Guten Abend liebe Foristen!
Ich unterhalte seit Jahren ein Konto bei Raisin (früher Weltsparen). Nachdem ein Aktionsgeld bei einer anderen Bank auslief, habe ich das Konto unlängst wieder etwas gefüllt und mehrere Festgelder angelegt. Als Reaktion kam heute eine Mail, man habe das Konto gesperrt und verlange Herkunftsnachweis.
Ich bin etwas geschockt, ist mir sowas doch bei allem Tagesgeldgehüpfe noch nie passiert..
Ca die Hälfte des Geldes stammt aus einem Immoverkauf - ich habe daher mal Auszüge des Kaufvertrages hingeschickt.
Der Rest ist allerdings erspart und über Jahre an der Börse entstanden; keine Ahnung wie das lückenlos bewiesen werden soll.
In der Mail droht man mir übrigens eine Kündigung des Kontos an - was dann mit den schon abgeschlossenen Festgeldern passieren würde, wusste auch die Hotline nicht.
Was haltet Ihr davon? Fühle mich etwas enteignet… dürfen die gleich das Konto lahmlegen..?
Schönen Abend!
S.
Interessant, dass dir das bei Raisin passiert. Höre ich jetzt zum ersten Mal, aber klar, das Verrechnungskonto läuft ja über die Raisin-eigene Bank und entsprechend unterliegen auch sie den Geldwäscheregularien.
Das Thema kommt hier ja bei unterschiedlichsten Banken immer mal wieder hoch. Das Fazit bisher: So richtig weiß keiner, wann und unter welchen Bedingungen man "rausgezogen" wird. Fakt ist: Die Bank ist zur Erfüllung ihrer Verpflichtungen im Rahmen der Geldwäscheprävention verpflichtet. Tut sie das nicht oder nicht ordentlich, kriegt sie mit der BaFin Ärger. Raisin macht das also nicht, um dich zu ärgern, sondern um sich selbst vor den Behörden zu schützen.
Das macht es natürlich nicht weniger ärgerlich, aber sorgt vielleicht für etwas Verständnis, da in deinem gleichlautenden Thread bei Finanztip direkt ein User mit "Das riecht nach BAFIN Einschaltung" um sich warf. Am Ende des Tages ist es nämlich leider eher genau andersherum: Die BaFin schaltet sich ein, wenn Raisin das Thema Geldwäsche NICHT ernst nimmt.
Lange Rede, kurzer Sinn: Um den Nachweis der Herkunft der Gelder wirst du aller Voraussicht nach nicht herumkommen und oft geht es den Banken gar nicht so sehr, wie detailliert du das aufschlüsselst oder nachweist, sondern dass sie überhaupt Nachweise bekommen, die halbwegs schlüssig sind.
Den Nachweis aus dem Immoverkauf kannst du ja per Verkaufsvertrag schon mal recht gut leisten. Was das Vermögen aus Börsenspekulationen angeht, würde ich ggf. einen Kontoauszug liefern, der ein gewisses Vermögen/Guthaben zeigt, das Sinn macht und ggf. noch die Steuerbescheinigungen der Jahre dazu, damit sie sehen, dass da "fette Gewinne" entstanden sind.
Again: Du bist da leider, wie viele hier im Forum auch, einfach "zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort" gewesen. Die Bank (Raisin) macht letztlich nur ihren Job, um keinen Ärger mit den Behörden zu bekommen. Ob sie das gut oder schlecht machen, kann ich nicht beurteilen.
Hoffe, du kriegst das hin :-)
@Sealwolf
Danke für deinen aus meiner Sicht aufschlussreichen, nachvollziehbaren und nachfühlbaren Erfahrungsbericht. Dem Gefühl der Ohnmacht folgend würde ich sagen: krass! Ohne Gefühle und mit kaltem Verstand gibt es andererseits auch Lösungsmöglichkeiten. Die Kunst ist, beides (wenn vorhanden) in Einklang zu bringen.
Ich persönlich habe deutlich weniger Verständnis für staatliche Restriktionen und Repressionen als andere und nehme daher auch nicht einfach hin, dass beliebige Gesetze eingehalten werden müssen und jeder der das tut von menschlicher Verantwortung befreit ist. Natürlich sollen Banken zunehmend schärfere Gesetze und Vorgaben erfüllen, aber sie tun das bisher sehr unterschiedlich, haben also Ermessens- und Verfahrensspielraum und tragen nach wie vor die Verantwortung ihrer eigenen Entscheidungen (wie auch jeder einzelne von uns).
