Sberbank Direct Test & Bewertung

Letztes Update am 08.09.2015 von Stefan Erlich | Testergebnis:  Bewertung: 3 von 5 Punkten

Zusammenfassung & Bewertung

Für die allermeisten Anleger dürfte sicherlich die Sicherheit ihrer Einlagen an oberster Stelle stehen, wenn es um die Auswahl der richtigen Geldanlage und Bank geht. Aus diesem Grund möchten wir uns in diesem Testbericht etwas intensiver mit der Einlagensicherheit der Sberbank Direct beschäftigen. Wer steht eigentlich hinter dieser Bank, über welche Einlagensicherung sind Kundengelder abgesichert und wo steht die Bank mit ihrem Rating? Sind die Bank sowie ihr Angebot in Deutschland vor dem Hintergrund der EU-Sanktionen gegenüber Russland überhaupt noch vertrauenswürdig? Die wichtigsten Erkenntnisse aus unserem Test finden Sie hier in der Übersicht:

Positiv
Solide Eigenkapital- und Kernkapitalquote
Positiv
Hohe Cash-Rücklagen bei der Zentralbank
Positiv
Mögliche Unterstützung des Einlagensicherungsfonds durch Österreich (solides Länderrating)
Neutral
Akzeptable Bewertung der Bank durch die Ratingagentur Fitch
Negativ
Geringe liquide Mittel des Einlagensicherungsfonds
Negativ
Risiken & Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise

Gesamtbewertung der Sberbank Direct:

Insgesamt bewerten wir die Wiener Sberbank Europe AG (und damit die deutsche Sberbank Direct) mit akzeptablen 3 von 5 Punkten. Zwar erscheint die Bank mit ihrem Rating im spekulativen Bereich (BB+) auf den ersten Blick wenig vertrauenserweckend. Bei Betrachtung der sonstigen Finanzindikatoren, welche im mittleren bis oberen Bereich des Marktes liegen, relativiert sich dieser erste Eindruck dann aber doch etwas. Eingeschränkt wird die Aussagekraft der Kennzahlen allerdings durch die vergleichsweise kurze Zeitreihe, da nur Daten der letzten drei Jahre vorliegen. Nichtsdestotrotz haben wir es bei der österreichischen Sberbank-Tochter mit einer scheinbar recht gut aufgestellten Bank zu tun, deren Geschäfte zumindest bis zu einem bestimmten Grad als losgelöst von der russischen Mutter betrachtet werden können.

Die neue gesetzliche österreichische Einlagensicherung mit der EU-weit gültigen Sicherheitsgrenze bis 100.000 EUR pro Kontoinhaber und die zwar schwächer gewordene, aber nach wie vor starke, sich in Staatsbesitz befindliche, Mutter aus Russland lassen uns eine insgesamt eher durchschnittliche Bewertung leicht anheben. Allerdings besteht aufgrund der Ukraine-Krise und dem ungewissen Verlauf in den kommenden Monaten und Jahren ein gewisses Zusatzrisiko, für das wir wiederum Punkte abziehen. Anlagen mit sehr langer Laufzeit würden wir daher aktuell eher vermeiden.

Wer ist die Sberbank Direct?

Die Sberbank Direct ist keine eigenständige Bank, sondern eine Zweigniederlassung der österreichischen Sberbank Europe AG, die unter der Marke Sberbank Direct und einer Niederlassung in Frankfurt am Main ein eigenes Einlagengeschäft in Deutschland betreibt. Ende Juli 2014 gestartet, betreut sie heute nach eigenen Angaben etwa 70.000 deutsche Kunden, vor allem im Tages- und Festgeld-Bereich. Die Wiener Sberbank Europe AG selbst gehört zu 100 % dem größten russischen Finanzinstitut Sberbank, das 2012 im Rahmen einer Übernahme die Volksbank International AG von der österreichischen Volksbank AG (ÖVAG) kaufte und später in Sberbank Europe AG umbenannte. Die Bank ist heute nach eigenen Angaben in 10 europäischen Märkten präsent, wobei außerhalb Österreichs der Fokus auf Osteuropa und Deutschland liegt. Angesichts des schwierigen Geschäftsumfeldes aufgrund der geopolitischen Situation in (Ost-)Europa, erwägt die Sberbank derzeit aber, einige kleinere Märkte wie die Slowakei, Ungarn und auch Serbien wieder zu verlassen. Deutschland und Österreich dürften aus unserer Sicht hingegen als Kernmärkte auch auf längere Sicht nicht von solchen Überlegungen betroffen sein.

