Unser Anleger-Ausblick auf das Jahr 2018

Letzte Aktualisierung:01.01.2018 | Stefan Erlich

Unser Anleger-Ausblick auf das Jahr 2018

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Irgendetwas stimmt in unserer Geld- und Wirtschaftsordnung nicht mehr. Die EZB will mit ihren Anleihenkäufen 2,55 Billionen € in den Markt pumpen (das sind deutsche Billionen, keine englischen “billion”!) während Negativzinsen bei Anleihen mittlerweile zum akzeptierten Standard gehören und die Bundesbank im Namen der EZB etwas mehr als 20 % der deutschen Staatsanleihen hält. Gleichzeitig brummt die Wirtschaft und die Börsen eilen von Hoch zu Hoch. Wie passt das zusammen? Warum fährt die Europäische Zentralbank trotz der gestiegenen Inflation bis auf Weiteres einen so expansiven Kurs? Der Verdacht liegt nahe, dass sie Gefangene der hohen Staatsschulden in Europa (und weltweit) ist. Würde sie die geldpolitischen Zügel straffen, so wären Staatspleiten aufgrund rasch steigender Zinsen vermutlich nicht mehr zu vermeiden.

Die Erkenntnis ist jedoch nicht neu. Schon 2014 hatte ich darüber geschrieben und auch Blogautor Daniel Stelter befasst sich seit Jahren bei “Think Beyond The Obvious” damit. Man muss sich aber die Frage gefallen lassen, welchen Wert eine solche Erkenntnis hat, wenn die befürchteten Konsequenzen (Inflation, Staatspleiten etc.) bis heute nicht eingetreten sind. Wie soll ich mein Anlageportfolio ausrichten, wenn ich nicht weiß, wann es die Konsequenzen geben wird? Japan gilt mit einer Staatsverschuldung von 233 % des BIP (!) als eine Art negatives Vorbild für Europa, allerdings hat sich dort trotz der hohen Verschuldung und einer absurd expansiven Zentralbankpolitik (der Bank of Japan gehören mittlerweile 75 % aller japanischen ETFs und etwa 40 % der japanischen Staatsschulden) bis heute nicht die gewünschte Inflation eingestellt.

Selbst wenn ich also mit Sicherheit wüsste, welche (beängstigenden?) Entwicklungen in der Zukunft auf uns warten, würde es mir bei meiner Anlagestrategie nicht helfen, weil ich das genaue Timing nicht kenne. Das Beispiel Japan zeigt, wie lange logische und in sich schlüssige Prognosen teilweise auf ihre Verwirklichung warten. Wir Anleger haben aber nur einen begrenzten Anlagehorizont und sind ungeduldige Geister. John Maynard Keynes soll in diesem Kontext einmal gesagt haben, dass die Märkte länger keinen Sinn machen können, als man Geldmittel hat, um gegen sie zu wetten. Selbst wenn also die von vielen erwartete Hyperinflation kommen sollte, wäre unklar, wann genau, und ohne die konkrete Zeitangabe lässt sich mit der Erkenntnis im Kontext der Geldanlage außer ein wenig Panikmache reichlich wenig anfangen.

Was soll man tun, wenn man nichts weiß?

Mich treibt daher seit einiger Zeit die Frage um, wie man das Thema Geldanlage angehen sollte, wenn man sich bewusst ist, dass man über die Zukunft sowohl zeitlich als auch inhaltlich erschreckend wenig weiß. Einige Experten verweisen in dem Kontext auf das Konzept des “passiven Investierens”, das aufgrund historischer Betrachtungen (60-80 Jahre) davon ausgeht, dass die Börsen langfristig (10+ Jahre) immer steigen. Das klingt auf den ersten Blick gut, allerdings habe ich meine Probleme mit der Annahme, dass sich historische Entwicklungen in der Zukunft fortsetzen werden, denn die Vergangenheit zeigt nur, was möglich ist, nicht was sein wird. Das sind zwei fundamental unterschiedliche Dinge. Dennoch halte ich das passive Investieren für eine valide Option, die zumindest eine mögliche Antwort auf meine obige Frage gibt.

