Rendite & Risiko – Ein schwieriges Verhältnis

Letzte Aktualisierung: 01.05.2017 | Stefan Erlich

Wie ist das Verhältnis zwischen Rendite und Risiko und was sollte man als Anleger in diesem Kontext beachten?

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Jeder Anleger dürfte schon einmal vom Zusammenhang zwischen Rendite und Risiko gehört haben. Die beiden Faktoren sind eng miteinander verknüpft, denn ohne Risiko gibt es keine Rendite. Es ist die eiserne Regel des Investierens und sie gilt für alle Anlageklassen, egal ob Sparbuch, Tagesgeld, Festgeld, Crowdinvesting, Aktien, Gold oder Immobilien. Wer z. B. behauptet, Tagesgeld sei absolut sicher, der lebt in einer Traumwelt, denn der Glaube an die Sicherheit der Einlagensicherung ist vor allem eines: ein Irrglaube! Die real vorhandenen finanziellen Möglichkeiten der Einlagensicherungsfonds sind viel zu gering, um auch nur eine mittelgroße Bank in Deutschland aufzufangen. Aber das wissen Sie als treuer Leser unseres Newsletters sicher schon.

Nun soll diese Kolumne nicht dazu dienen, Sie in Panik zu versetzen. Tages- und Festgeld sind noch immer die sichersten Anlageformen, die wir derzeit zur Verfügung haben. Das Risiko ist bei dieser Anlageform äußerst gering, kann aber im Ernstfall große Auswirkungen auf Ihr Vermögen haben. Dabei ist Risiko der von Privatanlegern wohl am wenigsten verstandene Aspekt bei der Geldanlage. Fragen Sie sich selbst einmal, wie Sie Risiko definieren würden? In Prozent? In Euro? Als Totalverlust? Als Wertschwankung? Ist der Verlust von Kaufkraft durch die Niedrigzinsen vielleicht auch schon ein Risiko? Hören Sie an dieser Stelle nicht auf zu lesen! Ich verspreche Ihnen, nach der Lektüre dieses Artikels werden Sie beim nächsten Grillabend brillieren.

Risiko-Schmisiko - Höchstens ein Fall für Langstreckenpiloten

Wissen Sie, wie wahrscheinlich es ist, mit einem Flugzeug abzustürzen? Statistisch gesehen müsste man satte 67 Jahre ununterbrochen fliegen, um von einem solchen Unglück betroffen zu sein. Das klingt reichlich unwahrscheinlich, denn der Durchschnittsbürger sitzt höchstens zweimal im Jahr für ein paar Stunden im Flieger. Also ein vernachlässigbares Risiko? Nicht ganz, denn entscheidend ist nicht allein die Wahrscheinlichkeit, sondern das Zusammenspiel mit der Schadenshöhe. Bei einem Flugzeugabsturz ist der Schaden sehr hoch, denn diesen überlebt man in der Regel nicht. Entsprechend groß ist die Angst vor einem Absturz, denn so klein die Wahrscheinlichkeit auch sein mag - wenn etwas passiert, endet es in der Regel nicht mit einem Happy End.

Das Beispiel soll illustrieren, dass Risiko stets aus zwei Komponenten besteht, der Eintrittswahrscheinlichkeit und der Schadenshöhe. Bei einem Tages- oder Festgeldkonto ist die Eintrittswahrscheinlichkeit einer Bankenpleite und der Zahlungsunfähigkeit der Einlagensicherung sehr gering, aber die Schadenshöhe je nach persönlicher Vermögenssituation sehr hoch, denn viele Menschen haben ihre eiserne Reserve auf solchen Konten deponiert und ein Totalverlust wäre für sie katastrophal. Das Risiko einer Anlage kann also hoch sein, auch wenn die Wahrscheinlichkeit selbst extrem gering ist. Umgekehrt kann das Risiko aber trotz einer geringen Schadenshöhe (z. B. einer Erkältung) hoch sein, nämlich dann, wenn die Wahrscheinlichkeit hoch ist.