Die russische Mutter Sberbank gehört zu 50 % plus einer Aktie der Zentralbank Russlands und befindet sich damit de facto unter der Kontrolle des russischen Staates. Die restlichen Anteile werden sowohl von privaten als auch institutionellen Anlegern gehalten und zum Teil frei über die Börse gehandelt. Neben der Volksbank AG kaufte die Sberbank 2012 auch die ursprünglich türkische DenizBank, die ebenso wie die Sberbank Europe AG eine Niederlassung in Wien betreibt und in Deutschland im Einlagengeschäft tätig ist.

Anders als viele europäische Banken scheint die Sberbank von der Finanzkrise ab 2007 kaum betroffen gewesen zu sein - eher im Gegenteil. So war der Kauf der österreichischen Volksbank International AG und der DenizBank auch deswegen so einfach möglich, weil die beiden Banken durch die Finanzkrise stark angeschlagen waren. Fest steht daher, dass die Sberbank die letzten Dekade als Gesamtgruppe erstaunlich gut überstanden hat. Aktuell machen ihr allerdings die Sanktionen der EU und deren westlicher Partner zu schaffen, die als Reaktion auf die Ukraine-Krise in 2014 erlassen wurden. Trotz dieser Einschränkungenbefindet sich die Sberbank-Gruppe nach wie vor in der Gewinnzone. Wie gut oder schlecht die österreichische Tochter und ihre Mutter derzeit bei Finanzkennzahlen abseits von Gewinn und Verlust dastehen, wollen wir uns in den folgenden Abschnitten genauer ansehen.

Rating & Bonität der Sberbank Direct

Die Sberbank Europe AG (und damit auch die Sberbank Direct) wurde Ende 2013 erstmals von der Ratingagentur Fitch mit einem Rating ausgestattet. Die Bewertung fiel schon damals mit BBB- eher durchschnittlich aus, was laut Rating-Begründung vor allem an den von der gekauften Volksbank International AG übernommen Altlasten lag. Gleichzeitig hob Fitch in ihrer Begründung die hohe Wahrscheinlichkeit einer Unterstützung der Bank durch die russische Mutter hervor, die bereits in den vergangenen 2 Jahren mehrere Kapitalspritzen bereitgestellt hatte und dies aufgrund der strategischen Rolle der Sberbank Europe AG auch in Zukunft tun dürfte. Diese unterstützenden Faktoren wurden auch beim letzten Review von Fitch Anfang 2015 bestätigt. Dennoch erfolgte eine Abstufung auf BB+ und damit in den leicht spekulativen Bereich, da eine Hilfestellung von der russischen Mutter zwar weiterhin möglich und wahrscheinlich, gleichzeitig aber für diese auch schwieriger zu leisten sei. Derartige Ratings und Begründungen sollten allerdings nur als ein Indikator für die Bonität und nicht isoliert von weiteren Betrachtungen gesehen werden.

Was die Gewinn- bzw. Verlustsituation angeht, so lässt sich zur Sberbank Europe AG keine eindeutige Aussage treffen. Dadurch, dass die Bank in der heutigen Form erst seit Anfang 2012 besteht, sind nur die Jahresberichte für die letzten drei Jahre verfügbar. Während darin für 2012 noch ein Verlust von 264 Mio. EUR ausgewiesen wurde, präsentierte die Bank ein Jahr später einen kleinen Gewinn in Höhe von 5,6 Mio. EUR. Auch im vergangenen Jahr konnte mit 3,3 Mio. EUR ein (wenn auch gesunkener) Gewinn ausgewiesen werden. Das spricht zwar im Moment für ein profitables Geschäft, allerdings muss die Bank angesichts der schwierigen Marktbedingungen in Osteuropa erst beweisen, dass sie auch in solchen Zeiten nachhaltig Geld verdienen kann. Ohne einen tieferen Einblick in die Geschäftstätigkeit ist aus der Gewinnentwicklung aber generell nur bedingt eine Aussage über die Bonität der Bank bzw. das Risiko einer Pleite abzuleiten.

