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Fragen & Antworten
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Warum machen Sie Ihren Nutzern bzgl. der russischen Banken solche Angst, wenn doch im Notfall immer der österreichische Staat einspringen würde?

Frage gestellt von U. G. am 13.01.2015 | Thema: Einlagensicherung

Ich habe mit Interesse ihren Beitrag zur Ukraine-Krise und deren mögliche Auswirkungen auf die russischen Banken in Österreich gelesen. Dabei ist mir aufgefallen, dass auch im dümmsten aller Fälle das Geld eigentlich nicht verloren gehen kann, vorrausgesetzt der österreichische Staat geht nicht pleite. Wenn das richtig ist, wozu dann diese Angstmacherei? Dazu noch eine Frage: Sollte es zur Entschädigung durch den Einlagensicherungsfonds kommen, werden dann die aufgelaufenen Zinsen mit entschädigt? Vielen Dank.

Antwort von am 16.01.2015

Grundsätzlich sollte man zunächst einmal zwei Einflüsse unterscheiden. Zum einen haben wir in der Ukraine eine Krise, im Zuge derer die EU Wirtschaftssanktionen gegen Russland verhängt hat. Dadurch sind die mehrheitlich in Staatsbesitz befindlichen russischen Banken praktisch vom europäischen Kapitalmarkt (und US-amerikanischen!) ausgeschlossen, was durchaus ernsthafte Konsequenzen für die Refinanzierung haben kann. Die österreichischen Töchter sind davon zwar ausgenommen, dürften die Auswirkungen aber ebenfalls zu spüren bekommen, zumindest indirekt über ihre Mütter in Russland. Nun hört man ja immer wieder, dass die russischen Töchter in Wien völlig unabhängig von ihren Müttern agieren würden, aber so recht können wir daran nicht glauben und es lohnt sicher immer, solche pauschalen Aussagen mit einem gesunden Maß an Skepsis zu betrachten.

Zum anderen haben wir aktuell eine weitere Krise in Russland. Dort sah sich die Zentralbank Ende vergangenen Jahres gezwungen, den Leitzins massiv auf 17 % (!) zu erhöhen. Zudem kollabierte der russische Rubel gegenüber dem Euro und US-Dollar und dürfte damit die Rückzahlung so mancher in EUR oder USD abgeschlossener Refinanzierungen deutlich erschweren. Dazu kommt ein deutlich gestiegener Kapitalabzug von Ausländern und ein erhöhter Entzug von Guthaben durch die privaten russischen Sparer, die das Geld in den letzten Wochen im Rahmen von Panikkäufen zum Teil noch schnell ausgegeben oder es in westliche Währungen umgetauscht haben. Zu allem Übel ist auch noch der Rohölpreis massiv gefallen, der entscheidend für die Deviseneinnahmen der russischen Regierung ist. Mangels neuer Zuflüsse und durch die Rubel-Stützungskäufe der russischen Zentralbank sind dadurch die Währungsreserven deutlich gesunken, auch wenn diese noch immer relativ hoch sind.

Insbesondere die Krise in Russland wird mit Sicherheit auch Auswirkungen auf die österreichischen Töchter haben, die ja zum Teil auch recht stark in den GUS-Staaten engagiert sind, die wiederum stark von Russland abhängen. Ob das dann automatisch zu Pleiten führen wird, kann man nicht seriös beurteilen, allerdings ist das Risiko von Schieflagen, sowohl in Russland selbst als auch in anderen Ländern wie Österreich, aktuell einfach deutlich gestiegen. Nun muss man sich fragen, ob man für dieses erhöhte Risiko durch die Zinsen der VTB Direktbank, Sberbank Direct und DenizBank überhaupt ausreichend entschädigt wird und hier sind wir der Meinung, dass dies im Moment nicht der Fall ist.

