Ein Jahr voller Krisen: Wie geht es weiter?

01.01.2023 - Stefan Erlich - 12 Kommentare

Ein Jahr voller Krisen: Wie geht es weiter?
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Das Jahr 2022 ist zu Ende und so saß ich vor einigen Tagen wieder einmal vor einem leeren Blatt Papier, um im Rahmen dieser Kolumne sowohl zurück- als auch nach vorne zu blicken. Als ich über die vergangenen 12 Monate nachdachte, kamen mir vor allem folgende Dinge in den Kopf: Ukraine-Krise, Gas-Krise, Corona-Krise, Wirtschaftskrise, Klima-Krise, Gesundheits-Krise und *Trommelwirbel* das Schreckgespenst INFLATION. Krisen über Krisen, die meine komplette Wahrnehmung des Jahres 2022 dominierten. Ich war selber erschrocken darüber. Spontan fragte ich mich selbst: Ist es denn wirklich so schlimm? Die Antwort darauf war klar: “Nein, eigentlich geht es mir und meiner Familie noch immer sehr gut!”. Aber warum dominieren diese Gedanken dann so sehr meine Wahrnehmung?

Ein wenig habe ich das Gefühl, dass wir in Deutschland in den letzten Jahrzehnten eine Kultur des “Krisen-Fetischismus” entwickelt haben. Eigentlich mag keiner von uns Krisen, aber gleichzeitig suchen so viele von uns mit angstvoller Neugier nach der nächsten großen Krise. Die Beststeller-Listen und YouTube-Charts spiegeln das eindrucksvoll wider. Wer die nächste große Krise prophezeit oder die aktuelle Krise (mehr oder weniger seriös) diskutiert, kann sich einer großen Reichweite fast schon sicher sein. Man kann hier auch den großen Medien ein wenig die Schuld in die Schuhe schieben, aber diese liefern auch nur das, was wir Leser/Zuschauer besonders häufig anklicken

Dabei sind Krisen kein neues Phänomen. Es gab sie schon immer und sie sind zentraler Bestandteil der Menschheit. Einzig gestiegen ist aus meiner Sicht die Wahrnehmung und Präsenz dieser Krisen in unseren Köpfen. Und: Es geht uns in Deutschland noch immer extrem gut. Das ist mir auf meiner Reise in Asien kürzlich erst wieder richtig bewusst geworden. Ja, es läuft nicht alles rund in Deutschland, aber wenn ich höre, dass in Singapur der Taxifahrer für die Geburt seines Sohnes im Krankenhaus 15.000 Singapur-Dollar (ca. 10.500 €) hinlegen musste und eine Frau auf Bali eine eigentlich medizinisch notwendige Hirn-OP nicht durchführen lassen kann, weil ihr das Geld fehlt, dann komme ich schon ins Grübeln. Ich will damit NICHT sagen, dass es nicht auch in Deutschland Menschen in prekären Situationen gibt. Insgesamt und im Vergleich zu anderen Ländern steht unsere Krisenwahrnehmung aber im krassen Widerspruch zur Realität.

Die Vergangenheit macht Hoffnung

Ich möchte diese Kolumne daher nutzen, um Ihnen ein wenig Hoffnung mit in das neue Jahr zu geben. Auch ich habe keine Glaskugel und kann nicht vorhersehen, wie das Jahr 2023 wird. Ich kann Ihnen aber aufzeigen, welch erstaunlichen Dinge wir Menschen schon geschafft haben, die wir zuvor als unmachbar, unrealistisch oder realitätsfremd abgetan haben. Wandel ist möglich, in so vielen Bereichen. Oftmals braucht es nur Zeit, die richtigen Menschen, Umstände und, so absurd das auch klingen mag, Krisen! Ja, wir brauchen Krisen, damit wir uns weiterentwickeln können, denn Krisen sind oft erst der Katalysator dafür, dass sich etwas ändert. Hören Sie einmal in sich und fragen Sie sich selbst, wie oft Sie über Energiesparen nachgedacht haben, bevor hier die Gaskrise ausgebrochen ist. Klar gab es Vorreiter, die Energieeffizienz schon seit Jahren gepredigt haben, aber die große Masse ist erst jetzt im Zuge der Energiepreisexplosion auf den Trichter gekommen.

