Crowdinvesting bringt Verluste! Na und?

Letzte Aktualisierung: 14.02.2017 | Stefan Erlich

Crowdfunding ist eine mit Verlusten verbundene Geldanlage! Na und?

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Hinweis: In diesem Artikel beziehe ich mich primär auf das Crowdfunding von Immobilien, Erneuerbaren Energien und Energieeffizienzprojekten, oftmals auch Crowdinvesting genannt. Das Crowdfunding von Startups ist eine ganz andere Thematik und wird von uns hier nicht betrachtet. Startup-Crowdfunding halten wir als Geldanlage für ungeeignet.

Eigentlich wollte ich diesen Monat über das Thema Steuern schreiben, denn erstens wird dieses im Kontext von Crowdfunding gerne vernachlässigt und zweitens gibt es dabei in Bezug auf die verschiedenen Plattformen einige Unterschiede. Doch dann stolperte ich Ende Januar über einen Artikel zur drohenden Insolvenz des Immobilienvermarkters “Valerum Invest”. Eine Krankenkasse, der Valerum noch Beiträge schuldete, hatte beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg einen Antrag auf Insolvenz des Unternehmens gestellt. Wenig später nahm diese den Antrag wieder zurück, da die ausstehenden Zahlungen doch noch geleistet wurden, Valerum Invest ist also vorerst nicht insolvent. Insgesamt ist das alles eigentlich kein spektakulärer Vorgang, schließlich gehören Unternehmensinsolvenzen zu einer funktionierenden Wirtschaft dazu.

Das Ganze ist jedoch deswegen so interessant, weil die Firma im Crowdfunding-Markt keine Unbekannte ist. Bei mehreren über Exporo finanzierten Projekten (Kaufhaus Held, Globus Villa, Marianneum, Neu Fahrland) war und ist sie zumindest als Vermarkter der Immobilien beteiligt und auch bei den über Zinsland angebotenen Selfstorage-Parks in Duisburg und Leipzig tritt sie in der Projektbeschreibung als Partner auf. Nach dem Lesen des Artikels musste ich erst einmal schlucken, denn der mögliche Ausfall so vieler Projekte wäre schon ein starkes Stück gewesen. Nun muss man fairerweise aber etwas bremsen, denn zum einen tritt Valerum bei den Projekten nicht direkt als Schuldner auf und zum anderen wurde der Insolvenzantrag, wie oben bereits geschrieben, vorerst wieder zurückgenommen. Es verbleibt aber dennoch ein ungutes Gefühl bei der Sache.

Wir alle haben die Risikohinweise auf den Crowdfunding-Plattformen gelesen und brav akzeptiert. Eigentlich sollte uns, auch aufgrund der ungewöhnlich hohen Zinsen, klar sein, dass ein hohes Risiko mit der Möglichkeit eines Totalverlustes unseres Investments besteht. Und dennoch jagt einem so eine Meldung wie die zu Valerum einen großen Schrecken ein. Theoretisches Verlustrisiko und tatsächlich eintretende Verluste sind gefühlsmäßig zwei verschiedene Dinge, ganz nach dem Motto: “Totalverlustrisiko? Das wird mir schon nicht passieren!”. Zeit für eine nüchterne Betrachtung dieser Anlageklasse und eine klare Ansage: Crowdfunding bringt Verluste mit sich! Allerdings ist das nicht zwangsläufig schlimm, sofern man gewisse Spielregeln beachtet und sich schützt.

