Gastbeitrag: Was tun in Zeiten des EZB-Wahnsinns?

Letzte Aktualisierung: 19.02.2015 | Albert Warnecke ("Finanzwesir")

Gastbeitrag des Finanzwesir: Was tun in Zeiten des EZB-Wahnsinns?

Der neue Trend im Zinsgeschäft: Wer Geld spart, zahlt drauf, wer Schulden macht, muss am Ende weniger zurückzahlen. Für sichere Anlageformen wie Bundesanleihen sehen die Renditen aktuell so aus: Für eine Laufzeit von 1 Jahr verlieren Anleger 0,14 %, bei 5 Jahren sind es immerhin "nur" -0,07 %. Selbst die 0,93 %, die man aktuell für Anleihen mit einer Laufzeit von 30 Jahren erhält, sind nach Steuern und Inflation ein Minusgeschäft. Sicherheit ist teuer geworden heutzutage. Ich möchte in diesem Artikel der Frage nachgehen: "Wie sicher ist denn sicher?"

Sicherheit als Klumpenrisiko

Klumpenrisiko ist Finanzsprache für das "Alle-Eier-in-einen Korb"-Risiko. Schauen wir uns doch einmal ein Vermögen an, das aus den folgenden Komponenten besteht:

  1. Sparbuch
  2. Tages- und Festgeld
  3. Deutsche Staatsanleihen
  4. Kapitallebensversicherung

Wieso sind diese Anlagen sicher?

  1. Sparbuch, Tages- und Festgeld sind durch die deutsche Einlagensicherung geschützt (Gesetzliche und freiwillige Einlagensicherung sowie die Institutssicherung der Sparkassen und Genossenschaftsbanken)
  2. Deutsche Staatsanleihen sind sicher, weil Deutschland eine starke Wirtschaft hat und deshalb die Schulden zurückzahlen kann.
  3. Kapitallebensversicherungen sind sicher, weil sie das Geld der Versicherten zum überwiegenden Teil in Anleihen und hier vor allem in die von rechts wegen als sicher eingestuften Staatsanleihen anlegen. Fast 90 Prozent des Deckungsstocks haben die Lebensversicherer in Renten und rentenähnliche Papiere investiert.

Das sieht auf den ersten Blick sehr gut aus. Wo ist da ein Klumpenrisiko? Lassen Sie uns ein paar Dominosteine umwerfen. Wer greift ein, wenn die Bank, die Ihr Tagesgeldkonto führt, ins Schlingern gerät? Das ist ein Fall für die EdB-Feuerwehr (Entschädigungseinrichtung deutscher Banken GmbH). Das Problem: Niemand weiß, ob hier die Flughafenfeuerwehr Frankfurt anrückt, deren Fünfzigtonner eine Pumpleistung von 10.000 Liter pro Minute haben oder der Unimog der freiwilligen Feuerwehr Schwangau. Denn: Die EdB gibt weder Auskunft über die Höhe ihrer Mittel noch über den Teil der Spareinlagen, der dadurch tatsächlich abgesichert ist. Es steht zu befürchten, dass die EdB eher auf dem Niveau der Schwangauer agiert.

Wer bildet dann die letzte Verteidigungslinie? Sie und ich. Wir, die deutschen Steuerzahler. Wir sind das Klumpenrisiko. Egal ob Sparbuch, Staatsanleihe oder Lebensversicherung, am Ende ist alles steuerfinanziert. Wer so eine Strategie umsetzt, setzt zu hundert Prozent auf die Leistungsfähigkeit des deutschen Steuerzahlers.

Wie sicher ist sicher?

Die "Deutsche-Eiche"-Strategie kann sich darauf berufen, dass Deutschland nach wie vor die Nummer vier auf der Rangliste der wirtschaftsstärksten Länder der Welt ist. Ausserdem sind wir Fußball- und Export-Weltmeister und waren mal Papst.Deutschland ist ein solides Land mit einer robusten Wirtschaft. Ich würde trotzdem die Eiche mit ein wenig Bambus unterpflanzen. Die Eiche, das Symbol für Treue, Standhaftigkeit und Unsterblichkeit und der Bambus, der nichts weiter ist als ein XXL-Grasbüschel, das auf exotisch macht - wie geht das zusammen?

Lassen Sie uns ein Experiment machen: Wir stellen Eiche und Bambus in einen Windkanal und lassen einen Finanzsturm auf sie los.

