Hallo,
leider fällt es mir schwer, die Rentabilität von ETFs über einen Sparplan mit einem Zeithorizont von 20 Jahren richtig einzuschätzen – insbesondere vor dem Hintergrund, dass der Kauf in Euro erfolgt, viele ETFs bzw. die darin enthaltenen Wertpapiere jedoch in US-Dollar notieren und gleichzeitig die derzeit relativ hohe Inflationsrate in den USA berücksichtigt werden muss.
Wie beurteilt ihr diesen Zusammenhang? Welchen Einfluss haben aus eurer Sicht Wechselkurs und unterschiedliche Inflationsraten auf die langfristige Rendite eines solchen ETF-Sparplans?
Vielen Dank für eure Einschätzungen!
@Jogi987: ETF ist nicht ETF. Wenn wir von marktbreiten ETFs reden, zB auf den MCSI World dann gibt es historisch gesehen mindestens eine Rendite von 4% abhängig vom betrachteten Zeitraum. Dabei sind Währungsschwankungen zB über 20 Jahre nicht relevant, außer entweder der USD oder der EUR crasht. Dann ist man aber mit Aktien (Wie ein MCSI World ETF) immer besser aufgestellt, als in Währung selbst.
@ Jogi987:
Wie schon von Roland erwähnt, sind bei der genannten Anlageklasse (Aktien = Sachwerte = Inflationsschutz) sowie dem geplanten Anlagehorizont (20+ Jahre) die Auswirkungen von Wechselkursen und Inflationsdifferenzen bei der Renditebeurteilung vernachlässigbar, da sie sich langfristig weitgehend ausgleichen. Wegen der Einzahlung in Form eines regelmäßigen Sparplans greift zudem der Wechselkurs-Durchschnittseffekt und reduziert somit ein eventuelles Timing-Risiko.
Eine hohe Inflationsrate in den USA dürfte langfristig tendenziell eher zu einer Abwertung des US$ gegenüber dem € führen. Auf der anderen Seite sollten durch die höheren Preise die nominalen Unternehmensgewinne in den USA weiter zulegen, was wiederum zu steigenden Aktienkursen führen dürfte. Die höhere nominale Rendite in US$ sollte somit den schwächeren US$-Wechselkurs weitestgehend ausgleichen.
Insbesondere bei einem global breit gestreuten Aktien-ETF ist die Fondswährung letztlich nicht viel mehr als eine Recheneinheit und auch ein mögliches "Hedging" gegenüber dem € macht aufgrund der damit verbundenen höheren Kosten bei einem langen Anlagezeitraum i.d.R. keinen Sinn.
Trotz alledem sollte man bei der persönlichen Renditeerwartung eines breit gestreuten, globalen Aktien-ETFs nicht mit der oftmals angenommenen (historischen) Nominalrendite von 6 - 7 % p.a. rechnen, sondern - wie bereits von Roland genannt - eher von einer realen Rendite von 4 - 5 % p.a. ausgehen.
Zu den Einflüssen der verschiedenen Währungsebenen eines Aktien-ETFs und dem damit einhergehenden Risiko gibt es im Übrigen auch ein recht anschauliches Video von Finanztip, das zwar schon etwas älter, aber in seinen Aussagen m.E. immer noch aktuell ist:
https://www.youtube.com/watch?app=desktop&v=sPtgzJOYRzk