Eher aussagekräftig ist da schon die Kernkapitalquote oder Tier-1-Quote, die die Sberbank Europe AG in ihrem Jahresbericht für 2012 mit 7 % bis 7,8 % und für 2013 mit 9,5 % bis 10,36 % angibt. Der Anstieg zwischen den Jahren 2012 und 2013 scheint dabei primär aus der Eigenkapitalspritze der russischen Mutter zu resultieren. Im Jahr 2014 konnte die Quote noch einmal auf mehr als 11 % gesteigert werden. Mit ihren Kernkapitalquoten liegt die Sberbank Direct mittlerweile über den EU-Anforderungen von 9 % und den ab 2019 geltenden Basel-II-Vorgaben von 7 %, gleichzeitig aber auch unterhalb einiger europäischer Konkurrenzbanken (vergl. z. B. die ING mit 15,8 % in 2014).

Eigenkapitalquote der Sberbank Europe AG zwischen 2012 und 2014

Gewinn/Verlust der Sberbank Europe AG zwischen 2012 und 2014

Kernkapital-Quote (Risikopuffer) der Sberbank Europe AG zwischen 2012 und 2014

Cash-Quote (Liquidität) der Sberbank Europe AG zwischen 2012 und 2014

Eine weitere Kennzahl, die wir bei unseren Betrachtungen zum Risiko einer Anlage anschauen, ist das Verhältnis von Eigenkapital zum Gesamtkapital, das einen Indikation dafür ist, welcher Anteil der Investments der Bank ausfallen darf, bevor das Eigenkapital aufgezehrt ist. Diese Quote lag in den beiden letzten Jahren relativ stabil bei knapp unter 9 % und damit fast doppelt so hoch wie bei anderen, deutlich größeren Banken (z. B. Deutsche Bank mit ca. 4 %).

Ebenso positiv stimmt uns die vergleichsweise hohe Cash-Quote der Wiener Sberbank Europe AG, die das Maß an kurzfristig verfügbaren Geldern im Verhältnis zu den Kundeneinlagen angibt. Mit 21,84 % (2013) bzw. 18,53 % (2014) ist die österreichische Sberbank-Tochter deutlich liquider aufgestellt als große Namen wie z. B. die Commerzbank mit 1,97 % (siehe Geschäftsbericht 2014). Diese relativ guten Werte spielten sicherlich auch eine wesentliche Rolle bei der Aussage der russischen Mutter, dass man dem im Mai angekündigten Stresstest der EZB für die Wiener Sberbank Europe AG „gelassen und gut aufgestellt entgegensehe“.

Ist die Sberbank Direct damit nun besonders sicher oder doch eher unsicher? Die Antwort darauf hängt wohl vor allem davon ab, wie sehr die russische Mutter hinter ihrer europäischen Tochter steht. Die Ratingagentur Fitch schätzt die Wahrscheinlichkeit für eine Unterstützung im Falle einer Schieflage trotz aktueller Herausforderungen als hoch ein und auch wir halten dies für durchaus plausibel. Als faktisch in Staatshand (russische Zentralbank) befindliche Bank dürfte die Sberbank zudem einen hohen Rückhalt in der russischen Regierung genießen, was sich auch in entsprechenden Äußerungen verschiedener Politiker gezeigt hat. Weiterhin stattete die russische Regierung ihre nationale Einlagensicherungsagentur ASV im Rahmen eines Krisenplans im Januar 2015 mit 15 Mrd. US-Dollar aus, um systemrelevante und zumeist staatlich kontrollierten Banken unterstützen zu können, die sich derzeit nicht durch westliche Partner refinanzieren können. Davon dürften in einem Notfall sowohl die russische Sberbank als auch ihre österreichischen und deutschen Ableger profitieren.

Sberbank Direct Einlagensicherung

Kundengelder sind bei der Sberbank Direct über die gesetzliche Einlagensicherung Österreichs bis zu einer Höhe von 100.000 € pro Kontoinhaber abgesichert. Dass hier nicht die deutsche oder die russische Einlagensicherung greift, liegt an der formalen Konstruktion der Sberbank Europe AG, die ihren Sitz in Wien hat und in Deutschland nur eine Zweigniederlassung betreibt. Die österreichische Einlagensicherung folgt allerdings den gleichen EU-Vorgaben wie die deutsche (aktuell 2014/49/EU) und ist somit zumindest auf dem Papier genauso leistungsfähig.

In der Praxis ist für die Leistungsfähigkeit einer Einlagensicherung allerdings entscheidender, wie viel Geld unmittelbar für die Entschädigung der Anleger zur Verfügung steht und wie solvent die jeweiligen Banken des Landes sind bzw. die Regierung ist. Im Falle von Österreich handelte es sich bis 2014, anders als in Deutschland, nicht um einen klassischen Fonds im Sinne eines Geldtopfes, sondern um eine Art Haftungsgemeinschaft, die einspringt, wenn eine Bank pleitegeht.

