Moneyou Test & Bewertung

Letztes Update am 26.05.2016 von David Stahmann | Testergebnis:  Bewertung: 4,5 von 5 Punkten

Zusammenfassung & Bewertung

Die niederländische Bank Moneyou hat sich seit ihrem Eintritt in den deutschen Markt 2011 als feste Größe etabliert. Dabei überzeugt sie vor allem durch ihren schlanken Auftritt, der sich auch im Produktportfolio widerspiegelt. Das besteht aus einem einfachen Tagesgeld und Festgeld, verschiedenen Fondsanlagen, einem mobilen Girokonto und mittlerweile auch Ratenkrediten. Wie wir die Moneyou insgesamt einschätzen und ob Anleger hier beruhigt ihr Geld investieren können, erfahren Sie in der folgenden Sicherheitsanalyse.

Die wichtigsten Erkenntnisse haben wir hier für Sie zusammengefasst:

Positiv
Niederländischer Staat besitzt ausreichende Bonität und Finanzstärke für mögliche Unterstützung des Einlagensicherungsfonds
Positiv
Positive Gewinnentwicklung seit 2011 und starke Liquiditäts- sowie Absicherungsbasis der Eignerin ABN AMRO
Positiv
Niederländischer Staat ist mit etwa 57 % derzeit Mehrheitseigentümer und dürfte damit einen Stabilitätsanker bieten
Positiv
Gute Bewertungen der Ratingagenturen im oberen Drittel der Bewertungsskala
Negativ
Unzureichende Mittel des niederländischen Einlagensicherungsfonds für Ernstfall, da dieser sich noch im Aufbau befindet

Gesamtbewertung der Moneyou:

Insgesamt bewerten wir die Moneyou weiterhin mit sehr guten 4,5 von 5 Punkten. Der niederländische Staat hält weiterhin die deutliche Mehrheit an der ABN AMRO und hat auch langfristig ein hohes Interesse an deren Finanzstabilität (Vetorecht des Staates gegen feindliche Übernahmen). Die Wahrscheinlichkeit einer Pleite bleibt also weiterhin gering, zumal die ABN AMRO seit 2011 stetig positive Geschäftszahlen vorweisen kann. Diese Entwicklung dürfte auch ein Grund für den niederländischen Staat gewesen sein, einen Teil der Anteile an der Bank erneut an die Börse zu bringen.

Sollte es dennoch zu einem Entschädigungsfall kommen, so sind die Einlagen über den niederländischen Einlagensicherungsfonds bis zu einer Höhe von 100.000 € geschützt. Zwar ist der Fonds derzeit wahrscheinlich deutlich unterfinanziert. Da der niederländische Staat aber im Fall der ABN AMRO schon einmal Unterstützung gewährte und weiterhin die Mehrheit hält, ist eine erneute Hilfestellung durch diesen im Ernstfall aus unserer Sicht nicht unwahrscheinlich. Alles in allem sehen wir Kundengelder bei dieser Bank gut aufgehoben.

Wer ist die Moneyou?

Die Moneyou an sich ist keine eigenständige Bank, sondern agiert in Deutschland, Belgien, Österreich und den Niederlanden als eine Online-Marke der niederländischen Großbank ABN AMRO. Letztere befand sich seit der Finanzkrise 2007/08 lange Zeit vollständig im Besitz des niederländischen Staates, welcher sie im Zuge der Krise und der dadurch gescheiterten Übernahme durch ein internationales Bankenkonsortium übernommen hatte.

Ab 2015 reduzierte der niederländische Staat seine Anteile an der Bank, indem immer wieder kleinere Anteile über die Börsen verkauft wurden. Stand April 2019 hält der niederländische Staat nur noch etwa 57 % an der Bank, ist damit aber weiterhin Mehrheitsaktionär. Glaubt man Äußerungen aus dem Jahr 2015, so soll dies auch noch eine Weile so bleiben, um dem Finanzinstitut eine gewisse Stabilität zu geben und mögliche Übernahmeversuche verhindern zu können.

