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7 Dinge, die ich mir von Anlegern zu Weihnachten wünsche
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7 Dinge, die ich mir von Anlegern zu Weihnachten wünsche

Letzte Aktualisierung: 01.12.2017 | Autor: Stefan Erlich
7 Dinge, die ich mir von Anlegern zu Weihnachten wünsche

Dieser Kommentar erschien im Rahmen unseres monatlichen Anleger-Updates, das wir unseren Abonnenten jeweils zum 01. jeden Monats kostenlos per E-Mail zur Verfügung stellen. Darin diskutieren wir jeweils ein aktuelles Thema, präsentieren unsere Anlagetipps und informieren über die besten Zinsen im Markt. Sollten Sie sich für unseren Newsletter interessieren, dann melden Sie sich einfach über folgenden Link dafür an. Wir geben Ihre E-Mail-Adresse an keine dritten Parteien weiter und Sie können sich selbstverständlich jederzeit wieder davon abmelden.

Ende 2011 habe ich das Portal Kritische-Anleger.de gegründet und mir damit den Traum einer sinnvollen selbständigen Tätigkeit verwirklicht. Dabei habe ich in den 6 Jahren seit der Gründung viel gelernt, zum einen im Bereich des Geschäftlichen (Technik, Marketing, Steuern, Mitarbeiter), aber zum anderen natürlich auch, was das Thema Geld anlegen angeht. Ursprünglich war mein Credo: “Tages- und Festgeld sind super, Aktien und Co dagegen doof!”. Dass das so pauschal nicht richtig ist, weiß ich heute, und ich weiß auch, dass vieles, was wir über die Geldanlage zu wissen glauben, eher gefährlichem Halbwissen gleicht. Das liegt zum einen an der mangelnden Finanzbildung in Deutschland und zum anderen an den sich stetig verändernden Märkten, die nicht wie die Physik fixen Naturgesetzen folgen.

Nun würde ich nicht behaupten, dass ich die Finanzmärkte verstanden oder die ultimative Geldanlage gefunden habe. Ich bin von beidem noch weit entfernt (sofern diese zwei Ziele überhaupt jemals erreicht werden können). Durch den Austausch mit vielen Anlegern habe ich jedoch ein gutes Gefühl dafür bekommen, was im Alltag der Geldanlage falsch läuft, worüber Anleger stolpern und wo Missverständnisse liegen, die oftmals zu falschen Entscheidungen führen. Das sind zum Teil banale Dinge, aber auch die können zu großen Verlusten führen. Und weil nun die Weihnachtszeit beginnt, möchte ich Ihnen meine 7 Lehren aus 6 Jahren Redaktionsarbeit als eine Art Wunschliste präsentieren. Vielleicht erfüllen Sie mir den ein oder anderen Wunsch?

Wunsch Nr. 1: Schauen Sie auf die Kosten Ihrer Geldanlagen!

Mein größter Wunsch an Sie zu Weihnachten ist, dass Sie stärker auf die Kosten Ihrer Anlageprodukte schauen. Dies betrifft vor allem die klassischen aktiven Fonds, Lebensversicherungen und Vorsorgeprodukte. Werfen Sie nach Weihnachten doch einmal einen Blick in Ihre Altverträge und versuchen Sie zu ergründen, wie viel Ihr Anbieter Ihnen jedes Jahr an Gebühren abknöpft. Ich kann Ihnen versprechen, Sie werden staunen! Ein Beispiel: Bei den Fonds der Direktbank Moneyou werden einmalig 1,25 % und jedes Jahr zwischen 1 % und 1,64 % Ihres Anlagebetrages in Form von Gebühren fällig. Wer hier 50.000 € anlegt, ist auf einen Schlag zwischen 1.125 € und 1.445 € los, plus jedes Jahr zwischen 500 € und 820 €. Solche Beträge muss man in Form von Rendite erst wieder erwirtschaften!