Um zu verstehen, warum ich das passive Investieren trotz der wackeligen Annahmen für interessant halte, lohnt sich ein Blick auf die Natur. Sie macht sich keine Gedanken darüber, welche Spezies am besten für das in 1000 Jahren vorherrschende Klima geeignet ist, sondern sorgt dafür, dass sich ein möglichst großes Portfolio unterschiedlicher Tiere und Pflanzen entwickelt. Wird es in 1000 Jahren besonders heiß, überleben primär diejenigen, die mit hohen Temperaturen problemlos umgehen können. Wird es dagegen kalt und nass, entwickeln sich völlig andere Spezies prächtig. Die Natur ist, was das Überleben einzelner Arten angeht, völlig ergebnisoffen. Diversifikation ist das Mittel ihrer Wahl und sie nimmt im Rahmen eines Portfolios das Scheitern einzelner Elemente bewusst in Kauf.

Interessant ist, dass sich dieser Ansatz beim passiven Investieren wiederfindet. Ein Unterschied liegt jedoch in der Erwartungshaltung der Anleger, die in einem gewissen Zeitrahmen (in der Regel 10+ Jahre) eine positive Rendite erwarten, um das Ganze als Erfolg zu verbuchen. Die Natur dagegen hat einen sehr langen Atem und verbucht als Erfolg schon, wenn das Portfolio an Tier- und Pflanzenarten in dezimierter Form überlebt. Übertragen auf das Anlegen könnte man behaupten, dass der Natur nur der Erhalt eines Teils des Vermögens wichtig ist, kombiniert mit der Möglichkeit, in Einzelfällen enorm zu expandieren und hohe Renditen einzufahren. Wer also damit klar kommt, dass sein passives Aktienportfolio in 30 Jahren eventuell nur noch 50 % wert ist, für den ist diese Art der Anlage eine gute, weil an die Natur angelehnte. Die Mehrheit der Anleger dürfte mit dieser Erwartungshaltung allerdings ihre Probleme haben.

Scheitern ist out, Retten ist in

Wir Deutschen haben riesige Angst vor Verlusten. Das spüre ich immer wieder in Zuschriften von Lesern und in persönlichen Gesprächen. Scheitern muss gefühlt um jeden Preis verhindert werden. Dabei ist gerade das Scheitern ein zentrales Element der Natur, des Lebens und damit auch der Geldanlage. Leider sehe ich im Wirtschaftsgeschehen eine Tendenz zu immer größeren Dimensionen. Das ist einerseits verständlich, führt aber dazu, dass das Scheitern immer teurer wird. Den Großflughafen BER einfach abreißen und neu anfangen? Zu peinlich, zu teuer und dem Wähler nicht zu vermitteln. Die Deutsche Bank im Ernstfall pleitegehen lassen? Frau Merkel dürfte allein bei dem Gedanken der Angstschweiß auf der Stirn stehen. Ein EU-Land aus dem Euro austreten lassen? Es scheint undenkbar angesichts der Größe der EU und der damit verbundenen Schreckensszenarien.

Wenn Sie eine Prognose für 2018 und die darauffolgenden Jahre von mir hören wollen, dann die, dass wir alle aus heutiger Sicht zum Scheitern verurteilten Projekte und Organisationen irgendwie “retten” werden - “koste es, was es wolle”. Ein Scheitern mit allen zugehörigen Folgen und Kosten gilt als inakzeptabel. Wir haben uns im Zuge der Finanz- und Euro-Krise so sehr an den Staat als Retter in der Not gewöhnt, dass mittlerweile sogar ein so hoch angesehenes Magazin wie Finanztest die Bonität von Banken nur noch anhand des Ratings des Heimatstaates bewertet. Das ist in etwa so, als würden Sie sich für einen Neuwagen entscheiden, weil Sie den ADAC als zuverlässigen Retter in der Not einstufen. Wäre es nicht sinnvoller, im ersten Schritt erst einmal die Zuverlässigkeit des Autos selbst zu prüfen? Schließlich wollen Sie ja gar nicht erst liegen bleiben.

