Lebens- und Rentenversicherungen – Noch vor dem 31.12. zuschlagen?

Letzte Aktualisierung: 15.12.2014 |

Abschluss einer Lebens- oder Rentenversicherung bis 31.12.2014 sinnvoll?

In den vergangenen Tagen erreichten mich immer mehr E-Mails und Anrufe mit der gleichen Frage: „Lohnt der schnelle Abschluss einer klassischen Lebens­- oder Rentenversicherung noch?“ Schließlich rät die geballte Finanzindustrie dazu, den Versicherungsordner noch einmal um ein solches Produkt zu ergänzen, denn der sogenannte Rechnungszins, oft auch fälschlicherweise als Garantiezins bezeichnet, fällt am 01.01.2015 von 1,75 % auf 1,25 %. Wer bis Jahresende noch einen Vertrag abschließt, für den gelten die vermeintlich attraktiven 1,75 %, weshalb Vermittler zum Teil heftigen Druck auf ihre Kunden ausüben undschnell noch zum Abschluss raten. Doch lohnt sich das Ganze wirklich?

Ich muss auf diese Frage mit einem deutlichen „eventuell“ antworten. Eigentlich lohnt es sich überhaupt nicht, weil die Tarife mit so hohen Abschlusskosten belastet sind, dass Sie oft erst nach Jahren wieder auf Ihren ursprünglich eingezahlten Beitrag kommen. Tolle Geldanlage! Der Versicherer braucht in der Regel zwischen 3 und 5 Jahre (!), um Ihnen bei einer Einmalanlage den eingezahlten Beitrag wieder als garantierten Rückkaufswert auszuweisen. Wo das Geld hin ist? Na bei Ihrem sogenannten Finanzberater, Bankberater, Versicherungsexperten oder auch Finanzoptimierer. Bei Policen gegen laufenden Sparbeitrag ist es oft noch viel dramatischer. Denn die Abschlusskosten beziehen sich bei einem solchen Vertrag auf die gesamte Beitragssumme, die sie vielleicht oder vielleicht auch nicht in den kommenden Jahren einzahlen möchten. Hier dauert es bis zu 12 Jahre, bis Sie wieder grüne Zahlen sehen.

Auf der anderen Seite kann es sich vielleicht doch lohnen, nämlich dann, wenn Sie von Ihrem Berater einen Honorartarif verlangen. Das sind identische Bedingungswerke, aber eben ohne die zum Teil erstaunlich hohen externen Abschlussprovisionen. Bei einer Einmalanlage von 25.000 € sparen Sie so ziemlich genau 1.000 € Abschlusskosten. Bei einem Monatsbeitrag von 100 € und einer Laufzeit von 20 Jahren sind es ebenfalls ca. 1.000 € an Provisionen. Das sind die Beträge, die Ihr Berater für den Abschluss einer solchen Versicherung erhält – für 1 Stunde Kaffeetrinken und schlaues Zeug daherreden, um es einmal direkt auszudrücken.

Die Wahl eines Tarifes ohne Provisionen ist also entscheidend dafür, ob eine solche Versicherung als Geldanlage überhaupt in Betracht kommt oder nicht. Ihr klassischer Bank­- oder Finanzberater wird sicherlich kreidebleich werden (es sei denn, es handelt sich um einen Honorarberater), wenn Sie so etwas verlangen, aber seit kurzer Zeit bieten nahezu alle Versicherungsgesellschaften derartige Tarife an. Ihr Berater ist es vielleicht nicht gewohnt, für seine Beratung ein Honorar zu erhalten, sondern Provisionen für einen Abschluss. Bei den aktuellen Zinsniveaus ist es meiner Meinung nach aber schon fast sittenwidrig, die Tarife mit so horrenden Kosten zu belasten. Bezahlen Sie Ihrem Berater daher lieber ein bis zwei Stunden zu einem guten Stundensatz, sollten Sie sich tatsächlich für ein solches Produkt interessieren.