  • 5 Beaufort: Die Eiche rührt sich nicht, der Bambus wuschelt munter herum.
  • 7 Beaufort: Die Eiche rührt sich nicht, der Bambus wirkt etwas gerupft, schwankt wie verrückt, hält sich aber noch ganz gut.
  • 10 Beaufort: Die Eiche rührt sich nicht, der Bambus verliert eine Menge Blätter und einige Halme knicken. Der Wind bläst die Halme teilweise fast waagerecht.
  • 12 Beaufort Die Eiche zerlegt es komplett, entwurzelt und mit zerfetzter Krone liegt sie am Boden. Der Bambus hat - auch durch die abstürzenden Eichentrümmer - noch einige Halme verloren. Blätter hat er auch kaum noch, Der Orkan belastet die Halme bis an die Grenzen ihrer Biegsamkeit.

Wir stellen die Windmaschine aus und begutachten die Schäden:

Die Eiche ist tot, die haben wir in den Staatsbankrott getrieben. Der Bambus (unser Aktien-Fonds) sieht auch nicht gut aus, aber er lebt. Ein paar Firmen (Halme) haben es nicht geschafft und es wird auch etwas dauern, bis wieder Dividenden (Blätter) nachgewachsen sind. Aber in den Wurzeln ist noch genug Kraft. Nach einem Jahr sprießen aus dem verottenden Eichenstamm neue Schößlinge (die VWLer nennen das Währungsreform) und unser Bambus sieht wieder prächtig aus. Neue Triebe haben die abgeknickten Halme ersetzt.

Was ist jetzt sicherer? Die Eiche, die ewig lange alles erträgt, dann aber schlagartig und vollständig zusammenbricht? Oder der Bambus, der schon beim kleinsten Windhauch wie verrückt schwankt, dank dieser Flexibilität aber die schlimmsten Stürme übersteht.

Was tun?

Mein Vorschlag: Lassen Sie uns das Thema "sichere Geldanlage" wie folgt angehen: Wir bewerten nicht mehr jedes Anlageprodukt für sich, sondern das gesamte Paket. Mir fallen diese Aktivposten ein:

  1. Ihre Arbeitskraft
  2. Gesetzliche und betriebliche Rentenanwartschaften
  3. Kapitallebensversicherungen
  4. Zinsprodukte (Girokonto, Sparbuch, Tages- und Festgeld, Rentenfonds)
  5. Aktien und Aktienfonds

In diesem Paket brauchen wir Eiche und Bambus. Sind Sie eher Eiche (Beamter) oder Bambus (freiberuflicher Journalist)? Wie sieht es mit den anderen vier Positionen aus?

Die Mischung macht´s

Wir brauchen ein breit aufgestelltes, robustes Portfolio, dass Sie gut schlafen lässt. Nur wenn Sie sich wohlfühlen, wird die Unternehmung ein Erfolg. Diese Diversifikation senkt das Risiko. Hinter diesen Überlegungen steckt die moderne Portfolio-Theorie nach Harry M. Markowitz.

Herr Markowitz hat nachgewiesen, dass man einer unsichern Zukunft am besten mit einem diversifizierten Portfolio verschiedener Geldanlagen begegnet: Das Ertrags-/Risiko-Verhältnis einer breit gestreuten Vermögensanlage ist jeder Investition in nur eine einzelne Anlage – und sei sie noch so gut ausgewählt – überlegen. Für seine Überlegungen wurde Markowitz 1990 mit demAlfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet.

So gehen wir vor:

  1. Bestandsaufnahme aller Vermögenswerte
  2. Aufbau der Finanzfeuerwehr. Das sind drei bis sechs Monatsgehälter auf dem Tagesgeldkonto. Typische Fälle sind: Der TÜV sagt: Erst Werkstatt, dann Plakette. Oder die Waschmaschine sagt Tschüß und muss ersetzt werden.
  3. Aufteilen des anzulegenden Geldes in einen risikoarmen Teil (RK1) und einen risikobehafteten Teil (RK3).
  4. Kauf der entsprechenden Produkte.

Klingt gut, aber wie setze ich die Theorie in die Praxis um?

Welche Produkte sind RK1 und welche RK3?