Leider konnte ich für diesen Artikel die Quelle der Studie nicht mehr finden, aber im Rahmen einer historischen Datenerhebung wurde festgestellt, dass die Fondskosten im Vergleich zur historischen Rendite der bessere Indikator für den zukünftigen Fonds-Erfolg waren. Nun sagt die Vergangenheit wenig über die Zukunft aus, weshalb auch diese Studie mit Vorsicht zu genießen ist. Wir können allerdings festhalten, dass die Kosten einen entscheidenden Einfluss auf Ihren Anlageerfolg haben und Sie die Gebühren im Gegensatz zur Rendite erfreulicherweise sogar selbst bestimmen können, indem Sie günstige Anlageprodukte wählen. Dabei kommt es nicht auf die zweite Nachkommastelle an. Ein börsengehandelter Indexfonds (ETF) mit 0,20 % pro Jahr wird Ihnen langfristig aber im Vergleich zu einer Lebensversicherung mit 1,70 % ganz klar mehr Spaß machen.

Wunsch Nr. 2: Betrachten Sie Rendite und Risiko stets in Relation zueinander.

Ich würde mir wünschen, dass Anleger Rendite und Risiko stets im Verhältnis zueinander betrachten und nicht isoliert. Ich höre immer wieder Dinge wie z. B. “Herr Erlich, ich habe da diese tolle Anlage mit 12 % Rendite gefunden!” oder “Herr Erlich, Aktien sind wirklich Teufelszeug, denn da kann man ja 60-70 % seines Geldes verlieren!”. Beide Aussagen sind ohne Betrachtung des zugehörigen Verlustrisikos bzw. Renditepotentials sinnfrei. So kann eine Geldanlage mit 12 % fixer Rendite durchaus interessant sein, wenn sie breit diversifiziert und mit Sicherheiten unterlegt ist. Genauso sind Aktien durchaus interessant, weil sie nach oben hin praktisch keine Renditegrenze kennen und sich über Exchange Traded Funds (ETFs) sehr breit diversifizieren lassen. Die korrekte Antwort auf obige Aussagen wäre also: “Es kommt auf das Verhältnis an!”.

Ich bin mir bewusst, dass mein Wunsch nach einer gemeinsamen Betrachtung von Rendite und Risiko in der Praxis nicht so einfach umzusetzen ist. Leider fehlt uns in vielen Bereichen die Datenbasis, um Rendite und Risiko zuverlässig einschätzen zu können. Auch historische Daten helfen nur bedingt weiter, sagen sie doch nur wenig über die zukünftige Entwicklung aus (siehe Wunsch Nr. 4). Das sollte Sie aber nicht davon abhalten, sich bei jeder Entscheidung Gedanken darüber zu machen, wie viel Sie im besten Fall verdienen und im schlechtesten Fall verlieren können. Viele würden sich dann z. B. gegen Crowdinvesting entscheiden, weil dem Totalverlustrisiko (!) nur Renditen von etwa 4-7 % gegenüberstehen - eigentlich kein gutes Rendite-Risiko-Verhältnis. Der Mangel an Alternativen mit fixem Zinssatz treibt viele Anleger aber dennoch in diese Anlageklasse.

Wunsch Nr. 3: Diversifizieren Sie breiter!

Ich würde mir wünschen, dass Privatanleger stärker diversifizieren und ihr Vermögen breiter streuen, sowohl über die verschiedenen Anlageklassen hinweg (z. B. Tagesgeld/Festgeld, Aktien, Gold, Immobilien) als auch innerhalb der Anlageklassen selbst. Wir Deutschen neigen dazu, die absolute Wahrheit in einer einzigen Geldanlage oder Anlageklasse zu suchen. So haben z. B. viele aufgrund der eigenen Immobilie eine sehr starke Konzentration in diesem Bereich. Kommt ein Immobiliencrash oder muss man sich zu einem ungünstigen Zeitpunkt von der Immobilie trennen, kann das schnell zu hohen Verlusten führen. Genauso führt die exklusive Anlage in Tages- und Festgeld zu einer hohen Abhängigkeit von der Großzügigkeit unserer Politiker, denn bei der nächsten Bankenkrise wird auch der deutsche Einlagensicherungsfonds überfordert sein und der Staat ist laut Gesetz nicht verpflichtet, in so einem Fall zur Hilfe zu eilen.

