Durch das schlechtere Rating Belgiens, empfiehlt die Stiftung Warentest ab sofort keinerlei Geldanlagen mehr, welche durch die belgische Einlagensicherung abgesichert sind. Dies mag jetzt jeder individuell für sich bewerten.
Ich verweise in dem Kontext immer gern auf meinen Artikel von vor 2 Jahren: https://www.kritische-anleger.de/scheinsicherheit-durch-laenderratings/
Ich finde es albern, Geldanlagen auf Basis des Länderratings auszuschließen, es sei denn, das Rating ist wirklich sehr schlecht, aber davon kann ja bei Belgien absolut keine Rede sein. Man muss ja auch verstehen, wie wenig das Länderrating mit der tatsächlichen Sicherheit einer Bankanlage zu tun hat. Wenn man mal verstanden hat, dass das so ziemlich der indirekteste Indikator überhaupt ist, merkt man, wie unberechtigt so eine Reaktion seitens der Stiftung Warentest ist.
Gefühlt manövrieren die sich damit in so eine hypervorsichtige Ecke, die aber nichts mit der Realität zu tun hat. Im Gegenteil, es macht die Leute eigentlich noch viel mehr verrückt als dass es ihnen hilft. Ich hatte nach dem Artikel oben ja mal einen Call mit dem Redaktionsteam der Stiftung Warentest, um meine Argumente zu präsentieren. Mein Eindruck war: Da sitzen viele Menschen älteren Alters, die in Ihrer Wahrnehmung der Welt ziemlich festgefahren sind. Dass Länderratings kein sonderlich guter Indikator für die Sicherheit einer Geldanlage sind, das wollte man partout nicht zulassen. Klar, wir zeigen die hier ja auch, aber als einer von mehreren Indikatoren, nicht als das Schlüsselkriterium.
Soweit meine kleine Meinung dazu :-)
@Stefan Ehrlich: Als individuelle Meinungsäußerung ist Deine Einschätzung Dein volles Recht. Aber warum die Herabsetzung einer anderen Meinung als falsche Wahrnehmung von älteren Menschen? Alter bringt auch Erfahrung und mindert oft die Risikobereitschaft. Jung und risikofreudig ist kein Gut an sich. So sehr hier oft zu Recht die Umgangsformen angeprangert werden, sollte man sich gerade in Deiner Rolle der Altersdiskriminierung enthalten. Meine Meinung dazu.
OT: Wenn hier das moderne Schwert des ... → Werden Sie jetzt kostenlos Mitglied der Kritische-Anleger-Community, um den vollständigen Beitrag zu sehen!
Ohje, da hab ich ja was angestoßen hier :D ... Vielleicht war meine Kritik etwas unglücklich formuliert. Lasst mich das nochmal anders formulieren: Es gibt keine Datengrundlage, die den Zusammenhang "Gutes Länderrating = Sichere Anlage" bzw. andersherum "Schlechtes Länderrating = Unsichere Anlage" stützen würde. Anders sieht es da bei Bankratings aus, allerdings ist selbst da die Korrelation nicht so stark wie man das vielleicht erwarten würde. Entsprechend kritisiere ich die Einstellung der Redaktion von SW, sich vor diesen Tatsachen zu verschließen. Das Ganze hat selbstverständlich nichts mit dem Alter zu tun - sorry. Mir geht es denke ich eher um die Message, dass da eine Institution in Form der Stiftung Warentest sitzt, die eine hohe Repuation und ein großes Vertrauen in der Bevölkerung genießt, sich dadurch dann aber in eine übervorsichtige Rolle flüchtet, die nichts mit der Realität (=Datengrundlage) zu tun hat. Das ist wie als würden Ärzte empfehlen, breitflächig Eisen zu supplementieren, ohne dass es dafür aber eine Indikation auf Basis von Studien gibt. Da würde ja auch keiner nicken und sagen "gut, dass der Arzt uns schützt", sondern man würde fragen, "Warum empfehlen die Ärzte das, wenn es keine Datengrundlagen dafür gibt?". Aber genau diese Frage stellt man sich bei der SW (gefühlt) nicht.
