Yapi Kredi Bank Test & Bewertung

Letztes Update am 24.06.2014 von Stefan Erlich | Testergebnis:  Bewertung: 3,5 von 5 Punkten

Zusammenfassung & Bewertung

Nur die wenigsten Anleger werden schon einmal von der Yapi Kredi Bank gehört haben und wenn doch, dann handelt es sich wahrscheinlich um Personen mit familiärem Bezug zur Türkei. Das Finanzinstitut ist hierzulande praktisch unbekannt und weckt daher bei vielen Anleger Misstrauen, wohl auch aufgrund der verdächtig hohen Zinsen. Wie hoch das Risiko bei der Bank tatsächlich ist, versuchen wir im folgenden Testbericht etwas näher zu erörtern. Die wichtigsten Erkenntnisse finden Sie hier in der Übersicht:

Positiv
Solide Gewinnentwicklung und gute Eigenkapitalausstattung
Positiv
Starke Anteilseigner im Hintergrund (Koç Group, UniCredit)
Neutral
Kein Einlagensicherungsfonds im klassischen Sinne, sondern Haftungsverbund
Negativ
Relativ schlechtes Rating der Mutterbank
Negativ
Risiken durch die Abhängigkeit vom Mutterland Türkei

Gesamtbewertung der Yapi Kredi Bank:

Aktuell bewerten wie die Yapi Kredi Bank mit guten 3,5 von 5 Punkten. Auf Basis des Ratings der türkischen Mutter müssten wir die Bank nach unserem Bewertungsschema eigentlich mit 2,5 bis 3 Punkten bewerten, jedoch passen wir die Bewertung aufgrund der guten Gewinnentwicklung, der überraschend soliden Eigenkapitalausstattung sowie des seriös wirkenden Hintergrundes und der starken Anteilseigner Koç Group und UniCredit leicht nach oben an. Wir waren insgesamt überrascht über diese Bank, die viele Anleger aufgrund des geringen Bekanntheitsgrades abschreckt, bei unseren Recherchen aber fast durchweg einen guten Eindruck hinterließ.

Auch im Fall der Yapi Kredi gibt es allerdings Risiken, so vor allem die Abhängigkeit vom Mutterland Türkei, das seit Monaten nicht zur Ruhe kommt, und die Probleme der Koç Group mit Premier Erdogan. Auch die ausländische Einlagensicherung der Niederlande birgt grundsätzlich immer ein gewisses Risiko, wobei wir dieses aktuell für vernachlässigbar halten. Würden wir unser Geld bei der Yapi Kredi Bank anlegen? Ja, derzeit durchaus, aber vermeiden Sie generell eine Anlage bei ausschließlich einer einzigen Bank. Besser ist es, das eigene Vermögen auf mehrere Banken zu verteilen. Dies gilt generell und unabhängig von unserer Einschätzung der Yapi Kredi Bank.

Wer ist die Yapi Kredi Bank?

Die Yapi Kredi Bank besitzt in Deutschland keine eigene Niederlassung und ist daher als sogenannter grenzüberschreitender Dienstleister bei der BaFin registriert. Ähnlich wie die französische Crédit Agricole Consumer Finance und die schwedische Klarna Bank betreibt die Yapi Kredi ihr Deutschland-Geschäft vom europäischen Ausland aus. In diesem Fall ist es die niederländische Hauptstadt Amsterdam.

Die Yapi Kredi Bank Nederland N.V. selbst ist nur eine Tochter der türkischen Yapi ve Kredi Bankasi A.S., welche direkt und indirekt über eine Holding 100 % der Anteile an der niederländischen Gesellschaft hält. Mit ihrem Ableger ist das Finanzinstitut bereits seit 2001 in den Niederlanden aktiv und fusionierte hier sogar 2007 mit der Koçbank Nederland N.V. Trotz dieser Fusion ist die Bank mit einer Bilanzsumme von 1,7 Mrd. EUR und einem Team von nur 46 Mitarbeitern (Stand 2012) im Vergleich zu den niederländischen Riesen Rabobank und ABN AMRO eher ein Winzling.