Rendite-Vergleich einer Rentenversicheurng mit und ohne Provision

In der obigen Grafik finden Sie eine Berechnung zur Einschätzung einer 12-­jährigen Anlage von exemplarischen 25.000 € ­ einmal mit und einmal ohne Provision für den Berater. Das Ergebnis: Nach 12 Jahren kommen Sie bei einem Provisionstarif im Rechenbeispiel mit Tarifen der Alte Leipziger auf eine garantierte Rendite von nur 1,17 %! Wo sind die 1,75 % Garantiezins hin? Die Differenz finden Sie in der Steuererklärung Ihres Finanzberaters. Das Problem dabei wirkt absolut gesehen noch eklatanter: Nach 12 Jahren fehlen Ihnen im Vergleich zu einem Honorartarif satte 1.521,50 €. Je länger die Laufzeit (und das kann bei den derzeitigen Marktverhältnissen und ­-aussichten je nach Lebenssituation durchaus Sinn machen), desto größer wird dieser Unterschied. Der Honorartarif kommt nach 12 Jahren immerhin auf garantierte 1,61 %. An solche Konditionen für weitgehend sichere Geldanlagen wird sich vielleicht schon bald niemand mehr erinnern, befürchte ich.

Darüber hinaus wissen wir über die möglichen Überschüsse der Versicherer in den kommenden Jahren nur soviel, als dass viele Versicherer in 2015 teils drastische Kürzungen ihrer nicht garantierten Überschüsse vornehmen. Alle Versicherer agieren an den gleichen Kapitalmärkten und der Gesetzgeber senkt den maximalen Rechnungszins nicht ohne Grund. Wer Ihnen viel in Angeboten über längere Zeiträume verspricht, ist nicht selten eher unseriös. Der Abschluss eines Honorartarifes kann durchaus sinnvoll sein, wenn er in die Lebens­- und Vermögenssituation des Anlegers passt. Einige Gesellschaften erlauben z. B. auch spätere Zuzahlungen zu alten Konditionen, was in der Zukunft u. U. ein Vorteil sein könnte. Eine Liste geeigneter Gesellschaften finden Sie hier zum Download. Unternehmen mit weniger als 3 von 5 Sternen halte ich für bedenklich (Bewertung durch die Ratingagentur Morgen & Morgen).

Auch von Abschlüssen von Produkten ohne garantierten Rechnungszins rate ich ab. Die Allianz nennt diese Produktgeneration „Perspektive“. Fragt sich nur, für wen die Perspektive besser ist – für den Kunden oder den Allianz­-Aktionär? Bei der AXA heisst dieses Produkt „Relax“. Ein weiteres Wortspiel dazu erspare ich Ihnen. Es ist doch erstaunlich, dass es gerade die größten und börsennotierten Versicherer für eine ganz große Idee halten, Ihnen keinen garantierten Rechnungszins mehr anzubieten.

Alternativen prüfen!

Am Ende sollten Sie einmal prüfen (lassen), ob nicht eine klassische Festgeldanlage oder ein Sparplan lukrativer wäre. Hier kommt es sehr auf Ihre persönliche Lebens-­ und Vermögenssituation an. Gerade Festgeld bietet für Laufzeiten bis 10 Jahren meist die bessere Rendite, erlaubt allerdings keine regelmäßigen Sparbeträge. Sparpläne ermöglichen dies zwar, werden dafür aber häufig weniger gut verzinst. In bestimmten Fällen kann sich eine Lebens­- oder Rentenversicherung auch aufgrund der Steuervorteile lohnen. Zudem können die Versicherer, zumindest theoretisch, auch höhere Zinsen zahlen, wenn die Überschüsse üppiger ausfallen als erwartet, auch wenn dies aufgrund des aktuellen Zinsniveaus abwegig erscheint. Bei Festgeld und Sparplänen ist nach oben dagegen keine Luft, sollte sich das Zinsniveau in den kommenden 10 bis 20 Jahren doch wieder erholen.

Lassen Sie sich in jedem Falle nicht von der Angstmacherei und den Werbeversprechen der Versicherer blenden und analysieren Sie ganz nüchtern, was Sie tatsächlich brauchen. Eine Beratung auf Honorarbasis nimmt dabei den Verkaufsdruck aus dem Gespräch, denn manchmal ist das Nichtstun sinnvoller als der hektische Abschluss eines vermeintlich lukrativen Vertrages. Gern können Sie sich hierzu auch bei mir melden (ein wenig Eigenwerbung sei mir hier gestattet). Warum ich das schreibe? Weil mir in letzter Zeit häufiger der Kragen platzt, wenn ich beobachte, wie Kunden legal betrogen und zum Abschluss aufgefordert werden. Gerade zu Weihnachten muss ein solches Verhalten wirklich nicht sein.Sollten Sie sich einen solchen Vertrag in den letzten Tagen vor Weihnachten eingefangen haben, dann überraschen Sie doch den Vermittler dieses Übergriffs auf Ihre Finanzen mit einem fröhlichen weihnachtlichen Widerruf.

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