Hier nun aber vier Beispiele, warum ich glaube, dass wir uns nicht von den aktuellen Krisen die Zuversicht nehmen lassen sollten:

  • Im Jahr 2000 lag der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung in Deutschland laut Bundesumweltamt noch bei deutlich unter 10 %. Innerhalb von etwas mehr als 20 Jahren haben wir es aber geschafft, diesen Anteil auf über 40 % zu heben. Dies ist insofern bemerkenswert, weil die Erzeugungskapazitäten der damals verfügbaren Technologien pro Einheit noch weitaus geringer waren als heute. Und allen Unkenrufen zum Trotz haben wir in Deutschland noch immer ein erstaunlich stabiles Netz ohne größere Stromausfälle. Laut Statista hat sich die Länge der Versorgungsuntbrechnungen in Deutschland pro Verbraucher seit 2006 sogar eher verringert als vergrößert. Hätten Sie das alles selbst erfahrenen Technikern im Jahr 2000 erzählt, man hätte Sie als realitätsfremden Träumer ausgelacht.
  • Ich bin in der ehemaligen DDR geboren und habe dort zumindest einen kleinen Teil meiner Kindheit bis zur Wiedervereinigung im DDR-System verbracht. Ich war noch klein und verstand 1989 nicht, was die Wende für viele Menschen bedeutete. Erst aus heutiger Sicht kann ich, zumindest im Ansatz, nachvollziehen, welch ungewöhnliches Ereignis dies damals darstellte. Eine Wiedervereinigung hatten die meisten Menschen nicht mehr für möglich gehalten und sich mit dem DDR-System arrangiert. Stellen Sie sich einmal vor, wie meine Eltern reagiert hätten, hätte man ihnen 1980 gesagt, dass sie etwa 10 Jahre später frei reisen, sprechen und walten können würden. Sie wären wahrscheinlich ungläubig verstummt.
  • Wer in der Verwandtschaft schon mal die Geburt eines Kindes erlebt hat, der wird folgende Situation kennen. Spätestens 2 Minuten nach der Geburt (ich übertreibe jetzt) sind die ersten Babybilder des frisch geschlüpften Sprösslings schon per Messaging-App in der gesamten Verwandtschaft verteilt. Vor etwa 40 Jahren sah das noch so aus: Mein Vater lief alle paar Stunden zur Telefonzelle auf der Straße, rief per Münzeinwurf im Krankenhaus an und fragte, ob ich schon da sei, denn, anders als heute, durfte/konnte er bei der Geburt nicht dabei sein. Das Internet, dem wir die schnellen Babyfotos zu verdanken haben, hat die Art und Weise, wie wir miteinander kommunizieren, so fundamental verändert, dass es selbst mir manchmal schwer fällt, alle damit verbundenen Implikationen zu überblicken. Und ja, nicht alles, was das Internet kann, tut und macht, ist für uns gut. Aber stellen Sie sich heute mal eine Welt ohne Internet vor, mit allen damit verbundenen Konsequenzen für unser Leben!
  • Ich kann mich noch gut erinnern, wie mein Vater vor vielen vielen Jahren von einem Kollegen aus der Uni erzählte, der im Bereich Batterieforschung aktiv war. Dieser berichtete mit ernster Miene, dass Batterien de facto ausgeforscht und keine größeren Verbesserungen hinsichtlich Energiedichte und Haltbarkeit mehr zu erwarten seien. Wir wissen heute alle, wie sich Batterien tatsächlich entwickelt haben, nämlich in genau die entgegengesetzte Richtung. Je nach Quelle hat sich z. B. die Energiedichte von Lithium-Ionen-Akkus in den letzten 10 Jahren mehr als verdreifacht, wodurch plötzlich Anwendungen wie die Elektromobilität möglich wurden, zum Teil mit Reichweiten von über 600 Kilometern pro Batterieladung. Nur, wer hätte damals dem Professor für Batterietechnik widersprechen wollen?

Nun ist es nicht meine Absicht, irgendeine von den oben genannten Entwicklungen und Errungenschaften zu glorifizieren. Jede neue Entwicklung, egal ob gesellschaftlicher oder technischer Natur, bringt sowohl Vorteile als auch Nachteile mit sich. Mir geht es primär darum, Ihnen zu veranschaulichen, wie gut wir Menschen darin sind, uns selbst zu überraschen und dabei Probleme zu lösen, die vorher unlösbar schienen. Es sind unsere eigenen Köpfe und unser lineares Denken, das uns einen hoffnungsvollen Blick in die Zukunft erschwert. Dabei sollten wir in unsere Fähigkeiten, in unsere Anpassungfähigkeit und Resilienz vertrauen, die uns schon mehrfach das Überleben gesichert hat.