In Deutschland aktiv ist die ABN AMRO mit der Marke Moneyou seit dem 01. Juli 2011, wobei sie hier primär die zwei klassischen Anlageprodukte Tagesgeld und Festgeld. Darüber hinaus werden aber auch Fondsanlagen, ein mobiles Girokonto und Ratenkredite angeboten.

Die Moneyou agiert als reine Online-Marke der ABN AMRO. Daher existieren auch keine eigenen Filialen. Ansprechpartner für deutsche Anleger ist stattdessen das Team in der Zweigniederlassung der ABN AMRO in Frankfurt a. M., das u. a. mit dem Namen der Moneyou arbeitet.

Seit Anfang 2016 bietet die Bank über ihr bestehendes Online-Banking-System auch einfache Fondsanlagen der ABN AMRO mit unterschiedlicher Risikoklassen an, von denen wir allerdings aufgrund der vergleichsweise hohen Kosten relativ wenig halten.

Über die ABN AMRO

Die ABN AMRO entstand 1991 durch eine Fusion der beiden niederländischen Finanzinstitute ABN und AMRO. Seitdem hat sich die Bank zur drittgrößten Bank der Niederlande entwickelt und befindet sich auf Platz 26 in der Rangliste der größten Banken Europas (Zahlen von 2015). Das erscheint angesichts eines Gewinns von 1,9 Mrd. € im Jahr 2015 auch durchaus glaubwürdig.

Das Institut mit Hauptsitz in Amsterdam beschäftigt etwa 22.000 Mitarbeiter, die ungefähr 5 Mio. Privatkunden mit einem Einlagenvolumen von 98 Mrd. € betreuen. Damit ist es nach eigener Aussage Marktführer in den Niederlanden. 21 % der niederländischen Bevölkerung nutzen die ABN AMRO als ihre Hauptbank.

Weniger vorteilhaft ist die Tatsache, dass der Name der ABN AMRO in den Panama Papers auftaucht. Sie soll mithilfe ihrer ausländischen Tochtergesellschaften vermögenden Kunden dabei geholfen haben, sich über Offshore-Firmen in Steueroasen den niederländischen Steuerbehörden zu entziehen. Das hinterlässt angesichts der Tatsache, dass die Bank während der Finanzkrise durch Steuergelder gerettet und verstaatlicht wurde, einen faden Beigeschmack. Angesichts ähnlicher Fälle in Deutschland (z. B. Commerzbank) scheint das aber (leider) fast ein Normalfall zu sein. Auswirkungen auf die Einlagensicherheit der Bank für Kleinanleger dürfte das aber aus unserer Sicht nicht haben.

Rating & Bonität der Moneyou

Als reine Online-Marke der ABN AMRO hat die Moneyou kein eigenes Rating, jedoch kann hier das Rating der ABN AMRO als Indikation für die Bonität der Gesamtbank herangezogen werden.

Dieses liegt bei allen großen Ratingagenturen stabil im Bereich A- und damit im sogenannten „Upper medium grade“. Als vorteilhaft wird von den Agenturen u. a. die starke Stellung im Heimatmarkt sowie ein ausreichend gutes Kredit- und Marktrisikoprofil der Bank gesehen. Als gewisse Schwäche und mögliches Risiko in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten wird die im Vergleich zu anderen Großbanken geringere geographische und geschäftspolitische Diversifikation genannt, da die ABN AMRO überwiegend im klassischen Privat- und Geschäftskundensegment arbeitet, was aus unserer Sicht aber nicht zwingend als schlecht anzusehen ist.

Sicherheit der Moneyou auf Basis von Finanzkennzahlen

Da für die Moneyou selbst keine eigenen Geschäftszahlen existieren, greifen wir erneut auf die Geschäftsberichte der ABN AMRO zurück. Hier fallen uns u. a. die seit 2011 kontinuierlich gestiegenen Gewinne des Finanzinstituts auf. Betrug dieser 2011 noch ca. 698 Mio. €, wurde im vergangenen Jahr ein Gewinn von 1,9 Mrd. € ausgewiesen. Im ersten Quartal 2016 musste die Bank hingegen einen Rückgang des Quartalsgewinns um ca. 13 % im Vergleich zum Vorjahres-Quartal verkünden. Allerdings liegt dieser mit über 400 Mio. € immer noch in einem Bereich, der vorläufig keinen Grund zur Sorge bieten sollte.