Typische RK1-Vertreter sind Zinsprodukte von Schuldnern mit hoher Bonität. Also Tagesgeld bei einer Bank, die der deutschen Einlagensicherung angehört. Festgeld, dass Sie einer bulgarischen Bank für zwei Jahre überlassen ist eher RK3. Rentenanwartschaften und Lebensversicherungen würde ich auch im Bereich RK1 verorten. Aktien und Aktienfonds sind klassisches RK3. Firmenanleihen sind in meinen Augen mehr RK3 als RK1. Deutsche Staatsanleihen sind definitiv RK1.

Was ist die optimale RK1/RK3-Aufteilung?

Optimal ist die Aufteilung, bei der Sie noch gut schlafen können. Dafür gibt es keine Formel, aber das folgende Beispiel zeigt, wie Sie die für Sie passenden Zahlen ermitteln:

  1. Berechnen Sie den Wert aller Anlagen. Sagen wir 200.000 Euro
  2. Um wie viel Prozent darf ihr Vermögen nach unten schwanken, bevor Sie nervös werden? Sagen wir 10 %. Das wären 20.000 Euro.
  3. Mein Krisenszenario: Die Börsenkurse halbieren sich. Daraus folgt: Ich darf maximal 40.000 Euro in Aktien und Aktienfonds investieren.

Bedenken Sie aber eins: Im Allgemeinen ist die Risikobereitschaft höher als die Risikotragfähigkeit. Trotzdem: Eine Aktienquote von Null ist nicht drin. Markowitz sagt: Festgeld plus Aktienfonds ist risikoärmer als Festgeld pur. Und nein, Festgeld plus Tagesgeld plus Sparbuch zählt nicht als Diversifikation. Diversifikation heißt: Wechseln Sie die Anlageklasse. Oder wie es in der Kindheit hieß: "Klar kannst Du noch ein Würstchen haben, aber dann nimmst Du auch noch etwas Gemüse dazu.".

Die großen Finanzentscheidungen fällen Sie wie folgt: Fakten sichten, fundierte Meinung bilden, den Bauch entscheiden lassen. Wenn Sie Ihre Finanzstrategie nicht mit Herz und Hirn umsetzen, werden Sie langfristig scheitern. Für die kleinen Finanzentscheidungen (welches Produkt soll ich kaufen), brauchen Sie kein Herz mehr. Hier reichen Excel und ein spitzer Bleistift.

Welche RK3-Produkte soll ich kaufen?

Hier würde ich eine Herangehensweise à la Sokrates empfehlen: "Ich weiß, dass ich nichts weiß." Das führt zur sogenannten passiven Anlagestrategie, die auf diesen Grundsätzen fußt:

  1. Niemand weiß, welche Aktie wann welchen Kurs haben wird.
  2. Den Markt langfristig zu schlagen ist unmöglich.
  3. Als Anleger kann ich nur die Produktkosten und die Kaufgebühren beeinflussen und die müssen runter. Je Aldi, desto besser.
  4. Ich kaufe, um zu behalten. Kein Trading.

Am besten lässt sich diese entspannte Anlagestrategie mit ETFs umsetzen. ETF steht für Exchange Traded Fund, also börsengehandelter Fonds. ETFs bilden einen Index und folgen diesem stur. Deshalb sind sie billig im Unterhalt und da sie jederzeit über die Börse gehandelt werden, entfällt der Ausgabeaufschlag. Empfehlenswert sind ETFs, die auf einen marktbtreiten Index, wie den MSCI World oder den MSCI Emerging Markets setzen. Diese Indizes bündeln hunderte von Firmen und werden regelmäßig angepaßt. Das bedeutet:

  • Firmen, denen es gut geht, steigen in dem Index auf oder werden stärker gewichtet.
  • Firmen, denen es schlecht geht, steigen aus dem Index ab oder werden schwächer gewichtet.

So ist das Risiko maximal gestreut. Sie kaufen "den Markt" statt einer einzigen Firma.

Fazit

Überprüfen Sie das bisherige Sicherheitskonzept Ihrer Finanzen und pflanzen Sie ein paar Bambus-Stauden zwischen Ihre Eichen. Diese Kombi wirkt renditesteigernd und risikosenkend. Immer wenn Sie zwei nicht oder wenig korrelierende Anlageklassen mischen, verschieben Sie die Zahlen zu Ihren Gunsten. Für diese Erkenntnis hat Markow den Alfred-Nobel-Gedenkpreis bekommen.

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