Keine Frage: Krisen sind immer hart, voller Schmerz und Einschränken. Ich möchte das nicht beschönigen. Und ich möchte auch nicht ausschließen, dass wir z. B. im Zuge des Kampfes gegen den Klimawandel nicht auch einen Verlust an Lebensqualität und Wohlstand werden hinnehmen müssen. Doch lassen Sie uns gemeinsam trotz all dieser Krisen nicht die Hoffnung verlieren, dass wir am Ende gestärkt, klüger und mit mehr Erfahrung daraus hervorgehen werden. Oftmals sind es kleine Entdeckungen, Entscheidungen einzelner oder auch pure Zufälle, die dafür sorgen, dass sich etwas ändert. Beispielhaft sei hier nur die Entdeckung von Penicillin genannt, die heute maßgeblich dafür verwantwortlich ist, dass viele Krankheiten mit einem Antibiotikum relativ einfach behandelbar sind.

Auch Geldanlage ist eine Frage von Zuversicht und Hoffnung

Warum ich Ihnen diese Zeilen in einer Kolumne zu Geldanlage-Themen schreibe, ist ganz einfach: Geldanlage ist eng verbunden mit Zuversicht und Hoffnung. Würden wir nicht positiv in die Zukunft schauen, dann würden wir auch nicht auf die Idee kommen, einer Bank Geld zu leihen, unser Geld in Aktien von Unternehmen wie der Lufthansa oder Bayer zu stecken oder gar per Crowdinvesting ein vielversprechende Startup zu unterstützen. Würden wir nicht zuversichtlich in die Zukunft blicken, bräuchten wir auch nicht per Sparplan in einen Welt-ETF investieren, über den man am Erfolg von über 3.000 Unternehmen beteiligt ist. Ich persönlich glaube fest daran, dass wir einen Ausweg aus all den aktuellen Krisen finden werden und investiere daher sowohl für mich als auch meine Kinder regelmäßig in einen solchen ETF. Denn wir werden diese Krisen nicht nur irgendwie bewältigen, nein, wir werden neue, innovative Unternehmen am Aktienhimmel aufsteigen sehen, die dann auch in unseren Depots für ordentliche Renditen sorgen.

Ich wünsche Ihnen alles Gute für das Jahr 2023 und bedanke mich fürs Lesen, Kommentieren und natürlich auch fürs konstruktive Kritisieren :-) Ohne Ihre Unterstützung würde dieses Portal nicht existieren. Hoffen wir alle auf weiter steigende Zinsen und friedliche Zeiten in den kommenden 12 Monaten.

Ihr Kommentar zu diesem Artikel

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Kommentar von Kritischer am 08.01.2023 - 11:29 Uhr

Na dann hoffen wir mal auf ein Wunder und glauben an das Wunder ... .
Den von Ihnen erwähnten Batterie-Professor hätte an meiner ET-UNI kein Student ernst genommen. Genauso wie wir jenen Professor verachteten, der da erklärte "In Prüfungen steht die Note 2 steht nur ihm zu und die Note 1 nur dem lieben Gott". Es gibt aber tatsächlich Grenzen, dass müssen derzeit die besten Halbleiterhersteller erfahren. Weil man nämlich dort inzwischen im Bereich atomarer Strukturen angekommen ist. Und ähnlich ist es auch beim Energiesparen im privaten Haushalt, da liegen meine Verwandten und ich seit 12 Jahren beim Bruchteil von vergleichbaren Haushalten. Das Problem besteht nur darin, dass man z.B. OLED-TV im Gegensatz zu LED-LCD-TV über Nacht nicht mehr komplett abschalten darf, weil sonst das Kalibrieren und die Selbstheilung nicht durchgeführt werden kann. Und so beißen sich auch dort, wie bei tausenden anderen Dingen, Fortschritt und Energiesparen. Man denke nur an alle jene neuen elektronischen Spielzeuge, die heute für alle Generationen unterhalb von 50 Lebensjahren angeblich extrem lebensnotwendig sind. Und das internet? Der erste Guru auf dem Gebiet hat das internet schon 1998 bei einem Kongress in Wien als riesengroßen Misthaufen bezeichnet, in dem 90% aller Infos falsch sind. Aus meiner Sicht sind inzwischen 99% aller Infos im internet falsch. Übrigens: in Singapur geht 10% vom Gehalt in die KV und die deckt auch alle Krankenhauskosten ab. Es sei denn, man man ist nur geduldetet im Land oder man hat besondere Wünsche. Also bitte auch da auf alle Details achten - und nicht nur auf die Show und auf die "guten Geschichten". Und bitte was nützen mir die steigenden Zinsen? Spätestens im März ist der neue höhere Freibetrag aufgebraucht.