Auch die Kernkapitalquote von 15,5 % (Geschäftsjahr 2015), die den Eigenkapitalpuffer gegen mögliche Kreditausfälle beschreibt, hinterlässt einen guten Eindruck bei uns. Kleinere, durchaus übliche Ausfälle bei Kreditnehmern sollten damit kein allzu großes Problem für die Bank darstellen.

Verstärkt wird das positive Bild durch einen starken bei der Zentralbank geparkten Liquiditätspuffer in Höhe von 26 Mrd. €. Das ist umso erstaunlicher, da dieses Guthaben nur ein Jahr zuvor in 2014 noch bei 706 Mio. € lag. So richtig erklären wir uns diesen extremen Anstieg zwar nicht. Schaden kann ein so hoher Puffer aber nicht.

Moneyou Einlagensicherung

Die Moneyou operiert in Deutschland über die Zweigniederlassung der ABN AMRO in Frankfurt und unterliegt damit nicht der Einlagensicherungspflicht nach deutschem Recht. Stattdessen sind Anleger über die gesetzliche Einlagensicherung der Niederlande bis zu einer Einlagenhöhe von 100.000 € pro Kunde (inklusive evtl. bereits erwirtschafteter Zinsen) abgesichert. Aufgrund der EU-Richtlinie zur Vereinheitlichung der europäischen Einlagensicherungssysteme von 2014 können das deutsche und niederländische System als von den Rahmenbedingungen identisch angesehen werden.

Darüber hinaus sind seit Anfang 2019 auch Gelder über 100.000 € bei der Moneyou abgesichert, und zwar über die frewillige Einlagensicherung des Bundesverbandes deutscher Banken. Das obere Limit liegt hier bei 250.000 €.

Ein Problem dürfte vielmehr in einer bisher deutlich zu geringen Kapitalisierung des niederländischen Einlagensicherungsfonds liegen. Denn vor der besagten EU-Richtlinie fungierte das Einlagensicherungssystem der Niederlande nach dem Ex-Post-Verfahren. Die Anlegerentschädigung erfolgte hierbei durch die niederländische Zentralbank, die anschließend im Nachhinein die entsprechenden Beiträge von den Banken einforderte. Seit Mitte 2015 muss hingegen ein Ex-Ante-System aufgebaut werden, wie wir es bereits seit Längerem aus Deutschland kennen. Die Banken zahlen also im Voraus die jährlichen Beiträge zum Aufbau des Einlagensicherungsfonds. Da man in den Niederlanden aber noch ganz am Anfang steht, dürfte bisher vergleichsweise wenig Geld vorhanden sein.

Die derzeit 98 Mrd. € Geldeinlagen der Privatkunden der ABN AMRO würden den Fonds damit hoffnungslos überfordern. Selbst bei einer Halbierung dieser Summe (aufgrund der gesetzlichen Obergrenze von 100.000 € für die gesetzlichen Einlagensicherung) dürfte dieser schnell an seine Grenzen kommen. Das ist allerdings kein spezifisches Problem des niederländischen Einlagensicherungsfonds, sondern eines aller Einlagensicherungssysteme der Welt. Selbst das deutsche Pendant ist angesichts der Größe und Bedeutung des hiesigen Bankenmarkts mit 1,13 Mrd. € erschreckend unterfinanziert.

Im Ernstfall kann jeder Einlagensicherungsfonds z. B. Kredite am Kapitalmarkt aufnehmen oder Sonderbeiträge erheben, um sich kurzfristig zu refinanzieren. Als letzter Rettungshalm kann zudem durchaus auf eine Hilfestellung durch den niederländischen Staat gewettet werden. Das wäre im Fall der ABN AMRO zumindest nicht das erste Mal. Die finanzielle Kraft dafür hätte der niederländische Staat mit seinen drei AAA-Ratings (Bestnote der Ratingagenturen) zumindest, trotz seiner Staatsverschuldung von 65,1 % (Stand 2015). Eine explizite gesetzliche Pflicht zur Stützung des Einlagensicherungsfonds durch den niederländischen Staat gibt es aber nicht.

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