Mit der seit 2014 geltenden neuen EU-Richtlinie zur Harmonisierung der nationalen Einlagensicherungssysteme fällt dieses Sondermodell allerdings weg und wird durch einen noch zu füllenden Einlagensicherungsfonds ersetzt, wie man ihn aus Deutschland bereits seit Jahren kennt. Dabei bleibt es trotz des Wegfalls der Staatsgarantie für Beträge ab 50.000 EUR bis 100.000 EUR bei der in der EU einheitlichen Absicherungshöhe von bis zu 100.000 EUR pro Kontoinhaber und Bank. Wie genau wir die Umstellung und damit einhergehenden Veränderungen des österreichischen Einlagensicherungssystems einschätzen, können Sie unter folgendem Link.

Wie sicher sind nun die Einlagen deutscher Sparer bei der Sberbank Europe AG? Problematisch an der ganzen Geschichte ist, dass der österreichische Einlagensicherungsfonds sich derzeit noch im Aufbau befindet. Ziel ist es, den Fonds bis 2024 auf 1,5 Mrd. EUR wachsen zu lassen. Das dürfte im Fall der Wiener Sberbank-Tochter bei einem Einlagenvolumen von 6,8 Mrd. EUR allerdings nicht ausreichen, um alle Anleger vollständig zu entschädigen. Was bis 2024 bei einer Insolvenz eines Finanzinstituts passieren soll, bleibt zudem weiterhin unklar. Allerdings scheint sich der Alpenstaat weiterhin die Möglichkeit bewahren zu wollen, im Ernstfall eingreifen zu können. Zu sehr verlassen sollte man sich darauf aber nicht. Darüber hinaus haben Einlagensicherungsfonds auch stets die explizit gewährte Möglichkeit zur Kreditaufnahme am Finanzmarkt, sodass eine Lücke beim Fondsvolumen nicht automatisch zu einer Pleite des Fonds führt.

Mit berücksichtigt werden sollte an dieser Stelle die Kreditwürdigkeit des österreichischen Staates, da diese Auskunft über die Fähigkeit des Landes für Notfallmaßnahmen gibt. Hierfür lohnt es sich ebenfalls, die Beurteilungen der Ratingagenturen zu betrachten. Mit Werten von AAA sowie AA+/AA+ stimmt uns Österreich recht zuversichtlich. Getrübt wird dieses Bild allerdings durch eine relativ hohe Staatverschuldung von 84,5 % des Bruttosozialprodukts. Alles zusammengefasst gehen wir derzeit aber von einen relativ geringen Risiko aus, dass keine Anlegerentschädigung erfolgen würde.

Eine rechtliche Pflicht oder gar Garantie des österreichischen Staates gibt es allerdings nicht mehr. Ein Restrisiko verbleibt also weiterhin, zumal das Kriterium der Stärke der nationalen Einlagensicherung nur eines von vielen bei Ihrer Anlageentscheidung sein sollte. Wir raten daher stets dazu, größere Beträge, auch unterhalb der Schwelle von 100.000 €, auf mehrere Konten und Länder zu verteilen, um die Anfälligkeit gegenüber möglichen Extremszenarien wie Finanz- oder geopolitischen Krisen zu verringern. Mancher mag dies als übertriebene Vorsicht bezeichnen, jedoch hat die Vergangenheit gezeigt, dass auch das Undenkbare zumindest angedacht werden sollte.

Sollte es jemals zu einem Entschädigungsverfahren kommen, wäre übrigens die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB) dafür zuständig. Denn auch wenn anfallende Entschädigungsgelder vom österreichischen Einlagensicherungsfonds gezahlt werden müssen, erfolgt die administrative und auszahlungstechnische Handhabung über die Sicherungseinrichtung des Landes, in dem die betroffene Bank ihre (Zweig-)Niederlassung betreibt. So will es die neue EU-Richtlinie, was auch für deutsche Sparer eine Vereinfachung bedeutet.