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Kommentar von Hubu am 03.01.2023 - 17:30 Uhr

Mensch, Herr Ehrlich,
nix gegen Zuversicht, aber doch nicht auf Teufel komm raus. Ich selbst sehe eher eine Deindustrialisierung für die BRD oder Europa, auch teile ich ihre Zuversicht was z.B. die Energiewende angeht nicht, denn davon haben sie offenbar zuwenig Ahnung. Wir benötigen eine Grundlast von 60Terrawatt, die lassen sich durch Wind und Sonne nicht erreichen. Dafür benötigt man zusätzlich mindestens 60 hochmoderne flexible Gaskraftwerke.
Auch wenn ich eher schwarz sehe, so bin ich in der Geldanlage pragmatisch, denn wo außer in ETFs, Festgeld oder eigenem Haus kann man sein Geld als Kleinanleger denn parken? Unterm Kopfkissen bei 10% Inflation? Also, zähneknirschend lege ich es in die Hände von skrupellosen Banken und hoffe inständig halbwegs ungeschoren davon zu kommen.
Mit freundlichem Gruß
Hubu
P.S. Übrigens halten gute Erfindungen wie Penicillin nur kurz, heute sterben in Deutschland jährlich rund 20.000 Menschen an multiresistenten Keimen, weil in Böden, Menschen und Massentierhaltung sinnlos "präventiv" Antibiotika verballert werden.

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Antwort von Stefan Erlich am 03.01.2023 - 22:40 Uhr

Hallo Hubu,

urteilen Sie nicht zu schnell. Ich komme aus einem Haushalt, in dem Energie (insbesondere in Form von Strom) tägliches Thema war und das nicht auf Spiegel-Niveau. Ich weiß sehr gut, was die Energiewende potentiell bedeutet, sowohl aus technischer Sicht als auch potentiell für unseren Wohlstand/Lebensstandard.

Ich habe in meiner Kolumne auch nicht gesagt, dass die Energiewende so ohne Weiteres easy peasy machbar ist. Mir geht es mit der Kolumne primär darum, wieder einmal vor Augen zu führen, dass unser lineares und statisches Denken nicht dafür geeignet ist, großen Wandel vorherzusagen. Ihr Kommentar bestärkt mich in der Hinsicht sogar, denn Ihre Aussagen basieren auf einem linearen Fortsetzen des bereits Bekannten.

Dabei geht es nicht nur um technischen Fortschritt, sondern eben auch um gesellschaftlichen Wandel, insbesondere die Veränderung von Verhalten. Ich will da gar nicht konkreter werden, denn auch ich weiß ja nicht, was wir in 20 Jahren so alles erreicht/verändert haben werden. Wenn ich das wüsste, könnte ich ja finanziell davon profitieren. Ich weiß nur, und das auf Basis unserer jüngeren Vergangenheit, dass wir Menschen erstaunlich anpassungsfähig und erfinderisch sind - manchmal schon auf erschreckende Art und Weise. Und das macht eben Hoffnung.

Bzgl. Ihres Hinweises zu Pencilin: Stimmt natürlich einerseits, aber Gegenfrage: Würden Sie lieber keine Antibiotika haben wollen? :-) Technischer und wissenschaftlicher Fortschritt bringt auch eben immer beides: Gutes und Schlechtes. Der Mensch neigt dazu, neue Möglichkeiten eben auch zu missbrauchen oder damit zu übertreiben. Und da sollten wir uns keine Illusionen machen: Auch die Energiewende mit PV, Wind und Co wird uns unerwartete Probleme bescheren, vielleicht an Stellen, die wir schon im Blick haben (Entsorgung?), vielleicht aber auch dort, wo wir noch gar nich hingucken.