Diversifikation ist kein Wundermittel, mit dem sich Sicherheit und Rendite garantieren lassen, aber ein guter Ansatz, um den Verlust größerer Teile des eigenen Vermögens aufgrund nicht vorhersehbarer Ereignisse zu vermeiden. In der Praxis sind dabei oftmals die kleinen ersten Schritte die wichtigsten. Verteilen Sie z. B. Ihr Festgeld auf zwei oder drei verschiedene Banken, anstatt alles bei einer anzulegen. Überlegen Sie sich auch, einen kleinen Aktienanteil in Form von günstigen Exchange Traded Funds (ETFs) in Ihr Portfolio aufzunehmen und sich mit ein paar Gold/Silber-Münzen im Rohstoff-Bereich breiter aufzustellen. Wenn es um “Betongold” geht, wird die Diskussion dagegen schwierig, weil viele Anleger das Investment in die eigene Immobilie per se als sinnvoll ansehen. Überlegen Sie aber auch hier, ob Sie sich das Klumpenrisiko wirklich in das Portfolio holen wollen. Der Klassiker “Kaufen oder mieten?” von Gerd Kommer sollte vor einem solchen Investment Pflichtlektüre sein.

Wunsch Nr. 4: Versuchen Sie nicht, die Zukunft vorherzusagen!

Wir Menschen neigen dazu, die Vergangenheit mehr oder weniger in die Zukunft fortzuschreiben. Immobilien laufen aktuell gut? Dann nehmen viele implizit an, dass dies auch in den kommenden Jahren" so sein wird. Aktien steigen seit Jahren? Also springen mehr und mehr Privatanleger auf den Trend auf. Umgekehrt gibt es aber auch viele Anleger, die auf Basis historischer und aktueller Entwicklungen eigene Prognosen aufstellen, z. B., dass der US-Dollar abstürzen wird, wenn Donald Trump das Amt des Präsidenten übernimmt. Oder Sie folgen einem der zahlreichen Crash-Propheten, die seit Jahren (vergeblich) den großen Untergang an den Finanzmärkten voraussagen. Dabei sind wir Menschen erschreckend schlecht darin, die Zukunft vorherzusagen, egal ob auf Basis eigener Überlegungen oder historischer Betrachtungen.

Ich würde mir wünschen, dass mehr Menschen ihr Geld anlegen, ohne auf Zukunftsprognosen zu setzen. Natürlich muss man immer gewisse Annahmen bezüglich der Zukunft treffen, allerdings sollten Sie vermeiden, größere Beträge in einseitige Wetten wie “Der DAX wird 2018 crashen!” oder “Der Immobilienmarkt wird weiter steigen!” zu stecken, egal wie logisch das jeweilige Szenario heute auch wirken mag. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie als Privatanleger daneben liegen, ist leider sehr hoch. Zudem sollten Sie die historischen Renditen von (Aktien-)Fonds komplett ignorieren. Die Fondsanbieter sind mittlerweile dazu verpflichtet, Sätze wie “Vergangenheitswerte sind keine verlässlichen Indikatoren für die künftige Entwicklung.” in ihre Prospekte aufzunehmen - nicht ohne Grund, denn historische Renditen sind für die zukünftige Performance in etwa so relevant wie das, was Sie gestern Abend gegessen haben.

Wunsch Nr. 5: Zahlen Sie für gute Beratung!

Leider vertrauen viele Anleger bis heute auf den lokalen Bankberater, Versicherungsmakler oder die Herren eines Strukturvertriebes wie der Deutschen Vermögensberatung (DVAG). Die Beratung ist dort meist kostenlos, was natürlich lockt, schließlich will man ja Geld anlegen und nicht Geld ausgeben. Leider wird in diesen Beratungsgesprächen meist mehr verkauft als beraten, denn die “Berater” leben von den Provisionen, die sie durch die Vermittlung von Anlage- und Versicherungsprodukten erhalten. Das sind zum Teil horrende Beträge, die selbstverständlich von Ihrem investierten Geld gezahlt werden. Am Ende bekommen Sie dann unter Umständen ein unpassendes Produkt mit viel zu hohen Kosten. Auch im Jahr 2017 findet diese Art von “Beratung” noch statt, was z. B. regelmäßig zum Abschluss teurer Kapitallebensversicherungen führt.

