Die Anleiherendite für zehnjährige deutsche Staatsanleihen ist heute auf 2,87 Prozent gestiegen. Wir haben zwar alle keine Glaskugel, aber wie schätzt ihr die Lage ein: Erwartet ihr, dass sich die langfristigen Zinsen (Anlagehorizont 5 bis 10 Jahre) für Festgelder in den nächsten Wochen nun auch gut nach oben entwickeln? Ich überlege seit ein paar Wochen, für 3 Prozent abzuschließen, aber irgendwie hab‘ ich das Gefühl, dass ich mich in eins, zwei Monaten darüber ärgern würde. Klar: Am Ende muss ich ganz allein entscheiden. Ich wäre aber an einem Austausch von Argumenten hier interessiert.
@ Lieblingssparer
Da bei mir aktuell und in den nächsten Monaten einige Festgelder auslaufen, fahre ich zz. eine gemischte Strategie. Aufgrund der aktuell sehr guten Tagesgeldkonditionen parke ich einen Großteil davon zunächst einmal vorübergehend auf Tagesgeldkonten zu 2,90% bzw. 3,00%. Gleichzeitig habe ich aber auch im Oktober angefangen, längerfristige Festgelder (5 Jahre) zu 2,85% bzw. zuletzt 3,00% abzuschließen. Im Augenblick gehe ich davon aus, dass ich auch weiterhin monatlich Festgelder zu 3,00% - und gerne auch mehr -abschließen werde.
Aber, wie Du schon sagst, haben wir natürlich alle das Problem mit der Glaskugel. Ich persönlich könnte mir durchaus, nachdem z. B. zuletzt die deutlichen Erhöhungen bei der Volkswagen Bank und der Bigbank erfolgt sind, noch weitere Zinserhöhungen vorstellen. Eigentlich sollte die Credit Agricole wohl bald auch dran sein. Aber wer weiß das schon. Es gibt auch viele Banken, die sich absolut zurückhalten und beim Festgeld bei knapp über 2,00% verharren.
Ich glaube daher, dass meine augenblickliche Strategie, möglichst etwas mehr Geld auf den Tagesgeldkonten flüssig zu halten, durchaus sinnvoll sein könnte, um zu gegebener Zeit bessere Angebote nutzen zu können. Aber es kann ja auch anders kommen. Von den "massenhaft" Top-Angeboten bei den Tagesgeldern bin ich auch ziemlich überrascht.
So muss halt jede/r seine persönlichen Abwägungen vornehmen.
VG Hans-Jürgen
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Danke schon mal für eure Einschätzung. Mir geht es tatsächlich nur darum, ein Meinungsbild zu bekommen: Was spricht für steigende Zinsen in den nächsten Monaten, was dagegen? Wenn ich Isabel Schnabel richtig verstehe, könnten wir mit den 2 Prozent EZB-Einlagenzins die Talsohle erreicht haben (auch wenn Frau Schnabel sicherlich als hawkische Stimme der EZB einzustufen ist).
https://www.t-online.de/finanzen/aktuelles/id_101035330/ezb-zinswende-expertin-sieht-talsohle-erreicht-steigen-die-zinsen-bald-.html
Insofern ist es vielleicht tatsächlich klug, den Großteil seines Pulvers erstmal trocken zu halten und es auf Tagesgeld-Konten mit 2,9 oder 3 Prozent zu parken.
@Hans-Jürgen: Gemischt anzulegen, so wie Du es machst, war mein Ursprungsgedanke; also einen Teil in Tagesgeld und einen Teil in ein fünf- bis zehnjähriges Festgeld. Aber mir fehlt beim langjährigen Festgeld momentan ein wenig die Überzeugung; auch wenn ich eine planbare und stabile Rendite eigentlich sehr schätze.
Es sind einfach viel zu viele Faktoren, um das einschätzen zu können. Wie lange dauert der Krieg in Ukraine? Funktionieren die Zölle für Amerika? Was macht der neue FED Chef in 2026, z.B. massiv Zinsen senken, um Trump zu gefallen? Wie gehen die Midterms im November 2026 in den USA aus? Gibt es Rezension nicht nur wie aktuell in Deutschland, sondern auch europaweit? Was passiert mit einer erstarkten AfD in 2028? Genügt Putin die Ukraine? Wie geht es weitter mit dem hybriden Krieg in Europa?
Wer hat schon Finanzkrise, Covid oder Ukraine im Blick gehabt die letzten 20 Jahre.
Meiner Einschätzung nach kann man immer schwerer einschätzen, was passiert, seitdem niemand mehr nach Regeln spielen will.
Ich würde mir Zinsen in der aktuellen Höhe für 10 Jahre wünschen, denn das würde bedeuten, dass nichts spannendes passiert ist in der Welt.
Bei Anlagehorizonte von 10 Jahren und mehr kann man auch schon über ETFs (zB MCSI World) nachdenken.
Die aktuell steigenden Zinsen im Tagesgeld sind auch etwas atypisch. Warum horten Banken Geld, was sie billiger direkt von der EZB haben könnten. (2,15% langfristig und 2,4% über Nacht)? Haben Sie dafür keine Sicherheiten mehr, die sie der EZB zur Verfügung stellen müssen?
Only my 5 cents.
" Ich überlege seit ein paar Wochen, für 3 Prozent abzuschließen"
seit heute gibt es bei einer der sichersten Banken (LLB mit AA-Rating) 3,21% p.a. für 10 Jahre für deutsche Anleger. Die Frage ist, ob Liechtenstein als Einlagensicherung mit Rückzahlung in CHF im Schadensfall als Anlageland in Frage kommt.
@Lieblingssparer: Momentan spricht viel, v.a. die ... → Werden Sie jetzt kostenlos Mitglied der Kritische-Anleger-Community, um den vollständigen Beitrag zu sehen!
@Chris: Eben das ist eine sehr gute Frage. Sicher beantworten, ob die Schweiz tatsächlich hilft, kann man das wohl erst, wenn ein Kind in den Brunnen gefallen ist... Mir ist das etwas zu unsicher, so dass ich nur in EU-Ländern anlege.
@Chris: Danke für den Tipp. 3,21 Prozent sind schon mal gar nicht so schlecht. Wahrscheinlich warte ich aber tatsächlich noch ein paar Monate und hoppe bis dahin von 3-Prozent-Tagesgeld zu 2,9-Prozent-Tagesgeld.
@Sparer (der Ältere): Danke für Deine Einschätzung. Die Staatsverschuldungen sehe ich auch als Haupttreiber der Inflation. Andererseits nehme ich in meinem Umfeld eine beachtliche Kaufzurückhaltung wahr, was ich als Inflationsbremse interpretiere. Aber vielleicht hab‘ ich auch nur die falschen (weil geizigen) Freunde…;)