LeasePlan Bank Test & Bewertung

Letztes Update am 11.03.2016 von David Stahmann | Testergebnis:  Bewertung: 3,5 von 5 Punkten

Zusammenfassung & Bewertung

Die niederländische LeasePlan Bank ist ein vergleichsweise neuer Mitspieler auf dem deutschen Markt für Tages- und Festgelder. Bei ihrem Markteintritt im September 2015 sorgte sie allerdings aufgrund der zum Einstieg durchaus attraktiven Zinsen schnell für eine gewisse Aufmerksamkeit. Umso wichtiger, dass wir aus diesem Anlass einen Blick darauf werfen, wie sicher und vertrauenswürdig dieser neue Anbieter tatsächlich ist.

Die wichtigsten Ergebnisse der Sicherheitsanalyse finden Sie zusammengefasst hier:

Positiv
Finanzielle Stärke und Bonität des niederländischen Staates für mögliche Unterstützung des Fonds
Positiv
Positive Gewinnentwicklung der Mutter und gute Eigenkapitalausstattung seit 2010
Positiv
Hoher Liquiditäts- und Sicherheitspuffer der Mutter
Neutral
Durchschnittlich gutes Rating der Muttergesellschaft LeasePlan N. V. aufgrund Abwertung im Februar 2016
Negativ
Niederländischer Einlagensicherungsfonds befindet sich noch im Aufbau, daher unzureichende Mittel für Ernstfall

Bewertung der LeasePlan Bank

Insgesamt haben wir es mit einem recht unaufgeregten Finanzinstitut zu tun, sodass unsere Wertung mit 3,5 von 5 Punkten eindeutig ausfällt. Die Bank selbst agiert ausschließlich im konservativen Geldanlage-Bereich (kein eigenes Kreditgeschäft) und dank der kostengünstigen Struktur einer reinen Onlinebank dürfte die Bank auch vergleichsweise geringere Arbeitskosten haben. Weiterhin steht eine starke Mutter mit hohen Liquiditäts- und Absicherungsreserven im Hintergrund bereit. Die Bank an sich gibt uns damit eher keinen Grund zur Sorge.

Abstriche müssen wir jedoch v. a. aufgrund der jüngsten Abwertung der Muttergesellschaft LeasePlan Corporation N. V. machen, die mittlerweile nur noch im durchschnittlichen (wenn auch weiterhin guten) Bereich liegt. Auch die hohe Abhängigkeit vom Wohlergehen der besonders zyklisch agierenden Automobilbranche kann in Zeiten einer voraussichtlich kommenden Rezession eine geschäftsschädigende Wirkung haben, die nicht zu unterschätzen ist. Das muss sich nicht zwangsläufig auf das Einlagengeschäft auswirken, sollte aber stets im Auge behalten werden.

Ein Manko aus unmittelbarer Anlegersicht ist für uns der zusätzliche Aufwand, der mit einer Geldanlage bei der LeasePlan Bank verbunden ist. Denn das Institut nimmt keine Freistellungsaufträge oder NVA-Bescheinigungen an. Damit wird eine Angabe der Zinserträge in der Steuererklärung zwingend notwendig. Abgesehen davon spricht aus unserer Sicht aber prinzipiell nichts gegen eine Beimischung der LeasePlan Bank im eigenen Anlageportfolio, zumal Sie derzeit für Festgelder aus unserer Sicht ohnehin keine längeren Laufzeiten als 1-2 Jahre auswählen sollten.

Über die LeasePlan Bank

Die in den Niederlanden beheimatete LeasePlan Bank existiert seit 2010 und war bis zum Einstieg in den deutschen Markt auch nur dort aktiv. Als Grund für die Gebietserweiterung wird v. a. das große Potenzial an Kunden und deren Einlagen in Deutschland sowie der wachsende eigene Refinanzierungsbedarf der Muttergesellschaft, die LeasePlan Corporation N. V., genannt. Denn das Finanzinstitut investiert die Kundeneinlagen nach eigener Aussage ausschließlich in das Autoleasing-Geschäft der Mutter. Dieser Einsatzzweck ist nichts Ungewöhnliches. Im Prinzip nutzen alle Automobilunternehmen die Kundeneinlagen ihrer Bankentöchter (z. B. VW Bank und Renault Bank) für das eigene Leasing- oder Ratengeschäft.

Laut Webseite der LeasePlan Bank werden derzeit ca. 150.000 Kunden mit einem Einlagenvolumen von etwa 5 Mrd. € bedient. Die niederländische Kundschaft dürfte aber weiterhin den deutlich größten Teil stellen. Konkrete Zahlen zum Verhältnis von deutschen und niederländischen Kunden oder Einlagen existieren derzeit leider nicht.