Leider reden selbst Experten im Geldanlage-Bereich nur pauschal vom “Risiko”, ohne näher zu spezifizieren, ob das Risiko nun aus einer hohen Eintrittswahrscheinlichkeit oder einer hohen Schadenshöhe resultiert (oder vielleicht sogar beidem). Viele Anleger sind bis heute der Meinung, dass Aktien zu risikoreich seien, aber sie können nicht genau beschreiben, was sie damit eigentlich genau meinen. Bei dieser Anlageklasse misst man Risiko zumeist etwas anders als oben beschrieben, und zwar als Schwankungsbreite, sprich, dem historisch beobachteten möglichen Wertzuwächsen und Wertverlusten. Aktien können z. B. um 200 % an Wert zulegen oder über 60 % an Wert verlieren. Beides sind historisch beobachtete Entwicklungen.

Aktien werden als risikoreich wahrgenommen, weil sie eine hohe Schwankungsbreite aufweisen. Dabei erstreckt sich diese sowohl in die Gewinn- als auch Verlustzone, sodass die Aussage “Aktien weisen ein hohes Risiko auf!” zwar nicht falsch, aber doch nur die halbe Wahrheit ist. Eher zutreffend wäre eine Aussage wie “Man kann viel gewinnen, aber auch viel verlieren!”. Aktien weisen dabei historisch gesehen eine Asymmetrie auf, denn man konnte langfristig stets mehr gewinnen als es höchstens zu verlieren gab. Auf Basis der Daten aus der Vergangenheit ist diese Anlageklasse daher besser als Roulette zu spielen und wird von Anlageberatern für den langfristigen Vermögensaufbau favorisiert, auch aufgrund der mittlerweile einfachen Streuung über tausende von Aktien mittels ETFs.

Nun soll dieser Artikel nicht dazu dienen, Sie in die (Un-)Tiefen der Risikoanalyse einzuführen. Vielmehr geht es mir darum, Sie zum Reflektieren über Ihre eigene Anlagestrategie anzuregen. Die meisten Anleger “verstecken” Risiko in Ihrem Portfolio, indem sie zwar Anlagen mit niedriger Ausfallwahrscheinlichkeit wählen (z. B. einlagengesicherte Tagesgeldkonten), sich dabei aber nicht bewusst sind, dass im Ernstfall, wie eingangs erläutert, die Schadenshöhe extrem hoch ist, weil praktisch alles auf eine Karte gesetzt wurde. Das als niedrig empfundene Risiko kann dann den Totalausfall bedeuten. Wir werden daher in unseren Artikeln nicht müde zu betonen, wie wichtig die breite Streuung ist, denn nur so können Sie Verluste von vornherein begrenzen.

Der Weg zur Rendite ist steinig

Kürzlich war ich auf einer Familienfeier und hörte folgende Aussage: “Mein Nachbar hat mit Goldminenaktien innerhalb von 2 Monaten über 50 % Gewinn gemacht.” Wow, denkt man sich und macht dabei einen entscheidenden Denkfehler, denn man betrachtet die Rendite isoliert vom eingegangenen Risiko. Der folgende Vergleich illustriert das Problem: Mit einem hochmotorisierten Motorrad schafft man es von Frankfurt nach Hamburg in vielleicht 3 Stunden. Dafür muss der Fahrer aber extrem schnell fahren, gewagte Überholmanöver vornehmen und die ein oder andere Verkehrsregel missachten. Später erzählt der Motorradfahrer Ihnen stolz, in welch kurzer Zeit er die Strecke geschafft hat. Was er Ihnen dabei verschweigt: Er hat sich dabei mehrfach in Gefahr gebracht und ist ein hohes Risiko eingegangen. Nur durch Glück hat er einen schweren Unfall vermieden.

Mit dem Motorrad die Strecke in 3 Stunden zu schaffen ist angesichts des Risikos nicht sonderlich beeindruckend. Schon eher erstaunlich wäre es, wenn Sie das Ganze mit einer gepanzerten S-Klasse schaffen, bei der sie als Insasse einem viel geringeren Risiko ausgesetzt sind. Innerhalb von 2 Monaten 50 % Rendite einzufahren, ist ebenso alles andere als beeindruckend. Wer sich ein wenig mit der Materie auskennt, lächelt müde über derartige Aussagen, weil solche Investments schnell zu Verlusten von 50 % und mehr führen können. Im Nachhinein mit dem Renditeerfolg zu prahlen ist einfach, wenn man Glück hatte und sich nicht in der Verlierer-Gruppe befindet.