Die Ukraine-Krise und ihr Einfluss auf die Sberbank

Der Konflikt zwischen dem Westen, der Ukraine und Russland hat sich in 2014 für alle Beteiligten zu einem ernsthaften Problem entwickelt, und das völlig unabhängig von der Schuldfrage, die ohnehin nicht einfach zu beantworten ist. Auch die russische Mutter der Sberbank Europe AG ("Sberbank Direct") ist von dem Konflikt betroffen. Ende Juli 2014 verabschiedete die EU erstmals auch gegen russische Banken Sanktionen. Danach dürfen Bürger und Firmen aus der EU gewisse Finanzpapiere (z. B. bestimmte Anleihen) nicht mehr von russischen Staatsbanken kaufen oder an diese verkaufen. Dadurch soll den betroffenen Banken (u. a. auch der Mutter der Sberbank Direct) die Refinanzierung ihrer Aktivitäten über die europäischen Finanzmärkte erschwert und damit Druck auf Moskau aufgebaut werden.

Explizit von den Sanktionen ausgeschlossen sind allerdings die europäischen Töchter dieser russischen Staatsbanken und damit auch die Sberbank Direct (Sberbank Europe AG). Anleger sind daher bisher von den Sanktionen des Westens und Russlands verschont geblieben, wohl vor allem auch, weil die EU und insbesondere Österreich keinen Bank-Run auf die bei Sparern so beliebten Banken provozieren möchte. Da es sich formal um österreichische Unternehmen handelt und diese der österreichischen Einlagensicherung angehören, müssten im Ernstfall auch Gelder aus dem österreichischen Einlagensicherungsfonds angezapft werden, um Anleger zu entschädigen. Eine unschöne Situation, die die EU verständlicherweise vermeiden möchte.

Ob Russland über seine Banktöchter in Österreich einmal Gegensanktionen gegen die EU und ihre Bürger einführen wird, darüber kann man derzeit nur spekulieren. Für wirklich wahrscheinlich halten wir es allerdings nicht, denn entsprechende Maßnahmen würden wohl relativ schnell die österreichische Bankenaufsicht auf den Plan rufen und Russland zudem ins eigene Fleisch schneiden, sowohl hinsichtlich der Reputation seiner Banken als auch mit Blick auf die in die Sberbank Europe AG investierten Gelder (insgesamt ca. 1,3 Mrd. EUR).

Dass die russische Mutter der Sberbank Direct unter den Sanktionen leiden würde, dürfte keine wirkliche Überraschung gewesen sein. So fiel der Gewinn gegenüber dem Vorjahr im zweiten Quartal diesen Jahres um stolze 44 %, nachdem bereits imGeschäftsjahr 2014 Gewinneinbußen um die 20 % verbucht werden mussten. Allerdings stieg der Gewinn im Vergleich zum noch schlechteren ersten Quartal um mehr als 200 Mio. US-Dollar und das Halbjahresergebnis liegt immer noch bei vergleichsweise hohen 1,3 Mrd. US-Dollar. Dennoch leidet die Bank erheblich unter den Sanktionen und dem Ausschluss von den westlichen Finanzmärkten, weshalb teilweise auch auf alternative Finanzierungsquellen wie etwa chinesische Kreditlinien zurückgegriffen werden muss.

Bisher kaum von der Krise und den Sanktionen betroffen scheint dagegen die Sberbank Europe AG und damit die Sberbank Direct zu sein. Im Konzernabschluss 2014 finden sich zwar Kommentare zum Ukraine-Konflikt, jedoch heißt es darin, dass der Einfluss auf das Geschäft bisher gering sei. Die Aussage klingt durchaus plausibel, macht der Geschäftsbereich in der Ukraine doch nur etwa 2 % der Bilanzsumme des Unternehmens aus und auch von den EU-Wirtschaftssanktionen ist die Sberbank Europe AG bisher ausgenommen.

Man muss sich aber klarmachen, dass eine gewisse Verbindung zu Russland und der russischen Sberbank-Mutter nach wie vor vorhanden ist. So zahlte z. B. die österreichische Sberbank Europe AG im Laufe dieses Jahres diverse Kredite an die Mutter zurück, was an sich nichts Ungewöhnliches ist oder Sorgen auslösen sollte, zumal dies auch recht offen kommuniziert wurde. Dass also in irgendeiner Form Geld nach Russland fließt, kann letzten Endes niemand verhindern, trotz aller Beteuerungen der österreichischen Finanzmarktaufsicht. Es erscheint schlicht illusorisch, dass die Wiener Sberbank-Tochter völlig unabhängig von der Mutter agiert, sodass auch von einem gewissen Zusatzrisiko auszugehen ist.

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