Ich bin zweifach betroffen von veränderter Geschäftspolitik der Banken und was die Robos betrifft. Die openbank will meinen Robo "Wir investieren für Sie" einfach kündigen, weil ich meine spanische IBAN behalten möchte:
"um den Wechsel zu Openbank Spanien abzuschließen, musst du die digitale Vermögensverwaltung „Wir investieren für dich“ kündigen.
Da uns bisher keine Kündigung von dir vorliegt, werden wir den genannten Service einen Monat nach Erhalt dieser Mitteilung automatisch kündigen.
Nach Ablauf dieser Frist werden alle deine Positionen automatisch zum aktuellen Marktwert verkauft und der aus dem Verkauf resultierende Betrag wird deinem Girokonto gutgeschrieben. Wenn du selbst entscheiden möchtest, wann die Verkäufe erfolgen, kannst du das Tool vor Ablauf der Frist eigenständig kündigen."
Und bei Raisin (Weltsparen) wird gegenwärtig auch massiv versucht, mich auf den neuen Robo umzustellen mit einer Prämie usw. Da werden bald auch Zwangsmaßnahmen kommen. Der neue Robo ist aber von den Gebühren weit ungünstiger als der alte.
Grundsätzlich meine Frage: Wie geht man mit den Robos um, wenn man das Kapital eigentlich angelegt halten möchte? Kann man die Papiere übertragen auf normales Depot, was halt dann nicht mehr gemanaged wird oder muss man alle Verkäufe akzeptieren oder den Update zu mehr Gebühren? Ich verstand meine Anlage (100.000 €) in die Robos als langfristig und bin eigentlich sauer, nach wenigen Jahren schon vor solche Alternativen gestellt zu werden.
@ Wolf4: Zur Openbank kann ich leider nichts sagen, weil ich dort kein Kunde bin und der öffentliche Bereich der Website solche Detailfragen ausspart, aber zu Raisin kann ich anmerken, dass eine Depotübertragung grundsätzlich möglich ist, es aber gewisse Einschränkungen gibt (u. a. bei den Indexfonds). Näheres hierzu erfährt man hier:
https://kundenservice.raisin.com/hc/de/articles/22030816464914-Wie-kann-ich-mein-Depot-zu-einem-anderen-Institut-%C3%BCbertragen
Ansonsten möchte ich noch darauf hinweisen, dass aufgrund der Gebührenstaffelung bei der neuen Vermögensverwaltung ein Wechsel ab einer Anlagesumme von 100.000 € sogar günstiger ist als ein Verbleib beim ETF Robo (https://kundenservice.raisin.com/hc/de/articles/17065794291858-Welche-Kosten-fallen-in-der-Digitalen-Verm%C3%B6gensverwaltung-an). Außerdem kann man dort einen Teil der Gebühren (Transaktionskostenpauschale) steuerlich geltend machen, was beim alten Modell nicht der Fall ist und etwa einer Ersparnis von 0,03 bis 0,06 % p.a. entspricht (https://kundenservice.raisin.com/hc/de/articles/23330732508562-Wie-ergibt-sich-die-Verwaltungsgeb%C3%BChr-nach-Steuern).
Und um abschließend noch auf die konkreten Fragen einzugehen: Als Kunde hat man leider keine Wahl, d.h. man muss die Umstellungen akzeptieren oder gehen und alles verkaufen bzw. sein Depot übertragen - sofern man einen anderen Anbieter findet, der das mitmacht (manche Neobroker, z.B. justTRADE, bieten keine eingehende Depotübertragung an). Im letzteren Fall kann es aber eine ganze Weile dauern, bis alles abgewickelt ist und in dieser Zeit kommt man normalerweise nicht an sein Geld. Daher könnte es zumindest im Fall von Raisin angeraten sein, in den „sauren Apfel“ zu beißen und die Umstellung auf die Vermögensverwaltung zu akzeptieren. Später kann man dann immer noch steuerschonend etappenweise verkaufen und sein Geld anderweitig anlegen. So werde ich es voraussichtlich auch handhaben, wenn mir Raisin im Laufe dieses Jahres die „Pistole auf die Brust setzt“ und mich endgültig zum Wechsel in die Vermögensverwaltung zwingt.
Kurz meine Gedanken dazu: Ich befürchte auch, dass du als Kunde leider am kürzeren Hebel sitzt :-( Um so mehr muss man sich denke ich die Frage stellen, welchen Vorteil Robos überhaupt bieten, denn letztlich holt man sich dabei einen weiteren Mittelsmann ins Boot, von dem man zum einen abhängig ist und der zum anderen ja auch noch Geld haben will. Ich habe bisher noch keine Robo-Portfolio-Strategie gesehen, die ich nicht direkt in meinem Depot hätte eins zu eins oder in sehr ähnlicher Weise nachbauen können, und das günstiger und ohne die Abhängigkeit von raisin, Openbank und Co. Lasse mich diesbezüglich aber gern eines besseren Belehren, wenn hier jemand gute Argumente für Robos hat :-)
@ Stefan Erlich: Robos haben als komfortable, ... → Werden Sie jetzt kostenlos Mitglied der Kritische-Anleger-Community, um den vollständigen Beitrag zu sehen!
Nachtrag: Im Zusammenhang mit einem anderen hiesigen Thread (https://www.kritische-anleger.de/forum/depots-und-boerse/pauschalierungsausgleich-bzw-taxation-clearing/) ist mir noch ein weiterer Vorteil der Robos eingefallen: Im Gegensatz zum selbstverwalteten ETF-Depot braucht man sich dort i.d.R. auch keine Gedanken über die Begleichung der jährlichen Vorabpauschale zu machen, denn diese wird von den Robos meist durch einen anteiligen Verkauf der bereits gehaltenen Fonds entrichtet, was einen von der lästigen „Nachschusspflicht“ - und damit verbundenen Rechenspielen - bei den meisten sonstigen Depotanbietern befreit (aber natürlich am Ende auch Teil der zu entrichtenden „Komfortprämie“ ist).