Ein Cocktail aus Interessenkonflikt und Totalverlustrisiko

Wenn es aus all den Skandalen, Pleiten und Klagen geschädigter Anleger der letzten Jahrzehnte für mich eine Lehre gibt, dann ist es diese: Unternehmen, die am Abschluss von Anlageprodukten proportional Geld verdienen, haben ein inhärentes Interesse daran, Fakten zu beschönigen. Crowdfunding-Plattformen verdienen mit jedem Euro, den Sie als Anleger investieren, eine gewisse Vermittlungsgebühr. Je mehr Projekte finanziert werden, um so höher sind die Einnahmen. Das ist nicht grundsätzlich verwerflich, wirft aber Fragen hinsichtlich der Projektqualität auf. Natürlich behauptet jede Plattform, die eigenen Projekte seien besonders genau geprüft und besser als die der Konkurrenz. In vielen Fällen mag das auch stimmen, schließlich haben die Plattformen durchaus ein Eigeninteresse daran, bei einem Ausfall nicht von den Medien zerrissen zu werden. Überprüfen lässt sich das allerdings kaum, weshalb ein gesundes Maß an Skepsis nicht ganz unangebracht ist.

Dazu kommt, dass die genutzten Nachrangdarlehen als Anlageform per se ein hohes Ausfallrisiko mit sich bringen, da es zum einen keine Sicherheiten für den Kredit gibt und zum anderen die Rückzahlung durch den Schuldner hinausgezögert werden kann, wenn dies seine Insolvenz bedeuten würde. Wir haben es also bei Crowdfunding mit Plattformen zu tun, bei denen wir uns aufgrund ihres Interessenkonfliktes nie ganz sicher sein können, ob sie hinsichtlich der Qualität der Projekte alle Fakten offenlegen, und zu allem Übel auch noch mit einer Anlageform, die allein schon aufgrund ihrer Strukturierung ein hohes Risiko aufweist. Keine gute Kombination also, oder? Einige Verbraucherschützer hören an dieser Stelle auf und verteufeln das Ganze wahlweise als Abzocke oder Glücksspiel. Doch damit machen sie es sich aus meiner Sicht zu leicht.

Diversifikation - Der Airbag des Crowdfundings

Ein Anlageprodukt oder eine Anlageklasse ist nicht automatisch schlecht, nur weil sie hohe Verlustrisiken aufweist. Entscheidend ist, welche Möglichkeiten Anleger haben, das eingegangene Risiko zu bändigen, sprich, den möglichen Verlust zu minimieren, ohne gleichzeitig die Kosten in die Höhe zu treiben und die Rendite zu beschneiden. Hierfür bleibt Ihnen in der Regel nur die Diversifikation (nicht die Projektprüfung!). Im Bereich von Aktien und Anleihen erreicht man dies z. B. durch breit streuende Fonds, idealerweise in Form von sehr kostengünstigen Exchange Traded Funds (ETFs). In einzelne Aktien wie VW, Daimler, Nestle oder Siemens zu investieren, gilt heute unter guten Anlageberatern als reine Spekulation - als Geldanlage ungefähr so sinnvoll wie der Besuch im Casino. Eine wichtige Lehre auch für uns Crowdfunding-Anleger.

Weil wir nicht wissen können, wie gut Exporo, Zinsland, iFunded und Co. ihre Projekte prüfen, sollten wir uns nicht auf ihre Versprechungen und die Sicherheit einzelner Projekte verlassen. Genauso wie gute Anlageberater von Einzelaktien abraten, raten wir im Crowdfunding-Bereich von größeren Investments in nur wenige Projekte ab. Das hören Sie jetzt als regelmäßiger Leser unseres Newsletters wahrscheinlich zum 100. Mal, allerdings kann ich diesen Punkt nicht oft genug wiederholen, auch weil ich immer wieder sehe, wie sich Anleger dagegen sträuben. Dabei bietet gerade Crowdfunding die Möglichkeit, mit relativ geringen Anlagebeträgen (meist ab 500 €) ähnlich zu einem ETF ein breit gestreutes Portfolio aufzubauen. Diese Möglichkeit sollten wir nutzen!