Ob und in welcher Weise eine Bank also "Geldwäsche" verhindern versucht, ist sehr variabel. Zuerst das Konto zu sperren und danach Nachweise zu erzwingen ist wohl eine der repressivsten Varianten. Mir vermittelt sie die das Bild vom Menschen/Kunden als Untertanen.
Anderseits gehören Kontosperrungen und -kündigungen heute zum Banken-Alltag. Möglicherweise muss jeder erst selbst betroffen sein, um die Tragweite dieser Praxis zu begreifen und eine eigene Position dazu zu entwickeln.
Auch wenn ich nicht in gute oder schlechte Banken unterscheide, scheinen mir die neuen Blüten der "Geldwäscheverhinderung" vor allem bei denjenigen Banken aufzublühen, die weniger Wert auf rundherum gut laufende Prozesse legen. Meist sind das kleinere Banken mit spezialisierten Geschäftsmodellen. Das ist aber nur meine persönliche Statistik. Auf jeden Fall häufen sich die Berichte bei bestimmten Banken und bei anderen nicht. Das würde ich in die Lösungsfindung unbedingt mit einbeziehen.
Zuguterletzt hat auch das Geschäftsmodell von Raisin ganz klar Vor- und Nachteile. In diesem Fall wird ein gravierender Nachteil sichtbar, der sonst erstaunlich unbeachtet bleibt: Raisin handelt als Vermittler, dem eine zentrale Verantwortung zukommt, weil er alle Fäden in der Hand hält für die Einlagen, die eigentlich bei anderen Banken liegen. Das kann offensichtlich zur Nichtverfügbarkeit aller Einlagen führen - und natürlich ist das aus Sicht des Vermittlers auch völlig in Ordnung so und nicht weiter bemerkenswert.
Jeder Kunde muss selbst entscheiden, ob er einem Vermittler in solchen Geschäftsmodellen wirklich derart viel Verantwortung geben will. Auch ohne eine solche Kontosperrung vorweg genommen zu haben, habe ich mich grundsätzlich dagegen entschieden. Allerdings habe ich früher bei einem anderen Vermittlungsmodell schon einen Totalverlust erlitten.
Mir ist aber bewusst, dass du dich mit noch jahrelanger Laufzeit der Festgelder gar nicht von Raisin abwenden kannst. Da ist guter Rat teuer...
@ErnieInteressanter Beitrag. Dürfen wir ... → Werden Sie jetzt kostenlos Mitglied der Kritische-Anleger-Community, um den vollständigen Beitrag zu sehen!
Ich hatte mal vor ein paar Tagen bei der Bafin angefragt, wie geregelt ist, welche Unterlagen man zum Nachweis erbringen muss, da es mich bei der Advancia erwischt hat.
Die Antwort: das legt jede Bank selbst fest und entscheidet auch, ob es ausreicht.
Es gibt keine Vorgaben.
Allerdings wurde bei mir das Konto nicht gesperrt, weil das ist ja schon krass. Insbesondere vielleicht bei Tagesgeld und du das vielleicht die nächsten Tage dringend brauchst.
Ich würde auch zuerst keine Verträge, Bankauszüge und ähnliches liefern, das geht die Bank eigentlich nichts an. Einfach nur der Hinweis, die Summe x aus Immobilienverkauf, Summe y aus Aktienverkauf usw.
Lt. der Bafin-Mitarbeiterin, die ich am Telefon hatte, sollte das in der Regel reichen.
@Erni,
Die Consorsbank prüft den Nachweis bereits bei der Eröffnung.
Da sind zum Beispiel die Fragen des jährlichen Einkommens, das kann jeder wohl in etwa richtig angeben. Die Bank erleichter die Antworten mit Stafflungen von-bis.
Wie die Stafflungen sind weiß ich nicht mehr.
Herkunft des Vermögens, da werden ebenfalls mehrere Auswahlen vorgegeben unter anderem auch aus Sozialleistungen.
Die Antwort aus ersparten und Einkommen ist sehr dehnbar.
Summen der Höhe der voraussichtlichen Anlage.
Gibt jemand sein Einkommen aus Sozialleistungen die voraussichtliche Summe der Einlage, z. B. mit 100.000 € an, da dürften die Alarmglocken läuten.
Wo hat ein Sozialhilfeberechtigter 100.000 € her?
Da ist keine Plausi drin.