Koç Group & UniCredit - Hauptanteilseigner der Yapi Kredi Bank

Die türkische Mutter Yapi ve Kredi Bankasi gilt als viertgrößte Privatbank der Türkei und gehört zu 81,8 % dem Unternehmen Koç Financial Services, deren Anteile wiederum zu jeweils 50 % von der italienischen UniCredit und der türkischen Koç Group gehalten werden, beides durchaus bekannte Namen. So ist die Koç Group die nach Umsatz größte Unternehmensgruppe der Türkei und steht auch international mit Platz 217 auf der Fortune Global 500 sehr gut da. Nicht weniger unbekannt ist das Finanzinstitut UniCredit, das unter den Top 20 der größten Banken Europas auf Platz 13 zu finden ist und durch das Financial Stability Board (FSB) als systemrelevant eingestuft wurde. Letztlich steht hinter der Yapi Kredi Bank somit vor allem ein türkisch-italienisches Joint-Venture ohne unmittelbar sichtbare Staatsbeteiligung.

Insgesamt zeigt sich die Yapi Kredi Bank bei unseren Recherchen erstaunlich unauffällig. Von der Finanzkrise scheint die Bank kaum betroffen gewesen zu sein und auch sonst finden sich praktisch keine Hinweise auf Skandale oder zwielichtige Aktivitäten. Einzig der Anteilseigner Koç Holding tauchte in der jüngeren Vergangenheit immer wieder in den Medien auf, wobei es Vermutungen gibt, dass die bei dem Unternehmen durchgeführten Razzien politisch motiviert sind, da die Unternehmensgruppe im Kontext der Gezi-Park-Proteste einigen Demonstranten Unterschlupf in einem Hotel gewährte. Eine gewisse Feindschaft mit dem aktuellem Premierminister Erdogan ist für die Koç Group sicher nicht gerade von Vorteil und muss auch im Kontext der Yapi Kredi Bank als potentielles Risiko gesehen werden.

Rating & Bonität der Yapi Kredi Bank

Ein Rating des niederländischen Ablegers der Yapi Kredi Bank, der für das Einlagengeschäft mit deutschen Kunden zuständig ist, konnten wir bei unserer Recherche nicht finden. Für die Bewertung der Bonität ziehen wir daher das Rating der Muttergesellschaft in der Türkei heran. Dieses liegt mit Baa3 (Moodys), BB+ (S&P), und BBB (Fitch) auf einem ähnlichen Niveau wie das der Renault Bank, DenizBank und VTB Direktbank und damit immer noch auf einem akzeptablen, wenn auch nicht weltbewegenden Level.

Interessant ist allerdings, dass S&P die Bank abweichend von Fitch und Moodys mit BB+ und damit als "non-investment grade" bewertet, wobei man dann bereits von einer Anlage mit etwas spekulativem Charakter spricht (siehe S&P Rating-Levels). Einschränkend müssen wir hier allerdings erwähnen, dass dieses schlechtere Rating höchstwahrscheinlich aus dem relativ schlechten Rating der Türkei selbst resultiert (BB+), das die Ratingagenturen stets auch in ihre Betrachtung mit einbeziehen.

Sehr wohl zur niederländischen Tochter verfügbar sind Zahlen zu Gewinn und Eigenkapitalausstattung. So hat die Bank laut ihrer Jahresberichte im Zeitraum von 2007 bis 2012 stets einen Gewinn zwischen 10 und 40 Mio. EUR pro Jahr erwirtschaftet (jeweils nach Steuern). Die Finanzkrise ab 2007 scheint hier zumindest auf Basis dieser Zahlen keine wirklich großen Auswirkungen auf das Geschäft gehabt zu haben.

Ebenfalls positiv überrascht waren wir über die vergleichsweise gute Ausstattung mit Eigenkapital. So liegt das Verhältnis von Verbindlichkeiten zu Eigenkapital bei etwa 6 zu 1 (Daten siehe Jahresbericht 2012) und damit deutlich unter dem vieler anderen Banken. Je geringer dieses Verhältnis, umso weniger sind die Aktivitäten der Bank durch Fremdkapital (= Schulden) finanziert und umso weniger anfällig ist das Geschäftsmodell somit gegenüber unerwarteten Veränderungen an den (Fremdkapital-)Märkten.

Auch die Kernkapitalquote in Form des sogenannten Tier-1-Ratios bestätigt mit einem Wert von 22,71 % (2012) bzw. 19,13 % (2011) unseren guten Eindruck. Etwas niedriger liegt hier allerdings die türkische Mutter mit einem Wert von 11,1 % (2013). Zum Vergleich: Die VTB Direktbank weist für das Tier-1-Verhältnis einen Wert von 7,6 % und die Crédit Agricole von etwa 10 % aus. Ab 2018 gilt zudem für alle Banken nach den Basel-III-Regularien ein Mindestwert von 7 %. So eindeutig sich unsere Einschätzung hier aber anhört, so sehr müssen wir diese auch relativieren, da insbesondere die Tier-1-Ratios recht unterschiedlich berechnet werden können. Dennoch scheint die Yapi Kredi hinsichtlich des Eigenkapitals derzeit sehr gut dazustehen.