Am Ende ist nicht das Anlageergebnis entscheidend, sondern unter welchem Risiko es erwirtschaftet wurde. Glaubwürdige Experten betrachten deswegen nicht nur isoliert die historischen Renditen, sondern sogenannte risikoadjustierte Werte. Dabei setzen sie die Rendite ins Verhältnis zum eingegangenen Risiko (z. B. der Schwankungsbreite von Aktien). Diese Betrachtungen sind nicht perfekt, weil man dafür nur historische Daten nutzen kann und das Risiko der Vergangenheit nicht zwangsläufig dem zukünftigen entsprechen muss. Die gemeinsame Betrachtung von Risiko und Rendite ist aber die einzige Möglichkeit, um überhaupt eine Aussage über die Attraktivität einer Geldanlage machen zu können. Angesichts des schlechten Risiko-Benefit-Verhältnisses würde auch kaum jemand auf die Idee kommen, das Pendeln von Frankfurt nach Hamburg per Motorrad als attraktiv zu bezeichnen, trotz der kurzen Fahrzeit.

Kleine Tipps für die Praxis

Das Problem all dieser Betrachtungen ist, dass man zwar die Rendite (im Nachhinein) genau messen kann, aber häufig nicht das Risiko. Gerade bei relativ seltenen Ereignissen wie Banken- und Staatspleiten gibt es zu wenig Daten, um auch nur ansatzweise verlässliche Aussagen über die Sicherheit von Sparkonten zu machen. Als Faustregel kann gelten, dass man umso mehr vor einem Ereignis auf der Hut sein sollte, je seltener es zu sein scheint. Viele Anleger verlassen sich z. B. völlig auf Einlagensicherungen und den Staat, in dem Glauben, dass der Staat nicht pleitegehen kann. Dabei sind Staatspleiten historisch betrachtet eher die Regel als die Ausnahme. Nicht alles auf eine Karte (=Bank/Anlage) zu setzen, ist in diesem Kontext die einzig praktikable Empfehlung.

Wesentlich besser messbar sind Risiken an Aktien- und Anleihemärkten. Hier kann jeder Anleger selbst den historischen Kursverlauf eines Aktienindex nachvollziehen und prüfen, ob ein bestimmtes Renditeergebnis angesichts der beobachteten Wertschwankungen in die Verlust- und Gewinnzone attraktiv ist oder nicht. In den größeren Finanzkrisen waren Verluste von 50-60 % an der Tagesgordnung. Wer dann durchgehalten und nicht verkauft hat, wurde meist mit hohen Renditen belohnt. Derartige Verluste emotional und finanziell wegzustecken, muss man aber erst einmal schaffen. Die meisten Anleger sind dazu nicht in der Lage, weswegen klassische Sparprodukte mit fixen Zinsen noch immer sehr beliebt sind, trotz der auch hier vorhandenen Risiken (siehe oben).

Beim nächsten Besuch bei Ihrer Hausbank wird Ihr Anlageberater Ihnen mit Sicherheit einen der hauseigenen Aktienfonds andrehen wollen. Dazu wird er Ihnen beeindruckende Renditen der letzten 5 Jahre nennen, mit dem Hinweis, dass die Aktienmärkte ja gerade besonders gut laufen. Fragen Sie ihn spaßeshalber einmal, wie hoch die Schwankungen nach unten und oben am Aktienmarkt in den letzten 30 Jahren waren. Ihr Berater wird Ihnen entweder keine Zahlen nennen können oder ausweichend versuchen, das Risiko kleinzureden. Das soll nicht heißen, dass Aktien unattraktiv sind (sie sind es absolut!), sondern illustrieren, dass die entscheidenden Informationen zur Einschätzung einer Anlage nur allzu gerne ausgelassen werden. Dabei machen Angaben zur Rendite eigentlich nur zusammen mit dem Risiko Sinn.

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