Lange Rede, kurzer Sinn: Sie haben natürlich vollkommen recht! Aber Kopf in den Sand stecken ist auch keine Lösung und wie gesagt: Wir Menschen sind schon erschreckend gut darin uns anzupassen und zu verändern, eben auch auf technischer Ebene. Das sollten wir nicht unterschätzen, auch wenn das jetzt noch nicht absehbar ist. Genau das ist ja der Punkt: Es KANN nicht absehbar sein!

VG, Stefan Erlich

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Kommentar von mail@gerhardfenzl.de am 02.01.2023 - 16:14 Uhr

Danke, Stefan, dass du hier etwas evidenz-basierten Optimismus verbreitest. Die "Mimimi"-Jammer-Mentalität ist bei uns tatsächlich weit verbreitet. Auf ein gutes Jahr 2023!
Gruß, Gerhard

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Kommentar von Lutz am 02.01.2023 - 15:33 Uhr

Ja, noch geht es uns vergleichsweise gut, aber fragwürdige Entscheidungen bereiten vielen Menschen Sorgen, ob das auch in Zukunft so bleiben wird. Kein anderer Staat vollzieht eine so radikale Energiewende und setzt damit seine industrielle Basis aufs Spiel. Kein anderer Staat lässt Menschen in großer Zahl in das Sozialsystem einwandern. Bei den Prioritäten der EZB-Geldpolitik steht die Währungsstabilität nicht an vorderster Stelle. Die Haftung für europäische Schulden hat hat existenzbedrohende Dimensionen angenommen. Und das ärgerlichste ist, dass man über viele Fehlentwicklungen nicht mehr frei reden kann ohne stigmatisiert zu werden. Bei ihrem Hinweis auf Singapur sollten sie fairerweise ergänzen, dass dieses Land vor 50 Jahren beim Prokopf-Einkommen 30% des deutschen Werts erzielte und heute 160%. Trotzdem wünsche ich allen ihren Lesern viel Erfolg im neuen Jahr.

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Kommentar von flohdekölle am 02.01.2023 - 13:36 Uhr

Genau die richtige Sichtweise für stetigenFortschritt ...

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Kommentar von Rollatorix am 01.01.2023 - 21:17 Uhr

Lieber Herr Erlich,m.E. haben Sie sich da teilweise böse vergaloppiert. Beispiel umweltfreundliche Energie: Nicht der erzeugte Anteil umweltfreundlicher Energie an der Gesamtenergie ist entscheidend, sondern der tatsächlich eingesetzte Anteil. Ich empfehle den entsprechenden täglichen Überblick in der FAZ. Und auch bei den Batterien ist der Punkt nicht, ob sie einen Pkw antreiben, sondern die Frage ob und wann wir es schaffen, Speichermedien zu entwickeln, die grosse Mengen umweltfreundlicher Energie über lange Zeit speichern können und das schnell zu- und abschaltbar.Es geht schlicht darum Antworten auf die aktuellen Herausforderungen zu finden und da sieht es leider nicht so gut aus. Die Menschen merken das und darin liegt der wesentliche Grund für den Pessimismus. Letzten Endes müssen wir uns darum genau so selbst kümmern wie um unsere Investitionen. Für 2023 hoffe ich, dass möglichst viele Menschen sich mit Erfolg selbst kümmern.

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Antwort von Stefan Erlich am 03.01.2023 - 22:52 Uhr

Ich wusste, dass so ein Kommentar kommt :-) Lesen Sie bitte noch einmal meine Kolumne und dann sagen Sie mir gern, ob ich darin behauptet habe, dass die Energiewende ganz einfach machbar ist. Wie auf den Kommentar von Hubu auch schon geantwortet: Es ging mir darum, aufzuzeigen, dass wir Menschen es immer wieder geschafft haben, Dinge zu verändern, die vorher für völlig unmöglich gehalten wurden. Ihr Kommentar und der von Hubu spiegelt das ja geradezu exemplarisch wider. Der Batterieprofessor hätte vor 15 Jahren auch gesagt, dass eine Batterie, wie Tesla sie heute verbaut, technisch völlig unmöglich sei. Und trotzdem fahren die Dinger auf unseren Straßen. Gesamtenergie vs. elekrtische Energie ist eine technische Betrachtung, keine Fragestellung im Kontext der Wandlungsfähigkeit des Menschen. Beide Betrachtungen sind wichtig. Was die Speichermedien für die längerfristige Speicherung angeht: Da haben Sie sicherlich recht, aktuell zumindest. Aber wie schaut es in 10, 20, 30 Jahren aus? Weder Sie noch ich können das heute absehen. Der Unterschied ist: Mir macht die Vergangenheit diesbezüglich Hoffnung. Sie nehmen die Gegenwart und sagen "Geht nicht!", dabei basiert Ihre Betrachtung auf einer linearen Fortsetzung des aktuell Bekannten, dabei ist unsere Welt alles andere als linear.