Die Bank agiert als reine Onlinebank. Es existieren also keine Filialen oder Ansprechpartner in Deutschland. Stattdessen finden Verwaltung und Kundenservice in der Zentrale im niederländischen Almere statt. Weiterhin konzentriert sich die LeasePlan Bank ausschließlich auf Angebote für Tagesgeld sowie Festgeld mit unterschiedlichen Laufzeiten. Weder ist eine Eröffnung z. B. von Girokonten möglich noch werden externe Kredite vergeben.

Die Muttergesellschaft Leaseplan Corporation N. V.

Die LeasePlan Bank ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der niederländischen LeasePlan Corporation N. V., dem nach eigener Aussage weltweiten Marktführer von Autoleasing für Unternehmensfuhrparks. Die Firma existiert bereits seit mehr als 50 Jahren und ist derzeit in 32 Ländern auf vier Kontinenten aktiv. In Deutschland z. B. ist die LeasePlan Deutschland GmbH (ebenfalls eine vollständige Tochter) für das Leasinggeschäft der Mutter verantwortlich.

Das Unternehmen beschäftigt etwa 7.300 Mitarbeiter und erzielte im Geschäftsjahr 2015 einen Gewinn von 442 Mio. €. Weiterhin besitzt die LeasePlan Corporation eine Banklizenz, welche von der LeasePlan Bank für dessen Einlagengeschäft genutzt wird.

Die LeasePlan Corporation N. V. gehörte bis Ende 2015 zu 50 % dem Volkswagen-Konzern. Der Automobilbauer verkaufte seine Beteiligung aber für 3,7 Mrd. € an eine Gruppe von Investoren, zu der u. a. große Pensions- und Staatsfonds aus Dänemark und Abu Dhabi gehören. Als Motivation für den Verkauf gibt VW selbst „rein strategische Gründe“ an und weniger etwa aufgrund potenziell schlechter Geschäfte oder zu hoher Risiken bei der LeasePlan-Gesellschaft. Große Fondsgesellschaften wie die nun Beteiligten investieren zumeist mit einem recht langen Investitionshorizont. Aus dieser Sicht könnte die Transaktion der LeasePlan-Mutter (und damit auch der LeasePlan Bank) eine gewisse Grundstabilität verschaffen.

Rating & Bonität der LeasePlan Bank

Für die LeasePlan Bank selbst existiert kein Rating. Das muss aber nichts Negatives bedeuten, da solche Ratings auf rein freiwilliger Basis erstellt werden und von den Banken auch selbst bezahlt werden müssen. Deshalb nutzen wir das Rating der Muttergesellschaft als einen Indikator für den Gesundheitszustand des LeasePlan-Konzerns.

Alle drei Ratingagenturen haben im Februar diesen Jahres aufgrund des Verkaufs der VW-Anteile an die Investorengruppe eine Abwertung um eine Stufe vorgenommen (Fitch: BBB+, Moody’s: Baa1, S&P: BBB-), den Ausblick aber auf stabil gesetzt. Die Gründe für diese einheitliche Abwertung sind bei allen Ratingagenturen ähnlich. Für den Verkauf musste die Investorengruppe einen Kredit von ca. 1,55 Mrd. € aufnehmen, der natürlich auch wieder zurückgezahlt werden muss. Das könnte aus Sicht der Ratingagenturen möglicherweise dazu führen, dass die LeasePlan-Gesellschaft unter höheren Druck kommt, mehr Dividenden an seine neuen Besitzer abzuführen, damit diese ihre Schulden schneller abbauen können. Dies könnte ggf. die finanzielle Flexibilität des Unternehmens einschränken, je nachdem, wieviel Druck die neuen Eigentümer ausüben.

Als weiteren Grund zur Vorsicht führen die Ratingagenturen an, dass LeasePlans Haupt- und quasi alleiniges Geschäft das Autoleasing ist, wenn auch erweitert um dazugehörige Servicedienstleistungen. Der Erfolg der Firma steht und fällt damit entsprechend mit dem Wohlergehen dieser Branche, was zu einer hohen Abhängigkeit führt.

In den Risikobewertungen wird aber auch betont, dass sich die neuen Ratings immer noch im durchschnittlich guten Bereich befinden. Als ebenfalls positiv wird die starke geographische Streuung der Aktivitäten und die starke Marktstellung der LeasePlan Corporation gewertet. Diese Punkte dürften dem Unternehmen auch in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten eine gewisse Standfestigkeit bieten.

