Piraeus Bank Test & Bewertung

Letztes Update am 21.03.2016 von David Stahmann | Testergebnis:  Bewertung: 1 von 5 Punkten

Zusammenfassung & Bewertung

Die Piraeus Bank hat als eine der größten griechischen Banken seit der Finanzkrise 2007/08 sowie seit der im Jahr 2011 ausgebrochenen Staatsschuldenproblematik Griechenlands mit zahlreichen Problemen zu kämpfen. Dennoch oder wohl gerade deshalb ist das Finanzinstitut auch im deutschen Tages- und Festgeldmarkt unterwegs und taucht hier häufig im oberen Drittel auf. Was ist von den Aktivitäten der Bank zu halten und wie sicher ist Ihr Geld dort am Ende des Tages tatsächlich?

Die wichtigsten Ergebnisse der Sicherheitsanalyse finden Sie hier zusammengefasst:

Positiv
Mit ca. 3 Mrd. € Fondsvolumen zumindest auf Basis der absoluten Zahlen scheinbar gut gefüllter Einlagensicherungsfonds Griechenlands
Positiv
Auf Basis der öffentlich verfügbaren Zahlen relativ gute Eigenkapitalausstattung der Bank
Neutral
Spekulation über gewissen Insolvenzschutz aufgrund der Systemrelevanz der Bank
Negativ
Höhe der Kundeneinlagen (ca. 55 Mrd. €) übersteigt Vermögen des Einlagensicherungsfonds
Negativ
Mangelhafte Bonität des griechischen Staates für mögliche Unterstützung des Fonds
Negativ
Rating der Bank sehr schlecht (Zahlungsausfall-Bereich)

Bewertung der Piraeus Bank

Unsere endgültige Bewertung läuft mit 1 von 5 Punkten in eine klare Richtung: Wir raten dringend von einer Geldanlage bei der Piraeus Bank ab. Sowohl die Bewertungen der Ratingagenturen als auch die finanziellen Kennzahlen sprechen eine eindeutige Sprache, sodass wir jede Anlage bei diesem Finanzinstitut als hochspekulativ betrachten.

Sicherheitsorientierte Anleger sollten Abstand von dieser Bank nehmen, zumal auch deutsche Einlagen bei der Piraeus-Filiale in Frankfurt am Main ausschließlich über den griechischen Einlagensicherungsfonds abgesichert sind. Dieser ist in absoluten Zahlen betrachtet zwar scheinbar gut gefüllt, aber (wie jeder andere nationale Fonds in Europa auch) angesichts des theoretisch abgedeckten Einlagenvolumens bei der Piraeus Bank deutlich unterkapitalisiert. Allein die Systemrelevanz der Bank innerhalb Griechenlands sowie der Liquiditätspuffer bieten dem Finanzinstitut eine gewisse Scheinstabilität, die angesichts der Probleme, mit der die Bank zu kämpfen hat, unserer Meinung nach aber so gut wie irrelevant sein dürfte.

Über die Piraeus Bank

Die Piraeus Bank wurde 1916 von mehreren Reedern in Athen gegründet, wo sich deren Hauptsitz auch heute noch befindet. Die ersten Jahrzehnte noch als private Handelsbank unter dem Namen „Banque du Pirée“ tätig, erfolgte mit der Verstaatlichung 1975 der Umbau zur Universalbank. 1991 wurde die Bank wieder privatisiert und in Piraeus Bank S. A. umbenannt. Im Zuge der griechischen Finanz- und Schuldenkrise seit 2007/08 übernahm das Finanzinstitut nach und nach zahlreiche kleinere Banken aus Griechenland und Zypern (u. a. den griechischen Teil der Bank of Cyprus), sodass es sich seit 2009 zur größten Bank Griechenlands entwickelte. Die Piraeus Bank selbst musste allerdings ebenfalls vom griechischen Staat gestützt werden, sodass derzeit 26 % der Anteile an der Bank dem griechischen Bankenrettungsfonds gehören. Weiterhin stand die Bank im Fokus der EU, welche im November letzten Jahres über die Zulässigkeit von Hilfen des griechischen Staates an die Piraeus Bank entschied.