Hoffe, das ist jetzt etwas besser formuliert. Und lasst das jetzt mal nur auf fachlicher Ebene weiterdiskutieren und nicht auf der altbekannten "Wer was wann in welchem Ton zu wem gesagt hat" Ebene ;-)
Danke fürs Mitmachen :-)
Achja, und wie immer gilt im Sinne des wissenschaftlichen Prinzips: Ich lasse mich immer gern mit neuen Datenquellen und Erkenntnissen überzeugen, wenn sie mir jemand präsentiert. Meine Äußerungen basieren immer nur auf dem, was ich bisher gesehen, gelesen und gehört habe und sind damit per Definition einfach beschränkt.
Das Online Portal Finanztip legt dieselben Kriterien zugrunde, und erteilt Belgiens Einlagensicherung ebenso keine Empfehlung.
Das wundert nicht, ist Chefredakteur Tenhagen doch ehemaliger Chef von Finanztest :-) Schreib denen doch mal ne E-Mail und frag sie auf welcher Datenbasis sie die Regel mit den Länderratings aufrechterhalten :-) Würde mich schwer interessieren, wie sie das rechtfertigen.
Finanitip ist sogar strenger als Stiftung ... → Werden Sie jetzt kostenlos Mitglied der Kritische-Anleger-Community, um den vollständigen Beitrag zu sehen!
Klingt alles logisch oder? Das Problem ist aber nicht die Logik an sich. Die ist ja durchaus nachvollziehbar. Problematisch ist eher der harte Ausschluss ab unter AA. Warum genau ab unter AA? und nicht A- oder A+ oder BBB+? Dafür gibt es schlichtweg keine Datengrundlage, weshalb dieses Vorgehen, auf Basis des Ratings ein binäres "ist drin" oder "ist raus" zu bekommen, aus meiner Sicht so falsch ist.
Man muss denke ich auch ein wenig die Ratings der Agenturen etwas besser erklären, damit man meine Sichtweise versteht. Ein AA- bzw. Aa3-Rating (also das nächstschlechtere unter AA) ist immer noch ein sehr sehr gutes Rating. Eine Santander wird z. B. mit A bewertet, also noch einmal zwei Stufen unter AA-, und ziemlich ähnlich zur Credit Agricole (A+). Beides sind riesige Banken, die als systemrelevant eingestuft wurden und de facto nicht pleite gehen können. Zu sagen, Belgien als Stützer im absoluten Notfall, nämlich wenn weder der Einlagensicherungsfonds genügend Geld hat noch die angeschlossenen Banken genug Geld naschießen können, hätte mit A+ nicht die Möglichkeiten, am Geldmarkt Stützungskredite aufzunehmen oder zumindest Sicherheiten zu stellen, ist aus meiner Sicht absurd.
Klar ist aber natürlich auch, dass so ein Szenario nie ganz auszuschließen ist und gerade diese ganz kleinen Wahrscheinlichkeiten sind ja oft das, was uns das Genick bricht, weil es keiner erwartet. Dennoch: Auf mich wirkt dieses Ausschlusskriterium unnötig übervorsichtig. Letztlich bringt es den Anlegern eigentlich de facto nichts, außer sie verrückt zu machen.
Und zum Schluss noch: Wie schon an anderer Stelle immer wieder mal geschrieben sollte die Schlussfolgerung aus unserer Unwissenheit (= Wir kennen die Zukunft nicht und haben keine gute Datengrundlage für den Ausschluss von Banken auf Basis des Länderratings) eher sein, zu diverisifzieren und nicht sich Grenzwerte einfach auszudenken. Diversifikation machen sowohl die Profis als auch die Natur und davon sollten auch wir Privatanleger uns ein bisschen was abgucken anstatt sich verrückt machen zu lassen.