Crowdfunding ist ein mit hohem Verlustrisiko verbundenes Investment und Verluste bei einzelnen Projekten werden kommen. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Der eingangs beschriebene Fall “Valerum Invest” war nur ein Vorgeschmack auf das, was wir zu sehen bekommen werden, sobald der Immobilienmarkt in Deutschland nicht mehr so rund läuft wie aktuell. Doch meine Schlussfolgerung daraus ist NICHT, deswegen die Finger von Crowdfunding zu lassen. Die Schlussfolgerung sollte sein, sich durch Diversifikation so zu schützen, dass, wenn es dazu kommt, Sie höchstens kurz mit der Schulter zucken, denn als schlauer Anleger haben Sie nicht nur in ein Projekt investiert, sondern in 30, 40 oder vielleicht sogar 50. Wenn dabei ein Fall wie Valerum Invest dabei ist und ein, zwei Projekte ausfallen, schmälert das zwar ein wenig Ihre Rendite, aber es ruiniert Sie nicht.

Was ein Gemüsegarten mit Ihrer Geldanlage zu tun hat

Der deutsche Finanzblogger “Der Privatier” brachte es im Kontext des Valerum-Falls in seinen Kommentaren auf den Punkt: “Ich habe auch bei meinen Investments in Aktien, Anleihen, Derivaten u.a. schon manche negative Erfahrungen machen müssen, dennoch wäre ich schlecht beraten gewesen, diese Aktivitäten aufzugeben.” Die Vorstellung, es gäbe ein Anlageprodukt, das konstant hohe Renditen bei hoher Sicherheit liefert, ist schlichtweg illusorisch. Crowdfunding-Projekte sind dabei wie Tomaten im Gemüsegarten. Ohne die Kartoffeln, Radieschen und Kohlrabis nebenan wären sie sinnlos, schließlich wollen Sie sich ja nicht permanent nur von Tomaten ernähren. Zudem macht eine einzige Tomatenpflanze auch wenig Sinn, schließlich können Sie nicht wissen, ob der eine gepflanzte Samen überhaupt gedeihen wird, egal wie sorgfältig Sie ihn ausgewählt haben.

Die Diversifikation, die wir im Gemüsegarten in Form von verschiedenen Sorten und mehreren Pflanzen je Sorte so selbstverständlich betreiben, ist vielen Anlegern im Bereich der Geldanlage erstaunlich fremd. Einzelne Pflanzen sterben und so fallen auch beim Crowdfunding einzelne Projekte aus. Das ist ein natürlicher Vorgang. Entscheidend ist, dass wir auch nach den zu erwartenden Ausfällen noch genug Gemüse/Rendite ernten können, um uns zu ernähren bzw. von einer positiven Rendite zu sprechen. Und sollte der Sommer einmal besonders trocken werden und die Ernte besonders schlecht ausfallen, so sollten wir über genügend Puffer verfügen, um dennoch überleben zu können. Ohne den Puffer für die täglichen Ausgaben für einen absehbaren Zeitraum auf dem Tagesgeldkonto ist Crowdfunding aus meiner Sicht daher ein absolutes Tabu.

Wenn Sie das nächste Mal eine Meldung wie die zu Valerum Invest lesen, dann erinnern Sie sich daran, dass solche (möglichen) Verluste essentieller Bestandteil dieser Anlageklasse sind. So wie in Ihrem Gemüsegarten einige Pflanzen sterben, werden auch nicht alle Crowdfunding-Projekte überleben. Dabei gibt es selbst mit breiter Diversifikation leider keine Garantie auf positive Renditen, aber Sie optimieren zumindest Ihre Chancen darauf und reduzieren die Höhe der potentiellen Verluste. Dabei ist es auch keine Schande, sich aus dem Bereich Crowdfunding zurückziehen, wenn man nicht die Möglichkeit hat, so breit wie von mir gefordert zu streuen. Schwierig ist aus meiner Sicht eher, zu glauben, man hätte mit einem Crowd-Investment von 10.000 € in ein Projekt eine gute Geldanlage gefunden.

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Im Folgenden finden Sie unsere aktuellen Anlage- und Finanztipps. Beachten Sie insbesondere beim Crowdinvesting die Risikohinweise.

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