Kommentar: Was bedeutet Trump für Ihre Geldanlage?

Letzte Aktualisierung: 30.11.2016 | Stefan Erlich

Was bedeutet Trump für Ihre Geldanlage?

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Am 08. November 2016 wurde Donald Trump zum neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten Amerikas gewählt. Es wurde und wird viel über ihn geschrieben. Die einen verteufeln ihn und rufen das Ende der Demokratie aus. Andere wiederum lieben ihn für seine klaren und direkten Worte und dafür, dass er auch dem Establishment gegenüber kein Blatt vor den Mund nimmt. Er ist ein Mann, der die USA spaltet und außerhalb des Landes vor allem für Ratlosigkeit sorgt. Ist er nun gut oder schlecht für die USA, für Deutschland, für die Welt? Eine einfache Antwort darauf gibt es nicht. Ich möchte im Rahmen dieser Kolumne aber ohnehin eine etwas andere Frage stellen: Was bedeutet Trump für Ihre Geldanlage?

Die Frage mag ein wenig absurd wirken, denn was soll ein amerikanischer Präsident mit den Geldanlagen der Deutschen zu tun haben? Es steckt jedoch mehr in dieser Frage als vielleicht auf den ersten Blick sichtbar ist. Ist Trump gut für die Sicherheit von Banken? Werden durch ihn und seine Politik die Zinssätze und Aktienmärkte steigen? Kommt es dank seiner Entscheidungen zu einem globalen Wirtschaftsaufschwung oder naht doch die nächste Rezession? Es stellt sich zudem die generelle Frage, inwiefern Politiker Einfluss auf derartige Entwicklungen haben und ob es Sinn macht, ihnen im Kontext der Geldanlage so viel Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Doch schauen wir uns die verschiedenen Aspekte zunächst etwas genauer an.

Positive Aussichten?

Für konservative Anleger ist vor allem die Sicherheit von Banken interessant. Klassische Banken leben von der Vergabe von Krediten, z. B. für Immobilien, Großprojekte oder auch den Kauf von Autos und anderen Konsumgütern. Können Kredite vergeben werden und werden diese Kredite pünktlich zurückgezahlt, geht es Banken gut. Doch wann werden Kredite von Unternehmern und Bürgern aufgenommen? Vor allem dann, wenn die Aussicht darauf besteht, dass sie damit einen Mehrwert/Gewinn erwirtschaften können bzw. damit gerechnet werden kann, dass das zukünftige Einkommen für Tilgung und Zinszahlung ausreicht. Es hängt also vor allem an den positiven Aussichten der Marktteilnehmer. Nur wenige dürften Kredite aufnehmen wollen, wenn sie eine pessimistische Sicht auf die Zukunft haben.

Führt Trump bei Marktteilnehmern nun zu einem positiven Blick auf die Zukunft? Er hat den Amerikanern ein groß angelegtes Konjunkturprogramm für den Bau von Straßen, Brücken und Krankenhäusern versprochen, was durchaus für positive Stimmung sorgen könnte. Gleichzeitig hat er aber auch angekündigt, Handelsabkommen aufzukündigen oder zumindest neu zu verhandeln und die amerikanische Wirtschaft notfalls durch höhere Zölle vor günstigen Importen zu schützen. Das kann Deutschland nutzen, wenn es vor allem die von Trump häufig attackierten Länder China und Mexiko trifft. Es kann uns aber auch schaden, wenn z. B. für die groß angekündigten Infrastrukturprojekte deutsche Firmen wie HeidelbergCement ausgeschlossen werden. Wir wissen aktuell schlichtweg zu wenig, um die Folgen der Trumpschen Politik vernünftig einschätzen zu können.