Wir selbst sehen die LeasePlan Bank damit auf einer ähnlichen Stufe wie andere Autobanken z. B. von VW oder Audi. Hinter diesen Banken stehen zumeist relativ große Mutterunternehmen mit guten bis akzeptablen Ratings, die vom weltwirtschaftlichen Boom der letzten Jahre nach der Finanzkrise 2007/08 profitieren konnten. Da wir es hier aber mit Unternehmen in einer stark zyklischen Branche (Automobilsektor) zu tun haben, dürfte eine zukünftige Rezession in einigen Bereichen durchaus für eine Eintrübung des Geschäfts sorgen. Das muss sich nicht zwangsläufig auf die angeschlossenen Bankentöchter übertragen, sollte aber stets im Auge behalten werden.

Sicherheit der LeasePlan Bank auf Basis von Finanzkennzahlen

Auch bei den Kennzahlen aus dem finanziellen Bereich müssen wir auf Zahlen für den gesamten LeasePlan-Konzern zurückgreifen, da keine eigene Bilanzen für die Bankentochter verfügbar sind. Da die Spargelder der LeasePlan Bank nach eigener Aussage aber ohnehin ausschließlich in das Leasinggeschäft der Mutter fließen, dürften die Zahlen einen weiteren guten Indikator darstellen.

Was positiv auffällt, ist, dass die LeasePlan Corporation N. V. seit 2011 kontinuierlich steigende Unternehmensgewinne ausweist (von 225 Mio. € in 2011 auf 442 Mio. € in 2015). Auch bei der Kernkapitalquote hinterlässt das Unternehmen einen guten Eindruck bei uns. Lag diese 2010 noch bei 14,6 %, so wurde für das Geschäftsjahr 2015 bereits eine Quote von 17 % ausgewiesen. Sollten in Zukunft Kreditausfälle auftreten, dürften diese durch den vergleichsweise großen Eigenkapitalpuffer recht gut aufgefangen werden können.

Das positive Bild setzt sich auch beim Liquiditätspuffer der LeasePlan-Mutter fort, die mehr als 1 Mrd. € (31. September 2015) in ihren Kassen bzw. Guthabenkonten zur Verfügung hat. Auch wenn eine direkte Verbindung so nicht ganz sauber ist: Bei Kundeneinlagen von 5 Mrd. € bei der LeasePlan Bank sind also theoretisch bis zu 20 % davon als schnell verfügbare Liquidität vorrätig.

LeasePlan Bank Einlagensicherung

Die LeasePlan Bank ist Mitglied der gesetzlichen niederländischen Einlagensicherung. Damit sind Kundeneinlagen bis 100.000 € pro Kontoinhaber geschützt. Formal existieren dementsprechend keine Unterschiede zum deutschen Einlagensicherungssystem, da aufgrund der EU-Richtlinie zur Vereinheitlichung der europäischen Einlagensicherungssysteme von 2014 auf dem Papier überall in der Gemeinschaft dieselben Bedingungen gelten.

Allerdings muss der versierte Anleger wissen, dass das niederländisches Einlagensicherungssystem vor dieser Richtlinie als Ex-Post-System funktionierte. Sprich, bei einer Bankenpleite zahlte zunächst die niederländische Zentralbank die Anlegerentschädigungen aus und sammelte hinterher die entsprechenden Beiträge von den Banken ein. Aufgrund der EU-Richtlinie muss seit Mitte 2015 aber wie in Deutschland ein Ex-Ante-Einlagensicherungssystem aufgebaut werden. Die Banken zahlen also im Voraus jährliche Beiträge ein. Da der Fonds aber noch ganz am Anfang steht, dürfte hier nur vergleichsweise wenig Geld vorhanden sein (siehe auch unsere Übersicht zu den europäischen Einlagensicherungsfonds).

Damit könnten also auch die 5 Mrd. € Kundeneinlagen der LeasePlan Bank zu einem Problem für den Fonds werden, sollte es tatsächlich zu einer Pleite kommen. Relativierend muss man aber darauf hinweisen, dass dies auch ein Problem für den deutschen gesetzlichen Einlagensicherungsfonds wäre, der mit 1,13 Mrd. € ebenfalls unterkapitalisiert ist. Potentielle Entschädigungszahlungen für die kürzlich pleitegegangene Maple Bank sind dabei zudem noch gar nicht berücksichtigt.

Allerdings hat jeder Fonds im Ernstfall die Möglichkeit, z. B. Kredite am Kapitalmarkt aufzunehmen oder Sonderbeiträge zu erheben. Im schlimmsten Fall kann man durchaus auf eine Hilfestellung durch den niederländischen Staat spekulieren, wie es während der Finanzkrise auch etwa bei der niederländischen ABN AMRO beobachtet werden konnte. Die Bonität dafür hätte der niederländische Staat trotz seiner Staatsverschuldung von 68,2 % (Stand 2014) mit seinen drei AAA-Topratings auf jeden Fall. Eine explizite gesetzliche Pflicht dazu gibt es aber nicht.

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