zeit schlichtweg keine gesehen hat, und dann plötzlich taucht aus dem Nichts doch ein schwarzer Schwan auf. Unser Ansatz ist daher, sich durch breites Streuen auf einen solchen schwarzen Schwan vorzubereiten. Die Kosten der Streuung (etwas mehr Verwaltungsaufwand für Kontoeröffnungen etc.) wirken im Vergleich zu der möglichen Schadenshöhe marginal. Und als netten kleinen Vorteil schlafen Sie mit einer breiter diversifizierten Anlage noch wesentlich besser als wenn Sie Ihr komplettes Vermögen bei einer einzigen oder nur zwei Banken liegen haben.

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