Hoffe, Sie nehmen meinen Kommentar sportlich :-)

VG, Stefan Erlich

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Antwort von Skeptiker am 11.01.2023 - 16:21 Uhr

Hallo Herr Ehrlich,

ich finde Ihre Ausführungen kritisch, realistisch und mit einer gesunden Portion Optimismus. Sie habe den Nagel aus meiner Sicht ziemlich gut auf den Kopf getroffen !

Da es hier (auch) um Energiewende geht und in Zukunft noch mehr gehen wird, muss ich Ihnen bei Ihren Einschätzungen vollumfänglich recht geben.

Ergänzen möchte ich noch, dass wir viel mehr Speicher brauchen und das schon seit Jahren wissen. Und das beste: Genau daran wird überall intensiv gearbeitet, weil der Strompreis immer mehr durch die zeitliche Verfügbarkeit minutengenau geändert und beeinflusst wird. So lohnt sich die Speicherung von billigem Strom bei viel Sonne und Wind und die Abgabe bei hoher Nachfrage immer mehr und das wird in Zukunft immer stärker der Fall sein und für immer mehr Speicher sorgen.

Hier mal ein interessantes Beispiel dazu wie intensiv die Speicherung mit immer neuen Methoden umgesetzt wird:

https://www.pv-magazine.de/2023/01/09/rwe-bringt-grossspeicher-mit-117-megawatt-ans-netz/

Und wo ich gerade dabei bin - auch etwas Optimismus zu verbreiten:

Wussten Sie, dass man mit der Leistung der neusten Windkraftanlagen Generation mit dem in 24h erzeugten Strom rund 2 Millionen Kilometer mit einem Elektroauto fahren kann ?

Nein ?

Hier:

https://efahrer.chip.de/news/weltrekord-siemens-windrad-erzeugt-strom-fuer-100-jahre-an-einem-tag_109759

Ist noch ein Prototyp, aber mit ein klein wenig Phantasie kann man sich vorstellen, wohin die Reise gehen wird ;-)

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Antwort von Stefan Erlich am 11.01.2023 - 21:51 Uhr

Danke für die Infos und den Kommentar :-) Den Vergleich mit dem Elektroauto und der Reichweite finde ich einerseits gut, andererseits fühlt sich so etwas manchmal etwas nach Bild-Zeitung an a la "so groß wie 20 Fußballfelder" :-) Die Angabe der MWh ist da schon eher beeindruckend. Und eine maximale Leistung von 15 MW - wow! Wer hätte vor 30 Jahren gedacht, dass so etwas überhaupt möglich ist!

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Antwort von Kritischer am 20.01.2023 - 19:38 Uhr

@spektiker
Welchen realen Wert die tolle Peak-Leistung der Windkraftanlagen hat, können Ihnen die Betreiber der Kohlekraftwerke am Beispiel einiger Monate des Jahres 2022 ganz genau erklären. Denn wir hatten sowohl 2021, wie auch 2022 einige Monate mit sehr wenig Wind und sehr viel dunklen Wolken. Dadurch ist der Anteil der erneuerbaren in den Jahren sogar real gesunken. Und wenn sehr viel Wind ist, dann kann wiederum die produzierte Energie wegen dem Netzausbau gar nicht genutzt werden - die Produktion muss aber trotzdem von allen Verbrauchern bezahlt werden! Übrigens: die Chip ist dafür bekannt öfters mal Betrüger als Manager des Jahrzehnts auszuzeichnen und total scheiternde Produkte weniger Monate vorher als Idee des Jahrzehntes zu bezeichnen. Da aber viele den Unsinn der Chip glauben und sich manipulieren lassen, sorgt das auch mal für Auswirkungen an der Börse. So wie z.B. beim Betrugsprodukt Softram95 für einen Kurssprung von 5 Cent auf über 28 Dollar. Kann man übrigens alles im Archiv bei der c't und sogar bei einem Hamburger Gericht nachlesen.

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Kommentar von Oldie86 am 01.01.2023 - 15:58 Uhr

Chapeau!

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