Über Griechenland hinaus ist die Piraeus Bank schwerpunktmäßig in Südosteuropa tätig und besitzt zahlreiche Filialen u. a. in Bulgarien, Rumänien, Serbien und Albanien. Aufgrund der Übernahme eines Teils der ehemaligen Agricultural Bank of Greece (kurz ATEBank) im Jahr 2012 ist das Institut seitdem auch in Deutschland mit einer Filiale vertreten. Diese befindet sich unter dem Namen Piraeus Bank Germany in Frankfurt am Main. Dort arbeiten dem Konzern-Geschäftsbericht 2014 zufolge 15 Mitarbeiter, die Einlagen deutscher Kunden in Höhe von 99 Mio. € verwalten.

Die Piraeus Bank beschäftigt insgesamt mehr als 21.000 Mitarbeiter und betreut nach eigener Aussage ca. 6 Mio. Kunden in Europa. Das Volumen der Kundeneinlagen beläuft sich insgesamt auf 54,8 Mrd. €, wovon 49,4 Mrd. € in Griechenland und die restlichen 5,4 Mrd. € in anderen europäischen Ländern eingezahlt wurden (Zahlen von Dezember 2014). Aufgrund dieser Größe gilt die Bank in Griechenland als „systemrelevant“, weshalb sie unter besonderer Aufsicht des griechischen Staates und der EU steht und diverse Kapitalhilfen bekommen hat.

Rating & Bonität der Piraeus Bank

Da für deutsche Vertretung der Piraeus Bank kein separates Rating existiert, greifen wir auf die Bewertungen der großen Ratingagenturen für den gesamten Bankenkonzern zurück.

Diese fallen desaströs aus. Alle drei Ratingagenturen stufen das Finanzinstitut im Bereich „Zahlungsverzug“ (Moody’s: Caa3) oder sogar als „zahlungsunfähig“ (Fitch: RD und S&P: SD) ein. Moody’s gibt als Begründung für dieses äußerst negative Rating u. a. die derzeit existierenden Kapitalkontrollen sowie Beschränkungen für Bargeldabhebungen an. Auch die extrem hohen Kreditausfallrisiken sowie die weiterhin sehr schwachen wirtschaftlichen Aussichten in Griechenland lassen auf keine schnelle Erholung der Piraeus Bank hoffen.

Lediglich die kürzlich stattgefundene Rekapitalisierung und Unterstützung durch den griechischen Staat wird dem Institut positiv angerechnet. Dies kommt aus unserer Sicht allerdings mehr einem Tropfen auf den heißen Stein gleich und dürfte mehr aus purer Angst vor einer Kettenreaktion bei einer Pleite der Piraeus Bank erfolgt sein und weniger aus rational-ökonomischen Gründen.

Auch die Nachricht vom Januar diesen Jahres, dass der damalige Chef der Piraeus Bank von seinem Posten zurücktritt und die genauen Umstände dafür nicht transparent gemacht wurden, trägt nicht gerade zur Vertrauensbildung bei.

Sicherheit der Piraeus Bank auf Basis von Finanzkennzahlen

Auch bei den Kennzahlen aus den Geschäftsberichten der Piraeus Bank bestätigt sich das Bild vom miserablen Zustand des Instituts. Dem Geschäftsbericht zufolge häufte die Bank in 2014 einen Verlust von knapp 2 Mrd. € an, nachdem man 2013 noch einen Gewinn in Höhe von 2,5 Mrd. € ausweisen konnte.

Und auch der noch ausstehende Jahresbericht für das Jahr 2015 dürfte keine positiven Nachrichten bringen, da die Bank Finanzmeldungen zufolge im letzten Quartal aufgrund hoher Rückstellungen für faule Kredite ein Minus von 1,24 Mrd. € einfuhr.