Nun aber zu Ihrer eigentlichen Frage: Ja, es ist richtig, dass der österreichische Staat integraler Bestandteil der österreichischen Einlagensicherung ist. Denn in Österreich gibt es (noch) keinen Fonds, in den die Banken regelmäßig einzahlen. Im Falle des Falles holt sich die Einlagensicherung des Geld für die Entschädigungszahlungen in Form von Sonderbeiträgen von den angeschlossenen Banken. Sollten diese nicht dazu in der Lage sein, gibt es noch ein paar zusätzliche Möglichkeiten, auf die wir hier aber nicht weiter eingehen wollen. Der Staat steuert allerdings bis zu 50.000 € von den 100.000 € pro Anleger bei. Dies ist gesetzlich auch so verankert, sodass Sie theoretisch Ihre Entschädigung in Höhe dieser 50.000 € einklagen könnten. Unter Umständen wird sich diese Situation aber ändern, sobald es auch in Österreich einen eigenen EinlagensicherungsFONDS gibt, denn in der neuen EU-Richtlinie steht nur etwas davon, dass die Mitgliedsstaaten zur Gründung einer Einlagensicherungseinrichtung verpflichtet sind, die den EU-Vorgaben entspricht. Ob die Staaten dann aber am Ende tatsächlich in der Pflicht sind, auch im Notfall Geld nachzuschießen, ist rechtlich zumindest umstritten bzw. bis heute nicht abschließend geklärt.

Nun hat ein Staat aber natürlich ein Interesse daran, sein Bankensystem stabil zu halten und die Menschen davon abzuhalten, zur Bank zu rennen und ihr ganzes Geld panikartig abzuheben. Daher ist eine Unterstützung des Staates durchaus wahrscheinlich, zumindest wenn er am Kapitalmarkt noch neue Kredite aufnehmen kann, was bei Österreich eigentlich kein Problem darstellen sollte. Entscheidend dürfte aber sein, wie groß eine Bankenkrise am Ende dann letztlich ist. EINE Bank zu retten bzw. die Anleger zu entschädigen ist eine Sache. Das auch für drei, vier oder fünf Banken gleichzeitig zu tun, ist da schon etwas ganz anderes. Merkel und Steinbrück sind 2008 nicht ohne Grund vor die Kameras getreten und haben versprochen, dass die deutschen Sparguthaben sicher seien. Wären die Menschen zur Bank gerannt, hätte keine Einlagensicherung der Welt mehr für eine geordnete Entschädigung sorgen können und auch für den deutschen Staat wäre das u. U. eine Nummer zu groß gewesen. Insofern hat Frau Merkel hier schon sehr klug gehandelt.

In Österreich haben Sie nun genau das Problem, dass hier drei Banken mit russischem Hintergrund aktiv sind: Die VTB, Sberbank und DenizBank. Bei diesen drei Banken liegen vermutlich Guthaben in Höhe von 8-10 Mrd. EUR, die man irgendwie auftreiben müsste (zur Erinnerung: es gibt in Österreich noch keinen Fonds, in dem Geld liegt und in Deutschland liegen gerade einmal knapp 1 Mrd. EUR im Fonds). Mal eben 8-10 Mrd. EUR aufzutreiben hört sich mittlerweile nicht weiter wild an, kann aber im Ernstfall vor allem auch politisch kein so einfaches Unterfangen sein. Stellen Sie sich vor, die Österreicher bekommen morgens in der Tageszeitung einen Artikel zu lesen, in dem es heißt, dass österreichische Steuergelder in Höhe von sagen wir 5 Mrd. EUR nach Deutschland fließen, um deutsche Anleger zu entschädigen. Für viel Freude dürfte das in Wien und Co. nicht gerade sorgen, zumal es den restlichen österreichischen Banken in einem solchen Fall wohl auch nicht so gut gehen dürfte.

Nun könnte man behaupten, dass wir hier den Teufel an die Wand malen, aber genau solche Szenarien muss man sich anschauen, wenn man wirklich realistisch die Sicherheit einer Bank betrachten möchte. Dass die Entschädigung von Anlegern bei der Insolvenz einer einzigen kleinen oder mittelgroßen Bank ohne größere Aufregung über die Bühne gehen würde, ist nicht unwahrscheinlich. Nur: Die Banken sind heute viel stärker vernetzt und eine Krise in Russland oder Griechenland bleibt nicht einfach dort, wo sie ausbricht. Über Staatsanleihen, Wechselkurse und andere Einflussfaktoren kann sich so etwas schnell auf verwandte Banken ausbreiten und plötzlich hat man eine Situation wie in 2008, wo mehrere Großbanken kurz vor der Pleite standen. In solchen Fällen hilft kein Einlagensicherung der Welt mehr und ob der Staat/die EU noch einmal so eine (psychologische) Rettungsaktion hinbekommt, kann man durchaus anzweifeln.