Die vermeintlich kostenlose, provisionsbasierte Beratung ist nicht dazu geeignet, gute Anlageempfehlungen auszusprechen, denn es besteht ein inhärenter Fehlanreiz, Produkte mit hohen Provisionen zu empfehlen. Ich würde mir daher wünschen, dass sich mehr Anleger dazu entscheiden, sich beim Thema Geldanlage einem honorarbasierten Anlageberater anzuvertrauen. Dieser wird für seinen Arbeitsaufwand (z. B. pro Stunde) entlohnt und kann Ihnen frei von Provisionen das empfehlen, was in Ihrer persönlichen Situation Sinn macht. Dies kann dann auch bedeuten, dass es schlichtweg keinen Handlungsbedarf gibt - eine Empfehlung, die Sie bei einer provisionsbasierten Beratung niemals erhalten werden. Einige gute Honorarberater finden Sie bei uns im Verzeichnis oder auch beim Verbund Deutscher Honorarberater (VDH).

Wunsch Nr. 6: Glauben Sie nicht an die Einlagensicherung und den Staat!

Viele Anleger glauben nur allzu gern an die Allmacht des Staates. Geht etwas schief, eilt dieser zur Hilfe, so die Hoffnung. In der letzten Finanzkrise hat er genau das auch getan. Ob man sich darauf auch in Zukunft verlassen können wird, weiß allerdings niemand. Von besonders großem Interesse ist die Frage nach der Unterstützung des Staates beim Thema Einlagensicherungen. Mittlerweile ist bekannt, dass die tatsächlich verfügbaren Finanzmittel der Einlagensicherungsfonds in Europa höchstens für die Pleite einer mittelgroßen Bank ausreichen würden. Was bei großen oder mehrfachen Pleiten passiert, ist völlig offen, denn anders als der Name “gesetzliche Einlagensicherung” suggeriert, gibt es keine gesetzliche Pflicht des Staates zur Stützung. Er kann eingreifen, muss aber nicht. Darauf verlassen sollte man sich nicht und sein Geld daher besser auf viele verschiedene Banken und Länder streuen, um das Verlustpotential zu verringern.

Doch auch in anderen Bereichen würde ich mir wünschen, dass Anleger den Staat mit mehr Skepsis betrachten. Das betrifft z. B. Steuerregularien, die sich ständig ändern. So galt seitens der Politik im Rahmen der Einführung der Abgeltungsteuer das eiserne Versprechen, dass Gewinne aus der Veräußerung von vor 2009 gekauften Fonds stets steuerfrei bleiben würden. Wie sich mittlerweile herausgestellt hat, war dieses Versprechen nichts wert, denn ab 2018 sollen auch Veräußerungsgewinne bei diesen Fonds besteuert werden. Es gelten dafür zwar einige Ausnahme- und Sonderregelungen, aber es zeigt, wie schnell politische Versprechen gekippt werden. Das Problem kann vor allem auch im Bereich der staatlich geförderten Altersvorsorgeprodukte wie Riester und Rürup auftreten. Sorgen Sie daher lieber selbst vor und verlassen Sie sich nicht zu sehr auf staatliche Modelle.

Wunsch Nr. 7: Investieren Sie erst in sich selbst, dann in Ihre Geldanlage.

Zum Schluss noch ein eher allgemeiner Wunsch: Nach allem, was ich in den letzten 6 Jahren gesehen und gehört habe, kann ich behaupten, dass nur die allerwenigsten Anleger langfristig mit der Geldanlage große Vermögen aufbauen. Die meisten versenken ihr Geld eher in kostspieligen Produkten, die am Ende nicht das halten, was sie versprechen oder sie verpulvern es durch einseitige Wetten auf die Zukunft - eine bittere Erkenntnis. Ein Großteil derer, die Vermögen aufgebaut haben, hat dies vor allem durch die berufliche Karriere und insbesondere durch die eigene Selbständigkeit geschafft. Ich würde mir daher wünschen, dass Sie mehr Wert auf Ihre Ausbildung, Ihre berufliche Karriere und vielleicht sogar den Aufbau eines kleinen Unternehmens legen. Die geschickte Geldanlage kann dann immer noch nebenbei passieren, aber sie sollte nur eine geringere Priorität haben, denn der weitaus größere Vermögenshebel liegt im Einkommensbereich.

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