Trump bedeutet Unsicherheit

Es bleibt daher vor allem eine Erkenntnis: Trump bringt Unsicherheit. Er scheint unberechenbar und niemand weiß, ob er seiner bisher propagierten radikalen Linie in den kommenden Jahren treu bleiben wird. Vielleicht führt sein Konjunkturprogramm zu einem deutlichen Wirtschaftsaufschwung, der auch auf Deutschland übergeht. Vielleicht finden wir uns aber auch in einem protektionistischen Handelskrieg wieder, der letztlich allen Parteien schadet. Wir wissen es schlichtweg nicht. Unabhängig davon sollten wir uns aber fragen, ob es überhaupt Sinn macht, nach dem Einfluss von Politikern auf Geldanlagen zu fragen. Nachdem sich andeutete, dass Trump gewinnen würde, drehten die Börsen weltweit ins Minus. Nachrichtenmagazine riefen bereits den großen Crash aus, nur um ein paar Stunden später zu verkünden, dass es die Börsen nun doch ins Plus geschafft hätten. Das Ganze erinnerte mich stark an den u. a. von Gerd Kommer in seinem Buch verwendeten Begriff der “Finanzpornografie” - viel Tamtam und Aufregung mit am Ende wenig Inhalt.

Seit Anfang November steigen weltweit die Zinsen wieder leicht, was sich gut an den sinkenden Kursen der amerikanischen und deutschen Staatsanleihen erkennen lässt. Gleichzeitig hat der Aktienindex Dow Jones ein neues Allzeithoch erklommen. Gut für Anleger? Ein Anzeichen für positive Zukunftsaussichten? Vielleicht sind höhere Zinsen aber angesichts der enormen Schuldenberge vieler Staaten als Gefahr zu sehen? Sollten wir vielleicht besorgt darüber sein, dass die Aktienmärkte seit der Finanzkrise praktisch ohne größere Korrektur nach oben gewandert sind? Fragen Sie mich etwas leichteres. Meine Botschaft ist ohnehin eine davon völlig losgelöste: Niemand hat auf diese Fragestellungen eine befriedigende Antwort. Diejenigen, die vorgeben, eine solche zu haben, ändern wahrscheinlich morgen schon ihre Meinung und müssen dafür noch nicht einmal Konsequenzen fürchten, ähnlich wie die Aktienanalysten, die den Trump-Crash ausriefen, nur um kurze Zeit später von positiven Renditen zu berichten.

Was Privatanleger nicht tun sollten

Was machen wir, die Privatanleger, aber nun in so unsicheren Zeiten? Zwei Dinge sollten wir definitiv nicht tun: Wir sollten den Aussagen der vielen Experten in den großen Nachrichtenmagazinen keinen Glauben schenken, insbesondere dann nicht, wenn sie mit konkreten Aussagen bzgl. der Zukunft zu punkten scheinen (z. B. “Trump ist gut für die Aktienmärkte!”). In der Regel haben Experten genauso wenig Ahnung von der Zukunft wie wir selbst. Ihre Behauptungen und Prognosen basieren auf spekulativen Szenarien. Diese können stimmen, müssen aber nicht, was die ganze Sache für uns wertlos macht, denn danach zu handeln ist praktisch unmöglich.

Zum anderen sollten wir nicht versuchen, die eine sichere Anlage oder Bank zu finden. Ich weiß, das widerspricht dem inneren Streben vieler Anleger, aber es ist letztlich der einzige Schutz vor den möglichen Folgen versteckter und unkalkulierbarer Risiken. Professionelle Investoren streuen ihr Vermögen seit jeher auf möglichst viele verschiedene Anlagen. Privatanleger versuchen dagegen immer wieder, alles auf die eine sichere Aktie (Deutsche Telekom), die eine sichere Bank (Lehman Brothers) oder die eine vielversprechende Anleihe (Prokon) zu setzen - mit verheerenden Folgen.

Wir sollten uns nicht anmaßen, die tatsächlichen Auswirkungen der Wahl Trumps prognostizieren zu können. Für mich ist es vor allem die Unberechenbarkeit dieses Mannes, die mir Sorgen macht. Diese kann sich aber sowohl positiv als auch negativ auf die Märkte und die verschiedenen Arten der Geldanlage auswirken. Auf das eine spezifische Ergebnis würde ich nicht wetten wollen. Lieber streue ich breit über Aktien (in Form von ETFs), Anleihen (ebenfalls in Form von ETFs), Tagesgeldkonten, Festgeld, Crowdfunding, Gold und lasse Marktkommentatoren links liegen. Das sorgt nicht nur für besseren Schlaf, sondern macht mein Anlageportfolio robuster gegenüber unvorhersehbaren Ereignissen in der Zukunft. Trump ist dann im besten Fall nur noch eine unterhaltsame Figur mit lustigem Haarschnitt, die hoffentlich nicht zu viel Unheil in der Welt anrichten wird.

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