Wir sollten uns aber nicht in Sicherheit wiegen. Die ständige “Retterei” durch Merkel & Co bedeutet nicht, dass nicht irgendwann doch etwas scheitern wird - im Gegenteil. Das Scheitern wird lediglich hinausgezögert und kann dann sogar zu bösen Überraschungen führen, weil niemand mehr erwartet, dass ein Scheitern mit allen zugehörigen Verlusten noch möglich ist. Das gilt für die Börse, die seit der Finanzkrise in 2009 keine wirklich schmerzhafte Korrektur mehr durchgemacht hat genauso wie für den Euro, die Bankenwelt und die Bonität von Staaten (Stichwort Staatsverschuldung). Auch hier gilt aber, dass wir das Timing nicht kennen, was es unmöglich macht, danach zu handeln. Vielleicht knallt es in 2018, vielleicht erst in 2030 oder sogar in 2050? Niemand weiß es!

Dieser Abschnitt soll im Übrigen nicht dazu dienen, Panik zu schüren - ganz im Gegenteil. Schauen Sie optimistisch in die Zukunft, denn jede Zeit bietet ihre Chancen, die es zu ergreifen gilt. Tatsächlich ist das Schöne am Scheitern ja, dass es wie eine Art heftiger Sturm die Luft reinigt und Platz macht für Neues. Ich möchte primär zum Nachdenken anregen, denn ein Scheitern im Kontext der Geldanlage kann im Ernstfall auch bedeuten, harte Verluste im eigenen Portfolio zu erleiden und die sind bekanntlich schwerer zu ertragen als die der anderen. Das Ziel sollte für Sie stets sein, durch eine breite Streuung und Diversifikation die möglichen Verluste so klein wie möglich zu halten. Dann tut es am Ende auch nicht so weh.

Ein paar persönliche Worte zum Schluss

Ich muss gestehen, dass mir der vorliegende Artikel bei der Erstellung einige Kopfschmerzen bereitet hat. Einerseits hätte ich Ihnen gern einige schlüssige Prognosen für das Jahr 2018 präsentiert, andererseits möchte ich aber nicht der Masse der Kolumnisten folgen, die jedes Jahr erneut Prognosen aufstellen, nur um am Ende wieder daneben zu liegen. Vielmehr möchte ich dazu beitragen, dass wir Anleger uns nicht ständig an die Prognosen vermeintlicher Experten klammern oder gar selbst in die Glaskugel schauen, um Anlageentscheidungen zu treffen. Ob Bitcoins, Aktien, Gold oder Staatsanleihen in 2018 crashen werden, kann niemand vorhersagen. Doch was ist ein Anleger-Ausblick wie dieser ohne Prognosen? “Allgemeines und bekanntes Gefasel” sagte meine Frau mit einem mitleidigen Schmunzeln nach dem Korrekturlesen, womit sie sicherlich recht hat.

Ich hoffe, Sie konnten dennoch ein paar Gedanken mitnehmen und vielleicht habe ich Sie ja dazu angespornt, in 2018 etwas mehr Diversifikation in Ihr Anlageportfolio zu bringen. Gerade die ersten kleinen Schritte (z. B. das zweite oder dritte Festgeldkonto) haben zumeist den größten Effekt.

Ich würde mich freuen, wenn Sie uns auch im neuen Jahr als gelegentlicher Besucher unseres Portals oder auch als Abonnent unseres kostenlosen Newsletters treu bleiben. Wie immer gilt: Bei Fragen, Anregungen oder auch Kritik melden Sie sich gern per E-Mail bei uns (info@kritische-anleger.de).

Ihr Stefan Erlich, Leiter der Redaktion

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