Generation Y - Zwischen Selbstverwirklichung und Altersarmut

15.03.2020 - Victoria Götz - 0 Kommentare

Generation Y - Zwischen Selbstverwirklichung und Altersarmut

Per Definition gehöre ich zur Generation Y. Ist Ihnen dieser Begriff bekannt? Als Generation Y werden Menschen bezeichnet, die zwischen 1980 und 1999 geboren wurden. Wir sind die „Millenials“. Wir sind die „Digital Natives“.

Ein Teil von uns wurde zu einer Zeit geboren, als die besten Disco-Hits ever aus Kassettenrekordern und Röhrenfernsehern dröhnten, die Menschen mit neonfarbenen Jogging- und Aerobicanzügen noch Mut zur Farbe bekannten und sich die Pforten zwischen Ost und West öffneten. Unsere Eltern trugen Dauerwelle und Vokuhila, hielten Schulterpads für das Must-have ihrer Zeit und diskutierten über die Politik unserer Helmuts Kohl und Schmidt. Luxus- und Markensucht erreichten durch den großen Einfluss der schillernden Pop-Musik ihren Zenit und stießen, begleitet von Diskussionen zur drohenden atomaren Bewaffnung, ein erstes kritisches Umdenken zu bewussterem Konsum an.

Dann kamen die 90er-Jahre. Als Kinder und Teenager wuchsen wir im Überfluss auf und die Jahre boten uns ein nicht weniger buntes Spielfeld: Bauchfrei, Plastik-Sonnenblumen, Spaghettiträger, Plateauschuhe, Akte X, Backstreet-Boys, Britney Spears und Flat Eric... – das waren noch Zeiten! Die größte Errungenschaft dieser Zeit war allerdings unumstritten die Öffnung des World Wide Webs für die Massen. Die Ära des Internets begann und legte neue Dimensionen der Informationsbeschaffung, der Konsummöglichkeiten, der Kommunikation und der Unterhaltung frei.

Doch wer sind wir heute? Wie hat uns diese aufregende, flippige Zeit geprägt? Was hat sie aus uns gemacht? Auf Wikipedia findet sich ein Eintrag zur soziologischen Charakterisierung der Generation Y. Dort werden wir „als überwiegend gut ausgebildet“ beschrieben. Wir besitzen anscheinend häufig einen Hochschulabschluss. Wir zeichnen uns durch einen technikaffinen Lebensstil aus, insbesondere deswegen, weil es sich bei uns um die erste Generation handelt, die größtenteils in einem Umfeld von Internet und mobiler Kommunikation aufgewachsen ist. Wir, die Mitglieder der Generation Y, arbeiten „lieber in Teams als in tiefen Hierarchien.” Wichtiger als Status und Prestige ist uns die Freude an der Arbeit. Mehr Freiräume, die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung. Wir lieben Gruppen-Aktivitäten. Mit uns entstand das Crowdfunding, das Geo-Caching und der Flashmob. Wir möchten mehr Zusammenhalt und Sinn, vor allem im Beruf. Mehr Zeit für Familie und Freizeit sind unsere zentralen Forderungen, sagt die gemeinnützige Online-Enzyklopädie. Kurz: Die Generation Y steht für Work-Life-Balance und Werteverschiebung. Wir hinterfragen die Angemessenheit alter Konstrukte, darum auch “Generation (wh)Y”.

Wir hinterfragen. Ständig! Wir fragen uns, warum wir mehr als 8 Stunden täglich einer Tätigkeit nachgehen sollen, die uns keinen Spaß macht. Warum wir unsere kostbare Lebenszeit für cholerische Chefs opfern sollen, um die wir privat einen weiten Bogen machen würden. Wir fragen uns, wie wir mehr aus unserem Leben machen können – mehr Erfahrung, mehr Freude, mehr Genuss. Auf unsere Vorgänger-Generationen wirken wir faul. Aber das ist nicht ganz richtig. Im Gegenteil, wir arbeiten gerne und geben alles, wenn nötig – aber nur, wenn das in unseren Augen auch Sinn stiftend ist. Der nach wie vor große konservative Teil der Arbeitswelt ist jedoch noch nicht auf unsere Bedürfnisse eingestellt. Warum auch etwas ändern, wenn es bisher immer funktioniert hat? Zwangsläufig werden wir also zu Job-Touristen. Viele von uns wechseln häufig den Arbeitsplatz und hoffen, irgendwann in ihrem persönlichen Berufsparadies anzukommen. Dabei verzichten wir oft auf gute Verdienste, um lieber in Start-Ups unser Glück zu finden oder bei fehlendem Angebot einfach selbst eines zu gründen.