Lediglich positiv anrechnen kann man die Eigenkapitalquote von 12,5 % sowie eine überraschend gute Kernkapitalquote von 11,2 %, die sich auf demselben Niveau wie z. B. der Deutschen Bank (11,5 %) und der Commerzbank (12 %) befindet. Dies lässt der Piraeus Bank einen gewissen Handlungsspielraum, wenn zukünftige (wahrscheinliche) Kreditausfälle eintreten. Wie v. a. diese relativ gute Kernkapitalquote zustandekommt, ist uns angesichts der desolaten Finanzlage der Bank allerdings ein Rätsel.

Die Piraeus Bank sitzt weiterhin auf einem Cash-Bestand von 3,84 Mrd. €. Dieser vergleichsweise große Liquiditätspuffer könnte dem Finanzinstitut zumindest hinsichtlich der Liquidität etwas Handlungsspielraum geben, dürfte aber aus unserer Sicht im echten Krisenfall angesichts der beschriebenen Ausfallrisiken wie Butter in der Sonne wegschmelzen. Zudem stammen die Zahlen noch aus dem Jahr 2014 und sind daher mit Vorsicht zu genießen.

Die desolate Lage der Piraeus Bank wurde auch im November letzten Jahres mit dem Nichtbestehen des Stresstests der EZB offiziell bestätigt. Im Rahmen der dort durchgeführten Testszenarien wurde u. a. für die Piraeus Bank eine deutliche Unterkapitalisierung festgestellt. Da das Finanzinstitut diese Lücke nicht allein komplett schließen konnte, benötigte sie mehr als 2 Mrd. € vom griechischen Bankenrettungsfonds.

Alles in allem sehen wir eine Bank, die quasi nur noch als Zombie am Tropf des griechischen Staates und der EU hängt. Dieser finanziell schwache Zustand sowie die schlechten wirtschaftlichen Aussichten Griechenlands lassen uns zum Schluss kommen, dass wir von jedweder Anlage bei dieser Bank dringend abraten und empfehlen, bereits dort angelegte Gelder abzuziehen.

Piraeus Bank Einlagensicherung

Die Piraeus Bank ist Mitglied der gesetzlichen Einlagensicherung Griechenlands. Damit sind nach formalen Vorgaben jeweils 100.000 € pro Kunde der Bank geschützt. Das gilt explizit auch für deutsche Anleger, die ihr Geld bei der deutschen Filiale in Frankfurt am Main eingezahlt haben. Es stellt sich also die Frage, wie gut der griechische Einlagensicherungsfonds gefüllt ist, denn eine EU-Einlagensicherung im Sinne eines gemeinsamen Geldtopfes gibt es derzeit (noch) nicht, wie Sie hier nachlesen können.

Absolut betrachtet ist der griechische Fonds mit ca. 3 Mrd. € angesichts der Griechenland-Krise in den letzten Jahren erstaunlich gut gefüllt. Das gilt zumindest auf Basis der Zahlen von 2014, denn im Jahr 2015 gab es einige Entschädigungszahlungen im jeweils unteren dreistelligen Millionenbereich. Im Verhältnis zu den Kundeneinlagen der Piraeus Bank in Höhe von knapp 55 Mrd. € ist der Fonds im Falle einer Pleite der Bank deutlich unterkapitalisiert. Das ist allerdings kein spezifisches Problem der griechischen gesetzlichen Einlagensicherung, sondern ein (leider) generelles Merkmal aller nationalen Einlagensicherungssysteme in Europa.

Mit einer Staatsverschuldung von 176,6 % (Stand 2014) sowie Länderratings im hoch- und extrem spekulativen Bereich existiert zudem für den griechischen Staat kein großer finanzieller Spielraum für Unterstützungsleistungen, zumal Griechenland und seine Banken bereits jetzt schon zum Überleben auf EU-Hilfsgelder z. B. aus dem ESM und SSM angewiesen sind. Man könnte lediglich darauf spekulieren, dass man die Piraeus Bank aufgrund ihrer Systemrelevanz allein nicht pleitegehen lassen würde. Darauf wetten sollte man allerdings nicht, denn eine ausdrückliche gesetzliche Pflicht zur Stützung gibt es für den Staat nicht.

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