Yapi Kredi Bank Einlagensicherung

Guthaben bei der Yapi Kredi Bank Nederland N.V. sind über das niederländische Einlagensicherungssystem (Deposit Guarantee Scheme (DGS)) bis zu einer Höhe von 100.000 EUR pro Kontoinhaber abgesichert. Diese Einlagensicherung folgt den EU-Vorgaben (Richtlinie 94/19/EG und darauf aufbauend 2009/14/EG), welche die Höhe der Absicherung und die Auszahlungsfristen festlegen. Vorgaben zur Ausstattung bzw. Solidität des Absicherungssystems machen diese Richtlinien jedoch nicht.

Anders als bei der gesetzlichen deutschen Einlagensicherung gibt es in den Niederlanden keinen klassischen Fonds, in den die Mitgliedsbanken jedes Jahr einzahlen müssen. Die Entschädigung der Sparer erfolgt im Falle einer Bankenpleite daher zunächst durch die niederländische Zentralbank (De Nederlandsche Bank), welche sich das Geld nach der Auszahlung in Form von Beiträgen anteilsmäßig von allen Mitgliedsbanken zurückholt, wobei das System ab Juli 2015 auf eine ex-ante-Finanzierung mit Fonds und jährlichen Einzahlungen umgestellt werden soll. Die ex-post-Finanzierung hat gegenüber der eines kontinuierlich aufgebauten Risikofonds wie in Deutschland sowohl Vor- als auch Nachteile, sodass wir das Ganze insgesamt neutral bewerten.

In der Praxis ist die Leistungsfähigkeit der niederländischen Einlagensicherung also abhängig von der unmittelbaren Zahlungsfähigkeit der Zentralbank und der dem Sicherungssystem angeschlossenen Banken. Neben einigen kleineren Instituten dominieren die Bankenlandschaft drei große Institute (Rabobank, ING Group und ABN AMRO), die mit ihren Ratings derzeit relativ gut dastehen. Bei Verbindlichkeiten der Yapi Kredi Bank Nederland gegenüber ihren (u. a. deutschen) Kunden von 1,16 Mrd. EUR (siehe Jahresbericht 2012) halten wir die Wahrscheinlichkeit, dass die niederländische Zentralbank im Falle einer Pleite der Bank diesen Betrag aufbringen könnte, für recht hoch, zumal der tatsächlich auszuzahlende Betrag noch darunter liegen dürfte, da nicht alle Kundengelder unter die Einlagensicherung fallen. Ebenso glauben wir, dass die niederländischen Banken die nach dem Entschädigungsverfahren fällig werdenden Beiträge stemmen könnten, auch wenn wir dabei zugegebenermaßen ein wenig im Nebel stochern.

Eine Garantie des niederländischen Staates gibt es für den Insolvenzfall aus rechtlicher Sicht nicht, wobei dieser natürlich stets ein großes Interesse daran hat, einen durch Zweifel an der Einlagensicherung ausgelösten Bank-Run zu verhindern. Aufgrund des noch immer sehr guten Ratings von AA+ bzw. AAA dürfte es den Niederlanden zudem relativ leicht fallen, entsprechende Gelder aufzutreiben, sollte man sich tatsächlich für eine (politisch motivierte) Bankenrettung bzw. Anlegerentschädigung entscheiden.

Darüber hinaus besteht bei ausländischen Einlagensicherungen immer ein gewisses Restrisiko, dass es in Zeiten wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Krisen zu Schwierigkeiten kommt. Denn eine Entschädigung deutscher Anleger dürfte dem niederländischen Volk in Zeiten tiefgreifender nationaler Probleme nur schwer zu vermitteln sein, trotz aller Gemeinsamkeiten und der Verbundenheit in der EU. Dass ein solches Szenario nicht völlig aus der Luft gegriffen ist, zeigt das Beispiel Island während der Finanzkrise 2008. Dieses Restrisiko besteht aus unserer Sicht bei allen ausländischen Einlagensicherungen, ist aber letztlich nur schwer kalkulierbar, sodass wir hierfür generell keine Punkte abziehen. Beachten sollten Anleger zudem, dass ein möglicher Entschädigungsprozess durch die niederländische Einlagensicherung wahrscheinlich auf Englisch abgewickelt werden würde, sodass entsprechende Sprachkenntnisse im Ernstfall vorhanden sein sollten.

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