In unserem letzten Newsletter hatten wir zu diesem Thema auch einen Vergleich gezogen: Einlagensicherungen sind wie Rettungsboote auf einem Kreuzfahrtschiff. Es ist gut, dass sie da sind und bei ruhiger See sind sie im Krisenfall sicher auch sehr hilfreich, sofern sie funktionstüchtig und in ausreichender Anzahl vorhanden sind. Wüssten Sie nun, dass es draußen stürmt und eigentlich zu wenig Rettungsboote da sind, würden Sie den Dampfer doch tendenziell eher nicht besteigen. Klar, die Küstenwache (der Staat) ist sicher irgendwo in der Nähe und kann Ihnen im Notfall vielleicht (!) helfen, aber wollen Sie überhaupt in die Situation kommen? Wenn Sie einmal mit Betroffenen der Kaupthing-Pleite in 2008 sprechen, die lange Zeit nicht wussten, ob sie ihr Geld überhaupt wiederbekommen, dann werden Sie schnell merken, dass so ein Entschädigungsprozess auch eine große psychische Belastung ist.

Daher lautet unser Rat, lieber den Dampfer (die Bank) nicht zu besteigen, wenn absehbar ist, dass das Wetter schlecht wird bzw. schon ist (siehe Russland) und man nur schwer abschätzen kann, ob die Rettungsboote überhaupt funktionieren. Kreditratings und die wirtschaftliche Situation der Länder/Banken sind hier sicherlich gute Indikatoren. Darüber hinaus sollte man sich auch immer fragen, ob man für das Risiko ausreichend durch höhere Zinsen entschädigt wird. Ein Zinsunterschied von z. B. 0,2 % macht bei 50.000 EUR vor Steuern pro Jahr gerade einmal 100 EUR aus. Ob man dafür das Risiko eines ungeordneten Entschädigungsverfahrens in Kauf nehmen möchte, muss jeder am Ende für sich entscheiden und das auch auf Basis davon, ob derjenige mit der Anlage ruhig schlafen kann oder nicht.

Man muss auch klar sagen, dass eine Analyse der Sicherheit einer Bank nie ein schwarz/weiß kennt (100 % pleite oder 100 % gesund). Es geht immer um ein Abwägen von Risiken und Risiko heißt auch, dass am Ende u. U. doch alles gut geht. Dass ein Entschädigungsverfahren deutscher Anleger in Österreich ein geringeres Risiko aufweist als in Italien oder Griechenland liegt z. B. auf der Hand. Ebenso dürfte einleuchten, dass das Risiko bei den russischen Töchtern in Wien aufgrund der Turbulenzen in Russland aktuell erhöht ist. Das heißt aber nicht automatisch, dass die Banken morgen pleite sind. Es ist nur eine relative Betrachtung zu den Alternativen, wie z. B. einer ING-DiBa oder einer MoneYou.

Generell missfällt uns die weitläufige Meinung vieler Finanzexperten, dass die Einlagensicherungssysteme absolut sicher seien. Dies widerspricht dem gesunden Menschenverstand und jeder professionelle Investor würde bei einer Aussage, die die Worte “absolute Sicherheit” enthält wohl diverse wilde Handbewegungen machen. Die Banken zahlen nicht umsonst unterschiedliche Zinsen, denn mit ihnen ist jeweils ein spezifisches Risiko verbunden und das ist auch gut so. Wäre das Risiko bei allen Banken gleich (nämlich durch die Einlagensicherungen bei praktisch null), so würden sich auch die Zinsen kaum noch unterscheiden und zudem noch deutlich niedriger liegen als heute. Im Bereich der Geldanlage gibt es kein risikoloses Investment, auch nicht bei einlagengesicherten Konten. Das Risiko mag hier besonders gering sein, ja, aber es ist nie bei Null.

Und nun noch zu Ihrer letzten Frage: Ja, Zinsansprüche sind bis zum Zeitpunkt der Entschädigung durch die Einlagensicherung abgedeckt, allerdings ist der Gesamtbetrag der Entschädigung auf 100.000 € pro Kontoinhaber beschränkt.

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