Ich persönlich bin ja eigentlich kein Fan von Kategorisierungen und lasse mich erst recht nicht gerne in eine Schublade stecken, aber es scheint, als wäre ich geradezu ein Paradebeispiel für meine Generation: Ich habe zwei Ausbildungen, einen Hochschulabschluss, bin angestellt, gleichzeitig selbstständig und stehe kurz davor ein eigenes Unternehmen zu gründen. Mein Xing-Lebenslauf weist inklusive Praktika, Nebenjobs, ehrenamtlichen Tätigkeiten und Zertifizierungen mehr als 20 Positionen auf, die Anzahl meiner Kunden dabei nicht eingerechnet. Die letzten 4 Jahre tingelte ich als digitale Nomadin durchs Ausland, sah die Welt, reflektierte mein Tun, philosophierte über den Sinn des Lebens und arbeitete mit virtuellen Teams zusammen, in denen ich mit meinen Chefs seit dem ersten Bewerbungsgespräch via Videotelefonie per Du bin. Klingt abenteuerlich? Ist es auch. Und für nichts auf der Welt möchte ich das aufgeben. Ich fühle mich lebendig.

Doch wissen Sie, wie meine Generation außerdem genannt wird? Generation Altersarmut. Und wollen Sie auch wissen, wie das meiner Meinung nach so weit kommen konnte? Weil wir wenig bis keine Ahnung vom Umgang mit Geld haben. Aber fangen Sie jetzt bloß nicht an, über meine Generation zu lachen. Denn das Traurige ist, dass wir, die Mitglieder der Generation Y, damit nicht allein sind. Die Altersarmut ist auch für die Generationen vor und nach der meinigen ein relevantes Thema. Betroffen sind bereits erste Exemplare der Babyboomer (1946 bis 1964). Die Generation X (1965 bis 1980) wird es als nächstes zu spüren bekommen. Für die Generation Z (1997 bis 2010) sehen die Prognosen auch nicht rosiger aus. Meiner Beobachtung nach sitzen wir also alle im gleichen sinkenden Boot.

Gibt es einen Ausweg aus dieser Misere? Hin und her gerissen zwischen Work-Life-Balance und finanzieller Sicherheit durch einen Job, der von mir abverlangt, meine Werte über Bord zu werfen? Soll ich denn den unschuldigen Montag bis zu meinem Renteneintritt verteufeln oder doch darauf warten, bis ich mit Mitte 40 meine erste Burnout-Diagnose bekomme? Darauf hab’ ich halt einfach mal echt kein Bock. Sorry, not sorry!

Ich bin davon überzeugt, dass es eine andere Lösung gibt. Aus diesem Grund beginne ich im Jahr 2020 eine neue Reise. Meine ganz persönliche Finanz-Forschungs-Reise. Und auf diese möchte ich Sie gerne mitnehmen. Am Ende winkt entweder das fruchtbare Neuland, verbrannter Boden oder ich kentere bereits auf halber Strecke. Ich werde schonungslos offen sein, über Ängste, Zweifel und finanzielle Schanden sprechen. Ich lasse Sie an meinen Erkenntnissen teilhaben und hoffe, Sie stehen mir mit Ihren Gedankenanstößen zur Seite. Denn abgesehen von Ihnen werde ich sicherlich auf Menschen treffen, die es gut mit mir meinen, aber auch auf Menschen, die einfach lieber fressen als gefressen zu werden. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt, nicht wahr? Die passende Geld- und Job-Strategie ist irgendwo da draußen. Meine Schatzsuche beginnt und ich hoffe, ich muss nicht erst in den polnischen Wald, um sie mit einer Handvoll Nazigold zu beenden - so abenteuerlich das auch klingen mag.

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